„Wir wollen in erster Linie authentische Musik machen“

Ein Interview mit der Newcomer-Band aus Südtirol „Vino Rosso“

Dienstag, 03. Juli 2012

Das Neunmanngespann aus Meran in Südtirol. Von links nach rechts: Christian Kuppelwieser, Thomas Dekas, Thomas Ebner, Sven Albertini, Simon Staffler, Dominik Told, Lorenz Winkler, Gregor Wohlgemuth und Lukas Staffler

Vor zwei Jahren debütierte die unkonventionelle Band aus der Kulturstadt Meran auf der FunkForum Tournee durch Rumänien, Ungarn und Kroatien. Die neun Mitglieder sind in ganz Europa verstreut. Inzwischen kommen sie nach Hause um gemeinsam Musik zu machen. Diese ist eine Mischung aus Reggae, Ska, Rocksteady und Volksmusik. Im Oktober soll in Deutschland ihr erstes Album „Huamkemmen“ auf den Markt kommen. ADZ-Redakteur Robert Tari sprach mit Bandleader Simon Schaffler und dem Schlagzeuger Thomas Ebner über Zukunftspläne und den Schaffensprozess ihrer Crossover-Musik.  


Mit Vino Rosso startet ihr richtig professionell durch. Ein deutsches Label hat an eurer Musik Interesse gezeigt. Ihr nehmt nun prominent einen Platz in der Schublade „Weltmusik“ ein. Unter diesem Aspekt, wie seht ihr die Zukunft der Band?  

Simon Staffler: Ja, prinzipiell positiv. Also Thomas und ich geben uns wirklich mühe mit der Band. Wir haben jetzt auch eine Firma gegründet, mit Steuernummer und wirklich allem, was dazugehört. Es soll nicht mehr dieses Projekt sein, wie es vor zwei Jahren war, als wir hier in Rumänien waren, sondern wirklich auch Arbeit. Wir sind freischaffende Berufsmusiker und wir müssen auch schauen, dass wir unsere Brötchen verdienen, um uns irgendwie über Wasser zu halten.

Es ist dann  schon mit einem großen Risiko verbunden, wie für jeden Freiberufler in dieser Wirtschaftskrisenzeit auch, aber wir lieben das was wir tun. Wir haben nun auch eine Kooperation mit einem Freund von uns, der uns ein wenig managt. Wir versuchen, jetzt im Oktober auf Tour zu gehen. Und wir sehen die Zukunft – also wir rechnen  zurzeit immer so in 15 Monaten-Steps – sehr positiv. Es wird Merchandising  kommen, es wird die Tour kommen, wir werden wieder ins Studio gehen und wir werden versuchen halt die Fanbase aufzubauen.

Deswegen ist das, was wir eigentlich hier in Rumänien machen, auch wenn nicht so viele Leute kommen, vielleicht die Leute, die kommen, die kaufen dann schon CDs und die hören uns dann immer wieder, verfolgen uns auch auf Facebook, deswegen ist das was wir hier in Rumänien machen auch eigentlich super für uns und wir weiten halt immer wieder unsere Fanbase aus und jeder Fan zählt eigentlich gleich viel wie zehn andere, insofern sehen wir die Zukunft positiv und wir haben uns auch gefreut nach Rumänien zu kommen, es ist ja immer wieder schön und wer weiß, vielleicht, wenn es wirklich so geht, wie wir es uns vorstellen, kommen wir in zwei Jahren wieder und es kommen dann mehr Leute und so weiter und so fort und vielleicht spielen wir mal dann in Bukarest und in Hermannstadt, wer weiß, mal schauen.

Das Musikgeschäft ist hart. Um Erfolg zu haben, versuchen viele Bands einem bestimmten Trend zu folgen und Mainstream zu werden. Wo seht ihr euch auf dem Markt?

Thomas Ebner: Ich glaub bei uns hat dass eigentlich so angefangen, das wir in erster Linie authentische Musik machen wollten und das immer noch pflegen und so sollte es auch in Zukunft bleiben, finde ich. Ich finde es ganz schlecht, wenn Bands irgendwie mit allem Druck versuchen irgendwie einer Marketingmasche zu folgen und anhand dessen, dann halt viel Geld zu verdienen. Ich glaube, man muss einfach die Musik machen, die einem selber Spaß macht. Und ich denke auch, wenn man selbst nicht davon überzeugt ist, was man auf der Bühne spielt, kann man auch keinen davon überzeugen, dass dem das dann auch gefällt, wenn er das hört. Ich glaub, es ist schon der wichtigste Punkt, dass man das macht, was einem selber Spaß macht und wo man hundert Prozent dahinterstehen kann.

