„Wir wollen helfen und unser Wissen einbringen“

Interview mit Christian Macedonschi, Kronstädter Stadtrat seitens des DFDR

Donnerstag, 07. Februar 2013

Christian Macedonschi im Gespräch mit einer Kronstädterin während des Wahlkampfes im Juni des Vorjahres.

Christian Macedonschi macht mit einem Journalisten-Freibier Werbung fürs Kronstädter Oktoberfest.
Fotos: Ralf Sudrigian

Bei den Lokalwahlen vom 10. Juni 2012 konnten Christian Macedonschi und Werner Braun als DFDR-Kandidaten in den Kronstädter Stadtrat gewählt werden. Nach rund sieben Monaten  gibt Christian Macedonschi im nachfolgenden Interview erste Einschätzungen über die Arbeit in seiner neuen Eigenschaft als Stadtrat, spricht über sein Projekt „Bus-Rundfahrten zu den Burzenländer Kirchenburgen“ und äußert sich zum viel diskutierten Thema Regionalisierung und Dezentralisierung.


Wie war Ihre Anpassungsperiode für die Arbeit im Stadtrat?

Es ist für mich etwas schwierig darauf zu antworten, weil ich leider der einzige Stadtrat bin, der nicht in einer Kommission dabei ist. Das ist wiederum aber auch ein Vorteil, weil ich versuche, bei allen Kommissionen präsent zu sein und mich so, gut zu informieren.

Diese Monate sind für mich und meinen Kollegen Werner Braun eine Lernzeit gewesen – wir kommen ja nicht aus der Administration, wir sind auch Neulinge in der Lokalpolitik, in der Politik allgemein. Aber ich glaube, wir kommen unseren Aufgaben gut nach. Wir setzen uns ein für die Bürger, wir kommen mit brisanten und aktuellen Themen, die dann im Stadtrat auch besprochen werden. Viele der Probleme finden eine gute Lösung. Das zeigt, dass unsere Meinung zählt, obwohl wir ja nur zu zweit seitens des Forums im Stadtrat sind und somit keine besondere Gewichtung haben können.

Wie geben Sie Ihre Stimme ab? Gibt es Vorgaben seitens des Orts- oder Kreisforums?

In erster Linie sprechen wir (Braun und ich) uns untereinander ab. Aber wir sprechen uns bei brisanten Themen auch mit dem Forum und unseren Kreisräten ab. Es waren auch Fälle, wo wir uns enthalten oder dagegen gestimmt haben. Bis jetzt, das muss ich sagen, wurden wir auch zu keinen Verhandlungen oder Diskussionen von der Mehrheitspartei oder anderen Parteien eingeladen.

Ich hoffe, dass wir in Zukunft eine engere Zusammenarbeit auch mit anderen Parteien haben. Wir sind offen, wir wollen helfen, wir wollen unser Know-how einbringen, wie auch unser Netzwerk. Das  besonders für den wirtschaftlichen Bereich und den Ausbildungsbereich (z.B. die Deutsche Fachschule Kronstadt  die zu einem positiven Beispiel in ganz Rumänien wurde).

Gibt es eine Rückmeldungen seitens Ihrer Wähler?

Wir fühlen uns zuständig nicht nur für die, die uns gewählt haben, sondern für alle Kronstädter. Ich selber bin gebürtiger Kronstädter und die Entwicklung der Stadt ist mir sehr wichtig. Wenn uns nur die deutsche Minderheit gewählt hätte, hätte es nicht einmal für einen einzigen Stadtrat gereicht. Deswegen freut es mich, dass wir das Vertrauen vieler Kronstädter gewonnen haben. Aus verschiedenen Statistiken ist ersichtlich, dass das Forum unter den Parteien die einzige Organisation ist, die einen wachsenden Trend aufweist. Das bestätigt uns, auf dem richtigen Weg zu sein und eine gute Kommunikation zu den Kronstädtern und nicht nur zu unseren Wählern zu haben.

Ihre Initiative betreffend Kirchenburg-Busrundfahrten konnte noch nicht verwirklicht werden. Woran liegt das?

