WORT ZM SONNTAG: Wir und das Böse

Sonntag, 17. Juni 2012

Wir erleben immer wieder schmerzliche Enttäuschungen: Feindschaft, Neid, Eifersucht, Rachsucht, Gewalt, Mord, Kriege, Treulosigkeit, Verrat und viele andere negative Vorkommnisse, die wir mit dem Wort „das Böse“ benennen. Woher kommt das Böse? Darüber haben viele Menschen nachgesonnen und Theorien aufgestellt.

Schon Jahrhunderte vor Christus hat Zarathustra, der Begründer der altiranischen Religionsform, sich eine Erklärung zurechtgelegt. Er war überzeugt, dass es zwei Reiche gebe, die auf Erden um den Menschen ringen. Das Reich des Guten und das Reich des Bösen, das Reich des Lichtes und das Reich der Finsternis. Der Herr des Lichtreiches sei Ahuramazda mit seinen „guten Geistern“. Der Fürst der Finsternis sei Angromanyu, der böse Dämon mit seinem Anhang. Zarathustra sah die Menschheitsgeschichte als einen riesigen Kampf des Bösen gegen das Gute. Am Ende der Zeiten werde ein Retter für die Guten erscheinen. Der Böse mit seinem Anhang werde im Endgericht verurteilt und im Flammenmeer versinken.

Im dritten Jahrhundert nach Christus trat in Babylonien ein Mann auf, der die Gedanken Zarathustras in verzerrter Form aufgriff und zu einer Lehre formte. Der Mann hieß Mani. Seine Ideologie wurde „Manichäismus“ genannt. Nach seiner Lehre stehen sich von Anfang an zwei von einander unabhängige Mächte gegenüber: das Gottesreich des Lichtes, in dem Gott den Urmenschen schuf, und das Reich der Finsternis, dem die Materie gehört.

Gott und Satan stehen sich als Feinde gegenüber. Das Kampffeld beider Mächte sind die Menschen. Der hl. Augustinus war anfangs Manichäer. Als er sich aber mit der Lehre Christi intensiv befasste, erkannte er den Ursprung des Bösen. Das Böse ist nicht eine finstere Macht, die sich von Anfang an mit dem guten Gott in das Schöpfungswerk teilte, sondern die von Gott gut geschaffene Kreatur verkehrt sich durch die Abkehr ihres sündigen Willens vom guten Gott ins Böse.

Christus erkennt das Böse als personale Macht des Teufels an. Das Evangelium berichtet öfter von Teufelsaustreibungen durch Christus. Seine Feinde warfen ihm vor, er treibe die Dämonen mit Hilfe des Obersten der Dämonen aus. Christus konterte: „Jedes Reich, das in sich uneins ist, zerfällt.“ Nur der Stärkere kann in das Haus des Starken eindringen und ihn in Fesseln legen.

Im Buche der Weisheit heißt es: „Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit geschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht. Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt, und ihn erfahren alle, die ihm angehören“. (Kap.2,23-24).

Eine altjüdische Schrift mit dem Titel: „Das Leben Adams und Evas“ illustriert dieses Wort aus dem Buch der Weisheit. Darin heißt es, dass Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies schwere Buße taten. Satan sucht diesen Bußgeist zu verhindern. Adam erkennt aber den Trug Satans.

Es kommt zu einem Rededuell zwischen dem gefallenen Menschen und dem gefallenen Engel. Adam wirft Satan vor: „Warum bekämpfst du uns ohne Grund? Was haben wir dir denn angetan, dass du uns so listig verfolgst? Warum verfolgst du uns bis zum Tod mit Hass und Neid?“ Da antwortet der Teufel: „Ich verfolge dich, weil du schuld daran bist, dass ich meine Herrlichkeit bei den Engeln im Himmel verloren habe.“

Da fragt Adam: „Was tat ich dir? Du wurdest doch von uns weder geschädigt noch verletzt.“ Satan erwidert: „Um deinetwillen wurde ich verstoßen und aus der Schar der Engel verbannt. Als nämlich Gott den Lebensodem in dich blies, wurdest du nach Gottes Bild geschaffen. Da führte mich Michael zu dir und gebot mir, dich vor dem Angesicht Gottes zu verehren.

Denn Gott hat gesprochen: ‘Nach meinem Bild und Gleichnis schuf Ich ihn!’ Michael rief allen Engeln zu: ‘Verehret Gottes Ebenbild, wie es Gott, der Herr, befiehlt!’ Ich aber sprach: ‘Ich kann Adam nicht verehren, er ist jünger und geringer als ich. Ich wurde ja vor ihm erschaffen. Er soll mich verehren!’“ Da drohte ihm Michael mit Gottes Zorn. Er aber rief entrüstet aus: „Mag Gott zürnen! Ich stelle meinen Thron über die Sterne des Himmels und bin dem Höchsten gleich!“

So war die Erhebung des Menschen der Anlass zu Luzifers Rebellion gegen Gott und zu seiner Verwerfung. Das trieb Luzifer dazu an, den Menschen von Gott loszureißen und seiner Knechtschaft zu unterwerfen.

Welche Methode wendet Luzifer an, um uns Ebenbilder Gottes von Gott abtrünnig zu machen? Der heilige Antonius von Padua, dieser berühmte Volksprediger sagt darüber: „Wie tritt der Teufel in das Gewissen ein? Er klopft an die Tür mit der Versuchung. Der gierige und unbeherrschte Gedanke öffnet ihm, die Lust empfängt ihn. So erhält die Seele den Todesstoß.“

Aber wir sind dem Bösen doch nicht machtlos ausgeliefert. Wir können ihm erfolgreich widerstehen. Dazu benötigen wir keine Körperkraft, sondern Glaubenskraft. Deshalb ermahnt uns der Apostel Petrus: „Widersteht ihm fest im Glauben!“ Gott erfülle unsere Vaterunser-Bitte: „Erlöse uns von dem Bösen!“

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