Ihr habt schon im deutschsprachigen Raum gespielt und auch in Südosteuropa getourt. Welche anderen Länder würdet ihr als Band erschließen wollen?

SS: Ich spreche jetzt nur für mich allein, ich glaube das ist zwar recht unmöglich, aber ich würde mal gern in Spanien und in Frankreich spielen. Denn ich glaube, dass die Spanier und die Franzosen einen ganz anderen Bezug zur Musik haben. Also Spanier sind sehr herzhaft, gehen bei Konzerten gleich mit. Die Franzosen sind, glaub ich, eher sehr kritisch, aber wenn sie mal motiviert werden können und wenn den Franzosen die Musik gefällt, dann sind sie auf jeden Fall motivierbar.

Aber das ist ein kleiner persönlicher Traum von mir. Ich würde auch zum Beispiel gern auf Großbritannientour gehen. Was vielleicht wichtig wäre, rein marketingtechnisch, wäre vielleicht mal in Italien Fuß zu fassen. Ist aber ein wenig schwer, denn Italien steht finanziell sehr schlecht da und die geben ganz wenig Geld für Kultur aus. Persönlich würde ich sehr gerne nach Süditalien gehen, aber wenn ich das organisiere, dann würde ich auf Tausenden von Euro Spesen sitzen bleiben und das wäre wirtschaftlich einfach nicht tragbar. Auf jeden Fall ist der Süden für unsere Musik sehr geeignet, denn es ist eine Musik, die zum Tanzen anregt. Südländische Menschen haben eher Rhythmus im Blut, das merkt man ja auch und ich würde es sehr gerne machen.

Eure Musik ist eine Mischung aus Reggae, Ska, Rocksteady und Volksmusik. Würdet ihr mit der Zeit überlegen zu schiften? Das heißt sich in eine bestimmte Richtung entwickeln, die eher auf Reggae oder Ska oder vielleicht sogar Volksmusik gezielt ist?

TE: Bei uns entwickelt sich das auch immer weiter. Man hört dann nicht immer dieselbe Musik und das sind dann doch Einflüsse, die man dann eben auch einbringt in die eigenen Kompositionen. Ich glaube, das geht auch ein bisschen phasenweise. Wer weiß, was kommt, vielleicht sagen wir irgendwann, wir wollen jetzt elektronische Musik noch mit einbinden, weil vielleicht einer oder zwei darunter sind, die jetzt voll auf dem Techno-Hype irgendwie daher kommen, man weiß ja nie. Aber wir versuchen prinzipiell uns nicht  irgendwie in eine Richtung drängen zu lassen, sondern uns das immer freizulassen, in verschiedenen  Sachen zu mischen und es mit dieser Idee dann zu machen.

SS: Ein Beispiel, ein konkretes: Wir haben über Ostern ein Probenwochenende gemacht, da kamen eher Reggae-Stücke raus. Wir haben also neue Songs geschrieben, da waren wir eher auf der Reggae-Schiene und gerade jetzt, als wir in Temeswar und in Arad umhergetourt sind,  haben wir halt wieder die Volksmusikelemente aufgebracht. Jetzt haben wir halt wieder richtig Bock auch was mit Volksmusik zu machen. Es geht wirklich, wie der Thomas es gesagt hat, phasenweise. Und es ist immer irgendwie alles authentisch, denn wir hören Reggae, wir hören Volksmusik, wir hören auch Ska und Rocksteady.

Es ist alles irgendwie wir, das ist manchmal sehr schwer zu verstehen. Wir sind neun Personen und bei neun Köpfen kommt ja alles zusammen. Aber es ist wichtig, auch für uns zu sagen: Es ist alles authentisch und das sind wir. Das ist Musik, die wir mögen, die wir hören und die wir sehr gerne produzieren.

Von wem kommen die Ideen für die Lieder? Herrscht eine gewisse Gruppendynamik oder nehmen manche mehr Einfluss darauf?

