Worschtkoschtprob 2013

In Lugosch lebten alte Traditionen wieder auf

Mittwoch, 06. Februar 2013

Paradies für Feinschmecker: 41 verschiedene Wurstsorten wurden bei der diesjährigen Worschtkoschtprob verkostet. In der Jury war unter anderem der Leiter des Deutschen Forums aus Lugosch, Rudolf Trost (zweiter von links).

Tradition geht durch den Magen: Besucher durften von den köstlichen Wurstwaren kosten.

So wird eine traditionelle Wurst hergestellt: Die Lugoscher Alexandru Csorba und Paul Gribincea (v.l.n.r.) zeigten vor Ort, wie man eine hausgemachte Wurst machen muss. Fotos: Zoltán Pázmány

Selbst 40 Jahre seit der Einführung hat die Wurstverkostung der Banater Zeitung (BZ) nichts von ihrer Tragweite verloren. Der Beweis wird jedes Jahr erneut erbracht. Die „Worschtkoschtprob“, die vor der Wende von der damaligen Neuen Banater Zeitung ins Leben gerufen wurde, lockt jedes Jahr private Wursthersteller aus allen Banater Ecken an. Es werden weite Anreisen unternommen, nur um die eigene Wurst vorzustellen, in den Wettbewerb einzuschreiben und um sich mit dem Titel „Beste Banater Wurst“ zu rühmen.

Wurstenthusiasten  wie Edwin Zaban nehmen seit Jahren an der Veranstaltung der Banater Zeitung teil. Der private Hersteller muss dafür aus Lippa/Lipova anreisen. Er unternimmt somit jedes Mal eine weite Strecke, die in den letzten zwei Jahren noch weiter geworden ist. Denn seit 2012 organisiert die achtköpfige Redaktion der BZ die Wurstverkostung in anderen Städten aus der Region. Im vergangenen Jahr wurde die „Worschtkoschtprob“ erstmals außerhalb von Temeswar/Timişoara in der Kleinstadt Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare organisiert. Heuer bewegten sich die Redakteure nicht Richtung Westen, sondern Richtung Osten: Lugosch wurde der dritte Austragungsort der Banater „Worschtkoscht“. Hier leben zahlreiche Leser der Allgemeinen Deutschen Zeitung und ihrer Mittwochsbeilage, der Banater Zeitung.

Nach diesem Kriterium richtete sich die Redaktion, als die Entscheidung fiel, den Veranstaltungsort zu wechseln. Man möchte damit den Berg zum Propheten bringen und die Nähe zu den eigenen Lesern suchen, die in ganz Banat verstreut sind.

Es geht aber auch um die Beibehaltung einer Jahre währenden Tradition, die an ein anderes Banat erinnern soll. Ein Banat, das heute eher Einzug in die Geschichtsbücher findet und besonders auf jüngere Generationen einen kuriosen Eindruck machen würde. Die älteren Banater, die jene Zeiten vor der Wende und vor der großen Auswanderung der Deutschen erlebt haben, schwärmen auch heute noch davon.

Auch der Bürgermeister von Lugosch, Francisc Boldea, sprach in der Eröffnung der diesjährigen „Worschtkoschtprob“ davon, wie wichtig es sei, alte Traditionen am Leben zu erhalten, die für diese Region prägend waren. Mit der Stadtverwaltung Lugosch erhielt die BZ-Redaktion einen aktiven Veranstaltungspartner, der sich unter anderem um die Beschaffung des Austragungsortes gekümmert hat. Die Wurstverkostung fand in diesem Jahr in dem Restaurant Royal statt. Die Gastgeber unterstützten die Redakteure bei der Vorbereitung der Veranstaltung.

Jedes Jahr sind die Stunden vor der „Worschtkoschtprob“ Zeit und Nerven aufbringend: Die Redakteure tauschen die Feder für das Messer und schneiden bereits am Vorabend die Würste, die während der Verkostung von zwei fünfköpfigen Jurys bewertet werden. Im Wettbewerb werden sowohl hausgemachte als auch industriell hergestellte Wurstwaren begutachtet.

