Wohltätigkeitsaktion an der Bar

Kaffee auch für andere aufgeschoben

Mittwoch, 15. Mai 2013

Coffee Sharing – ein Prinzip, das Großzügigkeit fördert.

Bei Zai Aprés Café können Kunden nicht nur Kaffees sondern auch eine Nachricht hinterlassen. Fotos: privat

Suspended Coffee oder einfach auf Deutsch gesagt, einen Kaffee für später aufheben: Dabei wird jedoch nicht an die eigene Person sondern an jemand anders gedacht. Das Prinzip ist einfach: Kaufe zwei Tassen Kaffee, erhalte eine und gib eine ab. Das zweite Getränk wird im Kaffeehaus „aufgeschoben“ und später einer benachteiligten Person geschenkt. Seit Kurzem wurde dieses Konzept auch in Temeswar/Timişoara eingeführt. Die bedürftige Person kann ins Café gehen und fragen, ob es aufgeschobene Kaffees gibt und wenn es welche gibt, dann bekommt diese Person einen Kaffee kostenlos.

Die Idee stammt aus Italien, wurde aber weltweit übernommen. Mehrere Cafés und Bars machen in Temeswar bereits mit. Darunter auch Zai Aprés Café. Das Kaffeehaus am Domplatz lässt alle Produkte aus der Getränke- und Speisekarte für jemand anders aufheben. Ausnahme machen die alkoholischen Getränke. „Das Projekt ist aber ganz neu und nicht viele Kunden wissen genau worum es geht“, sagt die Verwalterin des Kaffeehauses, Patricia Bociu.  Aber nicht nur für die Kunden ist es etwas Neues, sondern auch für die potentiellen Nutznießer eines solchen kostenlosen Kaffees.

Bedürftige Personen haben meist keinen Internet-Zugang und lesen auch keine Zeitungen, sodass viele von dieser Möglichkeit nicht einmal erfahren können. Das sei jedoch kein Problem, meinen die Verwalter der Temeswarer Cafés. Sie werden sich alleine die Personen suchen. „Zum Beispiel am Domplatz kann man fast täglich eine ältere Dame treffen, die Petersilie verkauft. Sie geht an allen Cafés und Restaurants vorbei und versucht ihr Gewürz zu verkaufen. Nie wollte sie Geld erhalten, ohne, dass sie auch etwas verkauft. Sie ist eine der Personen aus unserer Zielgruppe“, sagt Patricia Bociu. Aber auch andere Leute gehören zur Zielgruppe für die Kaffeehäuser am Domplatz. In unmittelbarer Nähe des Platzes befindet sich der Temeswarer Gerichtsgebäude. „Hierher kommen täglich Leute aus der ganzen Region. Viele von ihnen haben nur Geld für den Zug und können sich nicht einmal eine Flasche Wasser leisten. Mehrmals sind solche Leute bei uns ins Café gekommen, fragten wie viel eine Tasse Kaffee kostet und gingen wieder weg, weil für sie die Preise in einer Großstadt einfach zu hoch sind. Nun kann sich das alles ändern und sie können einen Kaffee oder ein anderes Produkt, das im Voraus von jemand anders bezahlt wurde, bekommen“, sagt die Verwalterin des Cafés. Im Zai Aprés Café kostet ein einfacher Kaffee 5 Lei, eine Flasche Wasser (0,33 ml) 4,5 Lei. „Unsere Kunden haben dieses neue Projekt ganz offen angenommen. Viele sehen es auch als eine besondere Art der anonymen Sozialisierung“, fügt Patricia Bociu hinzu.

Das Temeswarer Café an der Florimund-Mercy-Straße Nr. 5 hat dem Unterfangen auch eine persönliche Note verliehen. Die „Spender“ eines aufgeschobenen Kaffees können auch einen Zettel mit einer persönlichen Aussage oder einem Zitat hinterlassen. Dieses wird dann zusammen mit dem Getränk an den Nutznießer des zweiten Kaffees weitergeben.

In Temeswar nehmen bereits mehrere Cafés an diesem Projekt teil, darunter: Papillion, D´Arc-Terrasse und Zai Aprés Café am Domplatz, sowie die D´Arc Terrasse am Bega-Ufer und Café Corso in der Iulius Mall. Die Tradition der Suspended Coffees/Aufgeschobenen Kaffees (original, „caffe sospeso“) ist in der italienischen Stadt Neapel geboren. Mittlerweile ist dies jedoch weit verbreitet. Das Prinzip entstand dort in einer Zeit, als sich viele Menschen nicht einmal einen Kaffee leisten konnten. Die Herren, die es sich noch leisten konnten, hatten sich angewöhnt für zwei zu bezahlen: einen davon tranken sie selbst, der andere wurde aufgehoben für den Ersten, der sich selbst keinen kaufen konnte, aber trotzdem in das Kaffeehaus, in das Restaurant oder in die Bar kam. 2010 feierte diese Tradition den 100. Geburtstag. Der Spender und der Empfänger bleiben einander unbekannt um Großzügigkeit, Stolz und den Genuss von Kaffee auch in schweren Zeiten zu sichern.

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