„Wir müssten uns alle der Bedeutung dieses Augenblicks bewusst sein“

Interview mit Ada Hausvater, der Intendantin des Nationaltheaters Temeswar

Mittwoch, 05. Oktober 2016

Ada Hausvater, die Intendantin des Nationaltheaters Temeswar

Das Doppelfestival FEST-FDR, zu dem das Nationaltheater Temeswar eingeladen hat, ist vor wenigen Tagen zu Ende gegangen. Wie dieses Event in einigen Jahren ausschauen wird und wie sich das Nationaltheater auf das Jahr 2021 vorbereitet, in dem Temeswar den Titel einer Kulturhauptstadt Europas 2021 tragen wird, hat Ada Hausvater, die Intendantin des Nationaltheaters in einem Interview mit der BZ-Redakteurin [tefana Ciortea-Neam]iu erklärt.

 

 

Welches ist die Bilanz der diesjährigen Auflage des FEST-FDR?

Ich glaube, es ist eine gute Bilanz. FEST-FDR 2016 war eine lang erwartete Auflage, die wir vom Mai auf September aufgeschoben haben, kürzer als die vorhergehenden Auflagen, zugleich hat sie alles konzentriert, was zu einem Festival gehört: Es gab eine inspirierte Selektion für den Teil des Festivals der rumänischen dramatischen Dichtkunst, in dem wir mit Unterstützung des Kulturministeriums dem Publikum elf Vorstellungen präsentieren konnten. Was den Teil des Festivals betrifft, der sich der europäischen Theaterkunst widmet, für den wir von der Stadt unterstützt werden, haben wir uns auf den Gegenwartstanz konzentriert und auf die bereits stark erwarteten Vorstellungen im Freien. Es gab freie Gespräche mit Schauspielern, die auch die Perspektive des Regisseurs versuchen, Mihai M²laimare und Vlad Zamfirescu, sowie die Projektion des jüngsten Films von Radu Jude, „Vernarbte Herzen“ („Inimi cicatrizate“), eine landesweite Vorpremiere. Außerdem gab es Buchpräsentationen, wie die des neuesten Bands des nationalen Dramatik-Wettbewerbs.

 

Die Vorstellungen im Freien sind besonders begrüßt worden. Wird es sie auch in den kommenden Auflagen geben?

Auf jeden Fall. Bereits 2012 haben wir dieses Konzept eingeführt, um je mehr Menschen, auch den Fußgängern, die Möglichkeit zu bieten, aus dem Alltagsrhythmus hinauszutreten, neue Perspektiven zu erfassen und so wieder zu erlernen, sich zusammen an den Augenblicken zu erfreuen, die nur eine Vorstellung bieten kann. Wir haben von der ersten Auflage an diese Wette gewonnen, so dass wir auch weiterhin professionelle Straßentheaterkompanien aus aller Welt einladen werden.

 

Was wünschen Sie sich von der nächsten Auflage?

Wir hoffen, dass die nächste Auflage mindestens das Niveau der bisherigen erreicht. Wir möchten dem Publikum, zwölf Tage an Vorstellungen, die von rumänischen Texten ausgehen, und Events bieten, eine Reise durch alle Vorstellungskünste, ein neues FEST-Modul, outdoor, faszinierend, ungewöhnlich. Und selbstverständlich wünschen wir uns, dass das Publikum genauso enthusiastisch auf unser Angebot reagiert wie bisher.

 

In diesem Jahr musste das Festival wegen finanzieller Probleme aufgeschoben werden. Hoffen Sie in einer besseren Finanzierung nächstes Jahr oder wollen Sie europäische Fonds heranziehen?

Selbstverständlich wünsche ich mir, dass der Organisationsprozess nächstes Jahr besser fließt. „Finanzielle Probleme“, das bezieht sich nicht nur auf Geldsummen oder deren Genehmigung, sondern auch auf das Haushaltsjahr, ich hoffe, dass der Prozess vereinfacht wird.

 

Sie haben vor Jahren die Treffen für die Kandidatur unserer Stadt für den Titel einer Kulturhauptstadt Europas 2021 initiiert. Wie fühlen Sie sich jetzt, da unsere Stadt den Titel gewonnen hat?

Glücklich. Enthusiastisch. Es ist ein sehr wichtiger Augenblick in der Geschichte Temeswars und ich bin begeistert, dass ich an diesem Prozess teilnehmen kann. Ich glaube, wir müssten alle der Bedeutung dieses Moments bewusst sein, und auch unserer Rolle und unserer Chance, die Zukunft der Stadt zu gestalten.

 

Was wird die Verleihung dieses Titels konkret für das Nationaltheater bedeuten?

Es bedeutet nicht nur ein an einzelnen Events reiches Jahr 2021, sondern vorwiegend ein Parcours, den jede Institution durchlaufen muss. Dieser muss kohärent sein und in den Rahmen passen, der das Projekt ist, mit dem Temeswar den Titel gewonnen hat. Somit bedeutet der Titel für das Nationaltheater so wie für uns alle Verantwortung und Einbindung.

 

Wie wird das Nationaltheater Temewar zu den Events im Jahr 2021 beitragen? Wie bereiten Sie sich konkret darauf vor?

Das Nationaltheater befindet sich vor einem neuen Mandat. Das Projekt für die nächsten fünf Jahre beinhaltet auch ein Programm, das „Temeswar 2021“ betitelt ist. Im Rahmen dieses Programms wollen wir mehrjährige Projekte entwickeln, die bereits im Gesamtprojekt „Erhelle deine Stadt durch dich!“ skizziert wurden.

In diesem Kontext geht das Programm „Temeswar 2021“ von der Prämisse aus, die das operationelle Team des Vereins formuliert hat und auch vom Nationaltheater so verstanden wird, dass die „Rückgewinnung und die Stärkung der Rolle der Kultur auf sozialer, wirtschaftlicher Ebene sowie der zwischenmenschlichen Beziehungen auf lokaler, regionaler, nationaler und europäischer Ebene von Bedeutung sind, mit Vertrauen in der Macht der Kultur, Änderungen zu generieren, die Kreativität zu stimulieren und Leben zu erfüllen und verschönern“. Das Programm fußt auf Experimente, auf soziales Einbinden, auf Forschung und das Schreiben neuer Theatertexte, in der Formel des Theaterlabors und richtet sich an die hiesige Gemeinschaft, zielt aber auch auf die grenzüberschreitende Anbindung mit Hilfe des Theaters.

 

Wie wird FEST-FDR in fünf Jahren aussehen?

FEST-FDR 2021 wird mit großer Aufmerksamkeit vorbereitet, ohne seine Struktur zu ändern, die eigentlich von Anbeginn auf die Idee der Kulturhauptstadt Europas ausgerichtet war. Damals, 2011, wurde das Festival der rumänischen dramatischen Dichtkunst in seiner neuen Formel als FEST-FDR neu aufgewertet. Somit ist unser Vorhaben, dass wir in den 12 Tagen Festival Temeswar mit zirka 100 Events „beschäftigen“.

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