Wort zu Weihnachten

„So sehr hat Gott die Welt geliebt...“ (Johannes 3,16)

Dienstag, 25. Dezember 2012

Liebe Leserinnen und Leser,

zur biblischen Überlieferung von der Geburt Jesu hat sich im Laufe der Jahrhunderte viel Stimmung gesellt. Unsere tiefe Sehnsucht nach Glück und Harmonie hat sich mit dem Weihnachtsfest verbunden. Es lohnt, um der Botschaft selbst willen, zunächst einmal nüchtern auf das biblische Zeugnis zu blicken. Wenn wir das tun, werden wir vielleicht erkennen, dass die Weihnachtsbotschaft lebendig ist, ungleich lebendiger als alle noch so gelungenen Weihnachtsfeiern der kommenden Tage.
Maria und Joseph feierten in einem Stall Weihnachten, „denn“, so heißt es, „sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge“. So ist es bei uns Menschen: Den einen geht es gut, den anderen geht es schlecht. Und gar nicht Wenigen geht es sehr, sehr schlecht. Eine Mutter, die gezwungenermaßen unterwegs ist, gebiert an fremdem Ort ein Kind – und von der ganzen Geschichte will niemand etwas wissen. ‚Dessen Geschichte? Das ist nicht mein Problem, da kann ich nicht helfen!‘ So geht es unter uns Menschen zu.

Die Weihnachtsbotschaft lautet jedoch: ‚Da, in dieser Situation, ist Gott!‘ Die Hirten erfuhren dies auf wunderbare Weise, die Verachteten, die Ausgestoßenen, diejenigen, die – so meinte man – bei Gott ohnehin keine Chance haben. Sie sind die Ersten. Gott ist da, wo man ihn am wenigsten vermutet. Wieso?

Der Evangelist Johannes bezeugt: „So sehr hat Gott die Welt geliebt...“. Die Welt, von der Johannes schreibt, ist, wie wir sie selbst erleben: durchaus in Blindheit, Ungerechtigkeit und Bosheit festgefahren; das eigene Interesse zählt und sonst nichts; fremdes Leid lässt kalt. Es ist die Welt, die sich um Gott nicht kümmert, die Welt der Hirten auf dem Felde bei Bethlehem, aber auch die Welt der Maria und des Joseph, in der Kinder geboren werden, um danach gleich zu sterben.
Von da aus betrachtet ist es unerhört, dass Gott die Welt liebt. ‚Es kann doch wohl nicht sein, dass Gott sich das alles gefallen lässt, was ihm die Welt bietet!‘, denken wir oft. Die Weihnachtsbotschaft aber sagt: ‚Ja, genau so ist es. Da ist Gott, wo man ihn am wenigsten erwartet, da ist er, wo man meint: Das ist kein Leben!‘

Denn Gott lässt diese, unsere Welt, wie sie ist und wie wir sie kennen, nicht los, er findet sich mit ihr nicht ab, arrangiert sich nicht mit ihr. Sondern er widmet sich ihr voll und ganz, gibt sich ihr ganz hin, wird Mensch. Liebe nennt Johannes das. Liebe ist die einzig heilsame Begegnung – sie gilt vorbehaltlos, wenn sie wahr und vollkommen ist. Das bezeugt die Bibel von Gott. Er schenkt sich dieser Welt auf Gedeih und Verderb. Er sagt: ‚Ich riskiere die bedingungslose Liebe‘. Er fragt vorher nicht: ‚Mit wem habe ich es da zu tun? Was hat er getan? Wird er auch meine Liebe zu schätzen wissen?‘ Nein, er sagt: ‚Ich riskiere die bedingungslose Liebe, ich schenke mich selbst. Ich liefere mich aus, ich mache mich verwundbar – als Kind in der Krippe, als Verurteilter am Kreuz‘. „So sehr hat Gott die Welt geliebt...“.

„...damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden“, heißt es bei Johannes weiter. „An ihn glauben“ ist auf diesem Hintergrund nichts Widersinniges, Unlogisches. Glauben ist nicht ein Knödel, den es zu schlucken gilt, damit alles in Ordnung ist. Nein. Glauben bedeutet angesichts der Liebe Gottes dazu Ja sagen, wie ein Kind in der Wiege mit seinem Lächeln zur Liebe seiner Eltern Ja sagt, ganz einfach und elementar. Es gilt, sich auf die Liebe Gottes einzulassen, darauf zu bauen, mit ihr die Zukunft denken, mit ihr durch den Alltag gehen. Wir wissen: Wer sich geliebt weiß, lebt auf. Aufleben, darum geht es im Glauben; aufleben und auf die Liebe Gottes hin leben.

Die Bibel bezeugt: Wer sich von Gott geliebt weiß und wer sich darum auf die Liebe Gottes einlässt, der lässt sich auf das Leben ein. Und dieses Leben, das uns mit der Liebe Gottes erreicht, bleibt. Es verändert uns und es verändert die Welt, diese unsere Welt, die Gott nicht aufgibt.

Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen, dass Sie in den kommenden Tagen und darüber hinaus die heilsam verändernde Kraft der Liebe Gottes erfahren. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

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