WORT ZUM SONNTAG: Alt und Neu

Samstag, 25. April 2015

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.“             
2. Korinther 5,17

 „Aus Alt mach Neu“, Sie haben diesen Spruch gewiss schon gelesen.

Zu schnell kippen wir das Alte über Bord und wenden uns dem Neuen zu. Bewährtes geht heute fast  in Augenblicken verloren oder, weil nie gelernt, endgültig unter. Ein Beispiel: Wir saßen in einer Berghütte. Schnell waren die Gitarren ausgepackt. Schmissige Fahrtenlieder erklangen. Der Hüttenwirt, ein für uns alter Mann, setzte sich zu uns. Irgendwann fragte er: „Kennt ihr die schönen, alten deutschen Lieder nicht mehr?“ Ich erinnere mich an ein Abendlied: „Der Mond ist aufgegangen!“ Wir mussten passen und schämten uns. Heute singen unsere beiden sechs- und achtjährigen Enkelinnen selbst die dritte Strophe begeistert: „Seht ihr den Mond dort stehen, / er ist nur halb zu sehen/ und ist doch rund und schön./ So sind gar manche Sachen, / die wir getrost belachen, / weil unsre Augen sie nicht sehn!“ Matthias Claudius, der vor 200 Jahren starb, dichtete diese tiefsinnigen Verse.

Ich lehne das Alte nicht ab oder stelle es infrage. Gott hat mit jedem von uns seine Geschichte, vor und seit unserer Geburt bereits! Und alles führt zu einem, nämlich seinem Ziel. Aber alles hat auch ein Gestern, ist im Wandel, im Wachstum begriffen. Was aber ist das Ziel Gottes mit seinen Geschöpfen, mit uns? Jesus sagt im sogenannten hohen priesterlichen Gebet: „Auf dass sie alle eins seien! Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien!“ (Joh. 17, 21f)

Gott und seine Geschöpfe sind also eins, nicht trennbar. Der Auftrag „baue und bewahre“, bleibt  bestehen. Wir Menschen sind jedoch nicht Herren über die Schöpfung, können nicht beliebig mit ihr umgehen, sie ausbeuten, ohne nach dem jeweiligen Schaden zu fragen. Haben wir da nicht in den letzten Jahrzehnten gelernt? Herrlichkeit ist das Ziel, eine Herrlichkeit, die es nur bei Gott gibt. Sie wurde uns erworben, als Jesus am Kreuz sterbend ausrief: „Es ist vollbracht!“ Sie wird uns zugesprochen seit Jesu Auferstehung, in der Taufe und wenn wir bereit sind, uns mit dem Glauben beschenken zu lassen.

„In Christus sein“, auf ihn und sein Wort hören, treu dranbleiben auch in Jesu Gemeinde, da wird Glaube nicht zum Ladenhüter, schlafen wir nicht ein! Er bewährt sich für uns selber als belebendes Element, für unsere Gemeinde und Mitmenschen als Kraft der Liebe und Hingabe. Diese Kraft zeichnete jene Männer aus, die sich dem Bösen entgegenstemmten und deren Liebe zum deutschen Volk das Opfer ihres Lebens forderte. Ich denke an Dietrich Bonhoeffer, seinen Bruder Klaus,  Friedrich Justus Perels und all die anderen, die vor 70 Jahren hingerichtet und ermordet wurden.           In Bonhoeffer und all den anderen Märtyrern begegnen uns Menschen, denen der Glaube für ihr Handeln wichtig und bestimmend war. Das schloss den Tod und den Verlust des Lebens mit ein. Im Glauben und in der Liebe wussten sie sich auf diesem Weg von Gott begleitet und gehalten.

Der als Jurist tätige Freund Bonhoeffers F.J. Perels schrieb aus dem Kerker an seine Frau: „Ich erfahre viel Hilfe und bin getrost. Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid! Darauf kommt es an. Ich musste zuschanden werden, um das zu verstehen!“ Liebe Leser, auch dieses „Zuschandenwerden“ gehört zu dem „In Christus sein“ und zur „neuen Kreatur.“      

Die Vollkommenheit und Vollendung steht noch aus! Wenn Gott alle Tränen trocknet, kein Tod, kein Leid und Schmerz, kein Kriegs- und Terrorgeschrei uns mehr bedrohen, dann wird ER sein alles in allem!“ Offb. 21,3ff und 1. Kor. 15,26ff
Für mich erstaunlich, wie Dietrich Bonhoeffer diese Hoffnung und die Aussage unseres Wochenspruches sehr nahe beieinander sieht, wenn er schreibt: „Die Liebe Gottes umfasst auch die abgründigste Gottlosigkeit der Welt. Gott erklärt sich selbst für schuldig an der Welt und löscht damit die Schuld der Welt aus. Durch seinen demütigenden Versöhnungsgang spricht er die Welt frei. Weil Gott schuld sein will an unserer Schuld, nimmt er Strafe und Leiden auf sich. Gott steht ein für unsere Gottlosigkeit. Die Liebe für den Hass! Der Heilige für den Sünder! Nun gibt es keine Gottlosigkeit, keinen Hass, keine Sünde mehr, die Gott nicht auf sich genommen, erlitten und abgebüßt hätte. Keine Welt mehr, die nicht mit Gott versöhnt und im Frieden wäre. Das tat Gott in seinem lieben Sohn Jesus Christus!“

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*