An den finanziellen Aspekten. Diese Idee wurde letztes Jahr aufgenommen und dafür ein Projekt geschrieben.Wir wollten die Finanzierung über Schweizer Fördergelder erhalten. Leider haben wir zu spät einen Schweizer Partner gefunden und konnten das Projekt nicht mehr rechtzeitig einreichen. Vor rund zwei Wochen beim nationalen Tourismus-Forum in Predeal wurde dieses Thema wieder aufgegriffen in Anwesenheit von Vertretern des Kreisrates und der Bürgermeister von Rosenau und Predeal.

Es wurden Gespräche auch in dem dazu zuständigen Fachausschuss des Kreisrats geführt und wir hoffen, in diesem Jahr von dem Kreisrat für dieses Modellprojekt eine Finanzierung zu erhalten. Dabei geht es grundsätzlich um die Busse und um das Info-Material. Wenn diese Investitionen getätigt sind, würde eigentlich so eine Investition sich selber weiter tragen. Der Start ist etwas schwierig. Wir haben versucht, auch private Investoren anzusprechen. Leider Gottes hat in dieser Krisenzeit niemand die Vision und das Vertrauen in so ein Projekt. Ich bin mir aber sicher, dass so ein Projekt zumindest von April bis September gut laufen würde, wie das ja auch anderswo der Fall ist.

In Ihren Pressekonferenzen sprachen Sie des öfteren das Thema Regionalisierung an.

Meine persönliche Meinung dazu ist, dass wir diese Regionalisierung in der Verwaltung des Landes brauchen. Die Entscheidungen müssen dezentral erfolgen. Im Endeffekt ist es eine Dezentralisierung. Wir müssen selber unsere Interessen verfolgen und das tun wir wesentlich besser als jemand, der in Bukarest sitzt und uns und unsere Probleme gar nicht kennt. Auch im Hinblick von einem „Europa der Regionen“ ist dieser Schritt notwendig.

Wir arbeiten bereits eng mit verschiedenen Regionen zusammen, ob aus Deutschland oder anderswo. Gerade in unserer Region, Siebenbürgen oder im engeren Sinn Südsiebenbürgen, verfügen wir über ein Riesenpotenzial für eine gute dauerhafte und nachhaltige Entwicklung.

Diese Region würde in etwa der Wirtschaftsregion Zentrum entsprechen...

Eigentlich ja. So wird es zur Zeit besprochen. Die Leitung dieser zukünftigen Regionen soll gewählt werden. Das ist sehr wichtig, wir brauchen eine gewählte Leitung. Einen regionalen Präsidenten oder Gouverneur und ein Entscheidungsgremium.

Die aktuellen Kreise und ihre Verwaltung soll aber beibehalten werden, was den Verwaltungsapparat aufstocken würde.

Die dezentralen Entscheidungen sind dennoch eine Entscheidung für die lokale Entwicklung. Ich bin mir sicher, dass man nicht von heute auf morgen die Systeme ändern kann, dass man jetzt plötzlich auf Kreisregierungen, also Kreisräte verzichtet. Wir brauchen lokale Entscheidungsträger.Es wird ein mehrjähriger Prozess sein. Allerdings sehr wichtig ist, schon jetzt die Regionalisierung durchzuziehen, auch in Hinblick auf die EU-Fördergelder.

Wenn man statt einem Ministerium acht Regionen hat, verachtfacht man auch die Möglichkeit, Fördergelder in unsere Region zu ziehen. Und das ist natürlich sehr wichtig denn es geht um sehr viel Geld.

Wir sind leider das Schlusslicht der Absorption von Fördergelder in der EU. Polen hat gezeigt, wie gut es funktionieren kann durch die Woiwodate. Das ist ja auch eine ähnliche Regionalisierung auf der Basis historischer Regionen, allerdings viel früher begonnen. Wichtig ist, dass in dieser Hinsicht nicht voreilig gehandelt wird. Man hat ein ganzes Jahr Zeit, diese Probleme gut zu überlegen. Sicherlich wird es Diskussionen z.B. um die Hauptstadt der Regionen geben. Noch ist es verfrüht darüber zu sprechen. Tatsache ist, dass wir diese Regionen in Rumänien brauchen, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern.

Vielen Dank für Ihre Antworten!

Die Fragen stellte Ralf Sudrigian

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