WORT ZUM PALMSONNTAG: Allein durch die Gnade

Sonntag, 09. April 2017

Der letzte Sonntag vor Ostern trägt den schönen Namen Palmsonntag und ist der letzte Sonntag der Leidenszeit, der an den freudigen Einzug Jesu in Jerusalem erinnert. Aber mit diesem Sonntag beginnt auch die Karwoche, die den Kreuzweg und die Kreuzigung Jesu zum Thema hat. Freude und Trauer beschreiben gleichzeitig die Haltung, die hinter diesem Sonntag steht. Diese Haltung spricht auch aus dem Wochenspruch des Sonntags aus dem Johannesevangelium: „Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ (Joh 3,14b:15)
Der Menschensohn muss erhöht werden... Und wir wissen, Jesus wurde ans Kreuz „erhöht“. In der heutigen Zeit fragt man sich – musste das sein? Viel schöner ist es doch, sich auf Ostern einzustellen und sich schon gleichzeitig mit den schönen traditionellen österlichen Vorbereitungen, dem Kochen und Backen, dem traditionellen Eierlikör den geladenen Gästen zu widmen.

Außerdem hat man an vielen Orten Palmsonntag die Konfirmation gefeiert und tut es heute auch noch gerne. Die schönen Feste liegen uns viel näher als die Auseinandersetzung mit dem Leidensweg Jesu.
Immer wieder kann man Menschen über die „Gerechtigkeit Gottes“ sprechen hören und auch darüber, dass seine Gerechtigkeit Gnade ist. Der Ausdruck „sola gratia“, lateinisch „allein durch die Gnade“, ist ein Grundelement der reformatorischen Lehre von der Rechtfertigung und ist ein theologischer Grundsatz der Kirchen, die aus der Reformation hervorgegangen sind. Er drückt die Überzeugung aus, dass der Mensch allein dank der Gnade Gottes sein Heil und das ewige Leben erlangt. Er kann es sich nicht durch sein Handeln verdienen. Und wir sind überzeugt und hoffen, dass Gott uns nicht nach unseren Taten belohnen wird, sondern gnädig sein wird.
Wenn Gott doch gnädig ist, warum musste sein eigener Sohn dann sterben? Warum verlangt Gott dieses Opfer, wenn er doch die Liebe und Güte selbst ist?

Viele Menschen halten Gott trotzdem für einen strengen Rechenmeister, der jedem das gibt, was er verdient. Tun sie das, weil das der Lebenserfahrung entspricht in einer Welt, in der jener Erfolg hat, der es versteht, recht zu rechnen. Dann kann man von der Gnade Gottes schön reden, kann aber nicht wirklich daran glauben und danach leben. Dann ist auch der Leidensweg Jesu gar nichts Besonderes mehr und es wundert uns nicht, dass so etwas geschehen ist, und betrifft uns auch gar nicht wirklich. Es gibt auch Menschen, die erwarten nach einer längeren Zeit des Glücks den Schicksalsschlag, der ihr Leben erschüttert. Und je länger die Zeit der Freude dauerte, um so schwerer wird der Schlag sein. Steht diesen Menschen nicht auch ein Bild von Gott vor Augen, das düster und bedrohlich aussieht und ganz und gar nicht gnädig?
Es scheint oftmals, als würden wir anders von Gott reden, als wir in unserem Innersten denken! Wir preisen die Gnade Gottes. Wir loben ihn, weil er uns nicht richtet, wie es wir es verdienen. Aber im selben Augenblick können wir den Schlag seiner Hand in dem erkennen, was einem Mitmenschen Schlimmes geschieht. Im gleichen Atemzug nennen wir Gott ungerecht, wenn er unsere Frömmigkeit nicht belohnt. Gottes vergebende Liebe und sein gnadenloses Richten – wie soll das zusammenpassen?

Wenn wir jetzt den Wochenspruch nochmals lesen oder hören: „Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben“, ergibt sich die Schlussfolgerung, dass darin der Grund dafür liegt, dass Gott seinen Sohn ans Kreuz schicken musste. Wie sollten sonst Menschen, wie auch wir es sind, begreifen: Durch den Weg Jesu zum Kreuz wurde die menschliche Schuld von der Gnade Gottes überboten. Gott ist bereit, für uns ungerechte Menschen alles zu geben. Auch den eigenen Sohn hinzugeben. Er handelt so, damit wir mit unseren Köpfen und Herzen begreifen, dass wir einen gnädigen Gott haben. Der Evangelist Johannes will uns vergewissern, dass wir durch Gottes Handeln, durch das Opfer Jesu, einen freien Weg zu Gott haben, unabhängig ob wir mit guten Taten die bösen überwiegen können. Gott hat uns die Tür zum Himmel aufgemacht und wir dürfen uns alle an diesem Gnadengeschenk freuen.

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