WORT ZUM JAHRESWECHSEL

Die Reformation des Herzens und des Geistes

Samstag, 31. Dezember 2016

Gott spricht: „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“
(Hes 36,26 Jahreslosung 2017)

Das alte Jahr 2016 geht zu Ende. Ein Jahr, das nicht unerhebliche Veränderungen gebracht hat. Auf Weltebene durch die Wahlen in den USA, den Brexit, das Trio Syrien-Russland-Türkei, Flüchtlingsdramen, Terrorakte, das Zunehmen des Nationalismus und Populismus. Auf Landesebene durch die verstärkte Bekämpfung der Korruption, das Misstrauen in die politische Klasse sowie Fernbleiben von und dem Ergebnis bei den Dezemberwahlen. Auf Kirchen und Gemeinschaftsebene durch die Aus- und Abwanderung weiterer Mitglieder, den Einsturz von nationalem kirchlichem Kulturerbe, den Besuch hochrangiger Persönlichkeiten und erfahrene Wertschätzung. Auf persönlicher Ebene durch manchen Verlust eines lieben Menschen, der Gesundheit, des inneren Friedens oder die Freude über neues Leben, eine neue Liebe, ein gelungenes Familienfest. Die meisten dieser Veränderungen haben auch Neues gebracht, Neues, das erst im kommenden Jahr 2017 seine Tiefe und Weite offenbaren wird. Wie viel Positives oder Negatives für unser aller Leben und Glauben, Sicherheit und Frieden, Gesundheit und Wohlergehen das bringen wird, wissen wir nicht. Aber wir dürfen in alldem, was kommen wird, auf etwas vertrauen, ja auf einen vertrauen, der sagt: „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

In der Beziehung zwischen Gott und Mensch ist immer Gott der Schenkende und wir Menschen sind die Empfangenden. Das war vor Urzeiten so, als Gott die Welt und uns Menschen als Krönung der Schöpfung schuf und zum Bewahren aufrief, vor 2600 Jahren, als der Prophet Hesekiel seinem gefallenen Volk Israel nach schweren Zeiten im Auftrag Gottes Rettung und Erneuerung weissagte, vor 2000 Jahren zu Weihnachten, als Gott seinen Sohn in unsere Welt gab, um uns seine Liebe zu erweisen, und das war vor 500 Jahren nicht anders, als Martin Luther die Rechtfertigung aus Glauben als den Schlüssel zu einem würdigen Leben in der Nachfolge Christi erkannte und die Reformation der Kirche einläutete. Auch heute sind wir die Beschenkten. Die Gaben, die Er uns schenkt, sind keine oberflächlichen und veralteten unbrauchbaren Dinge, sondern lebenswichtige und zukunftsträchtige Geschenke: ein neues Herz und ein neuer Geist. Damit schenkt Er uns für alle 365 Tage das, was wir brauchen, um sie zu bestehen: Liebe und Barmherzigkeit für unsere Beziehung zu unserem Nächsten sowie Glauben und Erkenntnis in unserer Verbindung zu Gott.

Wir müssen nichts tun, als diese Geschenke annehmen und uns von ihnen in unseren Gedanken und Gebeten, im Glauben und Reden, im Tun und Lassen leiten lassen. Dann bekommen Enge und Starrheit, Angst und Sorge nicht die Überhand im Persönlichen, in Land und Welt. Gott befähigt uns, mit Herz in der Verantwortung für die uns anvertrauten Menschen und Beziehungen zu agieren, aufmerksam und mitfühlend. Und Er befähigt uns, mit Verstand geistesgegenwärtig zu sein und uns nach der Heiligen Schrift und Christus zu orientieren. Dann sind wir gut reformatorisch, evangelisch und katholisch, solche Christen, mit denen Gott die Welt verändert und erneuert. Die Veränderung und Erneuerung der Welt fängt Er mit uns an.

So lasst uns 2017 nicht nur 500-jähriges Reformationsjubiläum feiern, sondern der Reformation des Herzens und des Geistes in uns Raum geben und sie in die Welt hinaustragen. In diesem Sinne ein von Gott reich gesegnetes Anno Domini 2017.


Reinhart Guib, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien

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