In diesem Jahr nahmen in der Kategorie „Beste industriell hergestellte Wurstware“ elf Hersteller teil. Insgesamt wurden 24 Sorten vorgestellt. 17 private Teilnehmer brachten ihre hausgemachten Würste mit, darunter auch Edwin Zaban, der mit einer besonderen Wildschweinwurst antrat. Im letzten Jahr hatte sie nur für den dritten Platz gereicht. In diesem Jahr kam die erfreuliche Nachricht: Zabans Wildschweinwurst staubte den ersten Platz ab. Schon drei Mal wurde der erfahrene Wursthersteller im Rahmen der „Worschtkoschtprob“ ausgezeichnet -  das erste Mal 2004. Zaban bleibt bescheiden: „Die Wildschweinwurst ist etwas dünkler und natürlich in diesem Fall auch exotischer. Ich glaube, das hat eine Rolle bei der Auswahl gespielt.“

Auch Bürgermeister Boldea nahm an dem Wettbewerb teil, er konnte jedoch die Jury von seinen eingereichten Würsten nicht überzeugen. Er sah es allerdings gelassen. Andere konnten die Niederlage nicht so leicht hinstecken. Entgegen mancher Behauptungen, wurde bei der Wahl der Gewinner nicht geschummelt: Die teilnehmenden Würste werden durchnummeriert, der Name des Herstellers und die Art der Wurst bleiben der Jury unbekannt.

Diese muss den Wurstwaren eine Note von eins bis fünf geben. Die Gesamtnote aller Jurymitglieder bestimmt den Sieger. Bei den industriell hergestellten Wurstwaren gewann das Unternehmen Căvărănţana mit seiner „Premium Hauswurst“.

In der Eröffnung sprach Raluca Nelepcu, Chefin von Dienst der Banater Zeitung, über den Grund der Veranstaltung und wieso die Wahl auf Lugosch fiel. Weiterhin kamen Vasile Belinţan und der Wirtschaftsexperte Dr. Nicolae Ţăran zu Wort. Beide unterstrichen die Bedeutung der Wurstherstellung als Banater Tradition. Belinţan ging auf die Geschichte der Handwerker und ehemaligen Metzger aus Lugosch und dem Banat ein, Ţăran verglich die gegenwärtige Situation der rumänischen Fleischproduktion mit der Produktion in Rumänien während der Zwischenkriegszeit. Heute würde man der landwirtschaftlichen Industrie von damals deutlich hinterher hinken. Ein Grund sei die rumänische Grundhaltung, die Ţăran mit der Aussage „Es geht auch so“ zusammenfasst.

Belinţan ist der Vorsitzende der Handwerkergenossenschaft Lugosch. Diese zählt gegenwärtig rund 160 Mitglieder. Er sprach darüber, wie groß Anteil an Handwerkern und Metzgern in Lugosch vor dem Zweiten Weltkrieg war. Es sei zu jener Zeit ein durchaus lukratives Geschäft gewesen. Als Beweis sollten Zeitbilder stehen, die er mitbrachte und eine von König Ferndinand geweihte Metzerflagge aus den 1920er Jahren. Die geschichtlichen Ausstellungsstücke, die Teil des von der Genossenschaft in Lugosch eingerichteten Museums ist, schmückten den Hintergrund, vor dem sich der Tisch mit den teilnehmen Wurstwaren für die Jury befand.

Wie in jedem Jahr wurde auch vor Ort Würste nach altem Brauch und Sitte hergestellt. Darum kümmerten sich zwei waschechte Lugoscher: Alexandru Csorba und Paul Gribincea.