SS: Gruppendynamik gibt es in einem lateralen Sinne. Die Impulse kommen meistens vom Bassisten und vom Gitarristen, textlich immer von mir. Wir geben dann die Impulse, dann machen wir die Proben und der Thomas hält dann dieses Wirrwarr aus vielen Stimmen auf dem Laptop fest. Mit einem Programm schreibt er dann alles nieder und bringt seine Ideen ein. Dann macht man praktisch mit den niedergeschriebenen Noten, die er dann rumschickt, effektiv eine Probe um den definitiven Song dann einzuüben. Und dann bei der Einprobe, da kann man immer noch Ideen hinzufügen oder wegtilgen.

Es ist leider so, dass wir nicht immer die Zeit haben alle zusammen diese Gruppendynamik zu entwickeln und alle zusammen Lieder zu schreiben. Persönlich finde ich das nicht so schlecht, denn bei neun Köpfen könnte ich Monate sitzen und auf keinen grünen Zweig kommen. Deswegen finde ich das persönlich schon sehr wichtig, dass das einer irgendwie übernimmt, gleich wie beim Management und das, dann so passt. Denn sonst würde man viel zu viele Kräfte verschleudern, anstatt zu bündeln und in die richtige Richtung zu fahren.

Eure Musik soll ja in erster Linie zum Tanzen anregen. Ihr beschreibt es eher als Party-Mucke. Habt ihr auf eurem Debütalbum aber auch Lieder, die eine Message vermitteln?

TE: Beim Album ist in erster Linie der rote Faden das „Huam kemmen“, wie wir alle eben nach Hause kommen. Aber prinzipiell sehen wir uns schon als sehr kosmopolitische Band, die eben auch politisch verschiedene Einflüsse verarbeitet und wir haben auch Songs, wie „Free Tibet“ oder solche Sachen, wo wir auf Missstände in Italien aufmerksam machen wollen. Wir haben schon auch unsere Message, also wir machen nicht nur Spaß.

Das heißt beim Tanzen dann auch nachdenken.

TE: Ja, sicher. Es gehört ja beides zusammen. Wenn man Musik macht, die von Menschen gehört wird, also wenn man irgendwie, egal ob groß oder im kleinen Rahmen in der Öffentlichkeit steht, muss man sich das ja auch überlegen. Irgendwo hat man ja auch eine gewisse Verantwortung, weil es Menschen gibt, die das hören und somit auch ihre eigenen Gedanken dazu haben. Wenn man in der Öffentlichkeit steht, das bringt immer auch eine gewisse Verantwortung mit sich. Aber auch eine große Chance, was zu bewirken, eventuell.

Im Oktober wird eure erste CD in Deutschland erscheinen. Welche Pläne verfolgt ihr konkret danach?

SS: Also ein realistisches Ziel wäre es, im nächsten Sommer bei den größeren Festivals aufzutreten. Das muss nicht unbedingt mit einer Geldfrage zusammenhängen. Es geht auch darum, sich einfach vor so vielen Leuten wie möglich zu präsentieren und eine Fan Base aufzubauen. Wir möchten in Deutschland, Österreich und in der Schweiz, und generell im deutschsprachigen Raum, das kann ja auch Rumänien sein, einen Namen machen. Damit die Leute wissen, wenn man sagt, Vino Rosso, okay, das sind diese neun Jungs aus Meran in Südtirol, die machen das und das. Also ich glaube, das wäre schon ein realistisches Ziel.

TE: Ein Traum sicherlich.

Was sind denn eure Erwartungen, was den Erfolg eures ersten Albums  betrifft? Habt ihr bestimmte Verkaufszahlen im Kopf?

TE: Schauen wir mal. Sicherlich hat jeder seine Erwartungen. Der eine steckt sie höher, der andere ist da eher Realist, der andere Optimist. Da muss man halt schauen, aber man versucht auf jeden Fall immer das Optimum rauszuholen und versuchen so viele Menschen wie möglich zu erreichen.

SS: Meine persönlichen Erwartungen wurden mit dem CD-Verkauf, den wir in Südtirol schon am dritten März gestartet haben, weitaus überschritten. Nach drei Monaten haben wir fast 500 Stück verkauft und das ist auf einem Einzugsgebiet von 500.000 Leuten eigentlich sehr gut. Das würde statistisch heißen, dass jeder Tausendste in Südtirol eine Vino Rosso CD hat und das ist ja befriedigend. Also für mich persönlich.   

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