WORT ZUM SONNTAG: An der Leine Gottes

Sonntag, 28. April 2013

Ein Geisteslehrer stellte eine für fromme Gläubige beunruhigende Behauptung auf: Gott sei den Sündern näher als den Heiligen! Er erklärte das so: Gott im Himmel hält jeden Menschen an einer langen Schnur. Ein Mensch, der sündigt, zerschneidet diese Schnur. Weil aber Gott, der doch die personifizierte Liebe ist, den Sünder nicht gleich abschreibt, knüpft er ihn wieder mit einem Knoten an sich. Dadurch wird die Schnur etwas kürzer und der Sünder kommt näher an Gott heran. Immer wieder zerschneidet der Sünder die Schnur und immer wieder knüpft Gott einen neuen Knoten. So wird die Schnur zwischen Gott und dem Sünder immer kürzer und so kommt der Sünder Gott immer näher. Der Heilige zerreißt diese Schnur nie, deshalb muss ihn Gott auch nicht näher heranziehen. So der Geisteslehrer.

Was sagen wir dazu? Gott hält uns alle an einer langen Leine. Es ist die Leine seiner fürsorglichen Liebe. Der fromme Mensch fühlt nicht das Bedürfnis, sich von Gott zu emanzipieren. Er bleibt getreu an der Leine der Gottesliebe. Der unfromme Mensch glaubt, diese lange Leine sei eine Art Sklavenfessel. Er will frei sein und löst die Verbindung mit Gott. Lässt Gott nun diesen unbedachten und leichtsinnigen Menschen fallen und ihn in seiner Sündenschuld umkommen? Christus belehrt uns darüber in einem Gleichnis: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eines davon verliert, lässt er dann nicht die 99 anderen Schafe in der Steppe zurück und geht dem verlorenen Schaf nach bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und ruft ihnen zu: „Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war.“ Und dann fügt Christus hinzu: „Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über 99 Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren!“

Wir fragen: Liebt Gott seine treuen Gläubigen weniger als die ungetreuen Ausreißer? Nein. Er muss sich um seine Getreuen weniger Sorgen machen. Sorgen bereiten ihm die Menschen, die ihm entlaufen. Wie ist es bei uns? Eine Mutter hat sechs Kinder. Sie liebt sie alle. Da wird ein Kind krank. Die Mutter widmet dem einen kranken Kind mehr Fürsorge als den fünf gesunden Kindern. Das kranke Kind hat die Fürsorge der Mutter eben notwendiger. Für uns, die wir eher dem einen verirrten Schaf als den 99 getreuen Schafen gleichen, ist es ein Trost, dass Gott sich um uns sorgt.
Christus erklärt: „Ich bin der gute Hirt! Wer auf ihn hört und ihm folgt, wird Weide finden.“

Es werden uns heute viele „Weiden“ angeboten. Alle Ideologien geben sich als „Weiden“ aus, die uns sättigen. Können sie es auch wirklich? Überlegen wir: Aus einer Lüge wird keine Wahrheit, so oft sie auch wiederholt wird. Aus einem Irrtum wird keine Wahrheit, so schön er auch garniert und eingefärbt wird, ob braun, rot oder anderswie. Und aus einer Wahrheit wird nie ein Irrtum, auch wenn sie noch so ungeschickt gesagt und ausgelebt wird. Die Wahrheit Gottes ist nicht abhängig von der Aussagekraft seiner Diener. Es überzeugt natürlich leichter, wenn das Leben der Christen mit der von Christus verkündeten Wahrheit übereinstimmt. Christus bleibt aber auch dann wahr, wenn seine Diener ihn schlecht vertreten. Eine gute Arznei bleibt immer gut, auch wenn sie von einem betrunkenen Arzt verschrieben wird. Nicht auf den Arzt, sondern auf die Arznei kommt es an. Das Wort Gottes bleibt in sich wahr und gültig, auch wenn manche Priester und Gläubige mehr schlecht als recht danach leben. Machen wir unseren Glauben nicht von Menschen abhängig, sondern von Christus. Menschen können enttäuschen, Jesus aber nie. Er ist der einzige gute Hirt, der uns auf die gute Weide führt.

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