Immer wieder betonte der Bürgermeister von Lugosch, dass er aus der „Worschtkoschtprob“ eine Lugoscher Tradition machen möchte. Viele der Teilnehmer sprachen sich dafür aus, dass die nächste Auflage 2014 erneut in der Kleinstadt stattfinden soll. Doch die Redaktion der Banater Zeitung hält es für eher unwahrscheinlich. Schon wird nach dem nächsten Banater Ort gesucht, wo die nächste Wurstverkostung stattfinden soll.  

 

Die Gewinner der diesjährigen Worschtkoschtprob


Kategorie „Firmen“

Rund 24 verschiedene Wurstsorten von insgesamt zwölf Firmen haben wir in diesem Jahr in den Wettbewerb eingeschrieben. Davon mussten die fünf Jurymitglieder (Dumitru Cornean, Ernest Ene, Puiu Munteanu, Cotizo Negruţiu und Isabella Trost) die besten Wurstsorten bewerten. Das Firmenranking sieht hiermit wie folgt aus:

Platz 1: Căvărănţana mit Premium-Hauswurst

Platz 2: Unicarm mit geräucherter Wurst und Recosemtract mit ungarischer Wurst

Platz 3: Elit mit „Getrockneter Wurst aus dem Ardeal“, Ianoş Dumbrăviţa „Cârnaţi de Ianoş“ („Ianoş-Wurst“) und Profi Bri mit „Cârnaţi de casă Buchini“ sowie „dünner Wurst“.

Private Wursthersteller

Die Kategorie der Privatproduzenten zählte in diesem Jahr vierzehn Privathersteller aus verschiedenen Ortschaften: Dan Boitoş (Coştei), Francisc Boldea (Lugosch), Johann Hengner (Sanktanna), Werner Kremm (Reschitza), Horst Martin (Temeswar), Sorin Marcu (Lugosch), Cotizo Negruţiu (Lugosch), Ioan Ogneanu (Temeswar), Nicolae Ogneanu (Temeswar), Wolfgang Sauer (Lugosch), Walter Winter (Deutschsanktpeter) und Edwin Zaban (Lippa). Insgesamt 24 Wurstsorten wurden in den Wettbewerb eingeschrieben. Jurymitglieder waren Vasile Belinţan, Francisc Reinmüller, Maria Oance, Horst Wallner und Rudolf Trost.

Die Gewinner waren:

Platz 1: Edwin Zaban  (Lippa) mit Wildschwein-Wurst.

Platz 2: Walter Winter (Großsanktpeter) mit Hauswurst und Dan Boitoş (Coştei) mit Hauswurst.

Platz 3: Sorin Marcu (Lugosch) mit Hauswurst, Wolfgang Sauer (Lugosch) mit Kümmel-Mettwust und  Horst Martin (Temeswar) mit pikanter Hauswust.

 

Die Sponsoren

Wir bedanken uns recht herzlich bei all unseren Sponsoren, die uns auch diesmal zur Seite standen. Zu den Unternehmen, die mit unterschiedlichen Geldsummen zum guten Gelingen unseres Festes beigetragen haben, zählten in diesem Jahr: Netex Production&Consulting, Werzalit aus Lugosch/Lugoj, BVIK Banatia, Kathrein, Banat Car und die Firma Swoboda aus Hatzfeld/Jimbolia.

Mit Produkten unterstützten uns: die Temeswarer Bierbrauerei „Timişoreana“, die Bäckerei DI&SI Panif von Dieter Bortscher aus Perjamosch/Periam, die Brotfabrik Ardelean aus Lugosch sowie die privaten und  industriellen Wursthersteller aus dem gesamten Banat, die leckere Wurstsorten für den Verzehr mitbrachten.

Freiwillig unterstützten uns auch zwei Wurstmacher aus Lugosch, Alexandru Csorba und Paul Gribincea,  die live vorführten, wie Wurst hergestellt wird.

Ein besonderer Dank gebührt den Inhabern und dem Personal des Restaurants und der Pension Royal, die uns mit ihrer Logistik zwei Tage lang unterstützten, sowie der Stadt Lugosch, die logistisch und materiell einen Beitrag zum guten Gelingen leistete. 

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