Wo Rechts und Links sich treffen

Mittwoch, 22. Juli 2015

Die Griechenlandkrise der vergangenen Wochen hat einmal mehr die zwei Hauptströmungen des ökonomischen Denkens herausgestrichen, die sich seit der Wirtschaftskrise etabliert haben, die 1929-33 die Welt erschütterte: die Keynes`sche Richtung des staatlichen Stimulierens des Konsums und damit der Produktion, indem Investitionen gefördert und/oder einfach Geld unters Volk gebracht wird, und die von den Gläubigern vertretene Richtung des Sparens, der Einhaltung der Ausgabenbegrenzungen, des den Gürtel-enger-Schnallens, um die von den Gläubigern für „normal“ gehaltenen Ausgabengrenzen einzuhalten.

Wie sich die Welt und die Politik verbiegen können, zeigt die linke Syriza und ihr ominöser Repräsentant Tsipras: sie trafen sich in ihren lautstark geäußerten Forderungen gegenüber den Gläubigern mit dem rechtsliberalen John Maynard Keynes. Ob sie in der Tat mit ihrer Förderungsphilosophie mittels weiterer Geldspritzen, für die sie keinerlei Rückerstattungsgarantien zu geben bereit waren, Griechenlands Wirtschaft stärken wollten – was die klare Absicht Keynes` für England seinerzeit war - oder Ausdruck des frech-herrischen Nehmer-Gehabes der durch die Politik verdorbenen Griechen, mag dahingestellt bleiben.

Interessant war aber, dass mehrere Wirtschaftsnobelpreisträger – Joseph Stiglitz, Paul Krugman, auch Spitzenökonom Jeffrey Sachs – die Linksradikalen von Syriza und Prodemos in den amerikanischen Medien unterstützten. Das zeigt, wie kontrovers die Lösung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise gesehen wird und dass es die Lösung dafür nicht gibt. Immerhin hatten die Gläubiger, allen voran der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble, überzeugende Beispiele zur Hand, die Keynes, Stiglitz und Krugman widersprechen: die baltischen Länder sind Musterschüler des Nutzens einer Sparpolitik, denn indem sie strikt die Vorlagen der Gläubiger befolgt haben, kamen sie aus dem Schlamassel heraus. Rumänische Ökonomen, allen voran Fast-Premierminister Lucian Croitoru, behaupten, dass auch Rumänien ein solcher Musterschüler war, denn „die Sparmaßnahmen von 2010-2011 haben Rumänien davor bewahrt, in ein Szenario vom Typ Griechenland abzusinken“.

Andrerseits haben Stiglitz und Krugman, auf Keynes sich stützend, in ihrer Wirtschaftsphilosophie recht: wenn eine Volkswirtschaft rasant abstürzt, bleibt nichts übrig, als sie zu stützen! Das ist die Grundlehre aus der Weltwirtschaftskrise 1929-33. Der Absturz muss ausbalanciert werden. Mit notfalls geliehenem Geld. Das hat Keynes seinerzeit der britischen Regierung beigebracht und die Bank von England hat jetzt, lange vor der Europäischen Zentralbank, so gehandelt.

Was sich gegenwärtig rund um die Bedenken von Präsident Johannis bezüglich der saloppen Haushaltspolitik der PSD-Koalitionäre an der Regierung abspielt, ist alldem vergleichbar: vorsichtige Spar- und Konsolidierungspolitik versus Geldrausschmießen und Haushalts-Einnahmenverzicht in der Hoffnung, dass es schon gut gehen wird. Hierzulande?

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