„Wir planen langfristig“

Jürgen Schmidt über die Entwicklung des Familienunternehmens Marquardt Schaltsysteme in Hermannstadt

Mittwoch, 21. November 2012

Jürgen Schmidt führt seit vier Jahren die Marquardt-Niederlassung in Hermannstadt und ist Vorstandsmitglied des Deutschen Wirtschaftsclubs Siebenbürgen. Foto: Holger Wermke

Seit 2006 produziert das Familienunternehmen Marquardt Schaltsysteme SCS im Hermannstädter Industriegebiet West Zubehör für die Automobilindustrie. Die zurückliegende Krise hat das Unternehmen schnell überwunden und frühzeitig die Weichen für weiteres Wachstum gestellt. Neue Mitarbeiter wurden eingestellt und die Expansion des Werkes geplant. Über die Erweiterungspläne des Unternehmens und die Situation am Standort Hermannstadt/Sibiu sprach ADZ-Redakteur Holger Wermke mit Geschäftsführer Jürgen Schmidt.


Herr Schmidt, Ihr Unternehmen zählt zu den wichtigsten Investoren in Hermannstadt. Es scheint Ihnen hier gut zu gehen...

Seit der Entscheidung im April 2004 ein Werk im Sibiu aufzubauen, hat sich die Marquardt Schaltsysteme SCS bis heute zu einem stattlichen Unternehmen mit 1100 Mitarbeitern entwickelt. Dies haben wir auch mit der Einweihung des zweiten Bauabschnittes im Juli 2010 und des dritten im August 2012 erreicht.

Für die dritte Erweiterung investierten Sie allein 27 Millionen Euro. Sie glauben also an eine weiterhin positive wirtschaftliche Entwicklung?

Ja. Wir bei Marquardt planen langfristig. Unsere Investitionen sind in der Regel für Jahrzehnte ausgelegt. Neben den genannten Erweiterungen werden wir voraussichtlich im Dezember eine weitere Ausbaustufe unseres Werkes einweihen. Mit den beiden Erweiterungen in diesem Jahr werden wir unsere Produktionsflächen in Hermannstadt verdoppeln. Zusätzlich werden wir unsere Fertigungstiefe mit neuen Technologien erweitern.

Ab 2013 werden wir in der Lage sein, unsere Kunststoffteile selbst zu lackieren. Die Erweiterungen sollen im Laufe der Zeit nochmals 800 neue Arbeitsplätze schaffen. Glücklicherweise werden in der Automobilindustrie die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Europa durch die Marktsituation in Asien und Amerika ausgeglichen.

Welche Gründe waren 2004 für die Entscheidung ausschlaggebend, ein Werk in Hermannstadt zu errichten?

Für den Standort sprachen die gute Infrastruktur mit der Universität, dem Flughafen und das Industriegebiet sowie der deutsche Einfluss in der Stadt, repräsentiert durch das Rathaus.

Ihr Unternehmen wirbt immer wieder mit großen Anzeigen um neue Mitarbeiter. Wie beurteilen Sie die derzeitige Lage auf dem Arbeitsmarkt aus Sicht Ihres Unternehmens?

Die Region Hermannstadt ist in der glücklichen Lage, mehrere internationale Unternehmen zu vereinen, die im Moment ihre Kapazitäten erweitern. Dies führt zu einem hart umkämpften Arbeitsmarkt. Langfristig wird die Region von dieser Situation profitieren. Für unser Unternehmen mache ich mir keine großen Sorgen, wir werden als Unternehmen und Arbeitgeber durch Leistung überzeugen.

Welche Qualifikationen sind bei Ihnen besonders gefragt?

Derzeit suchen wir insbesondere Qualitäts- und Entwicklungsingenieure mit Kenntnissen im elektronisch-mechanischen Bereich. Darüber hinaus haben wir permanent Bedarf an Mitarbeitern für unsere Logistik und auch Montage. Wer tiefere Kenntnisse im Kunststoffspritzguss und der hierzu gehörenden Werkzeugtechnologie besitzt, ist bei uns genauso willkommen wie zukünftig auch Lackierspezialisten.

Mit welchen Maßnahmen versuchen Sie bei Marquardt, Mitarbeiter zu gewinnen?

Wir arbeiten daran, den Bekanntheitsgrad unseres Unternehmen zu steigern. Hierzu sind wir in der Region Hermannstadt im Bereich Sponsoring überaus aktiv. Wir unterstützen praktisch alle großen Veranstaltungen, wie das Hermannstädter Radrennen, die Aktion „Let´s do it, Romania“, ein Kinderheim oder die Ausstattung eines Computerlabors an der Lucian-Blaga-Universität – um nur einige Aktivitäten zu nennen. Ein weiterer Faktor sind unsere Mitarbeiter, die unsere Vorzüge in ihrem Bekanntenkreis weiterleiten.

Wie beurteilen Sie das wirtschaftliche Entwicklungspotenzial in Hermannstadt?

Das Potenzial ist groß, da im Moment viele der hier ansässigen größeren Unternehmen erweitern. Dies führt zu einer Verknappung der Kapazität am Arbeitsmarkt, was wiederum zu über dem Landesdurchnitt liegenden Lohnsteigerungen führen wird. Insgesamt erwarte ich, dass der Wohlstand in der Region weiter wächst, was der Region Hermannstadt zugutekommen und sie noch attraktiver machen wird.

Seit wann leiten Sie das Werk in Hermannstadt und wie lange bleiben Sie?

Ich bin seit September 2008 hier bei Marquardt Schaltsysteme SCS Sibiu und werde aller Voraussicht nach noch ein wenig bleiben.

Gefällt Ihnen das Leben in Hermannstadt?

Hermannstadt ist eine lebendige und aktive Stadt, dies besonders im Sommer. Die Menschen sind offen und freundlich. Die Region mit den umliegenden Bergen ist wunderschön. Somit dürfte die Frage, ob es mir in Hermannstadt gefällt, mit einem definitiven „Ja“ beantwortet sein.

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