WORT ZUM SONNTAG: Athleten des Guten

Sonntag, 15. Mai 2016

Kürzlich fand in Norwegen die Europameisterschaft im Gewichtheben statt. Es ist erstaunlich, welch gewaltige Körperkraft manche Athleten entwickeln, um schwere Gewichte emporzureißen und über den Kopf zu stemmen. Die Gewichtheber müssen Monate hindurch hart trainieren. Es ist eine sehr schweißtreibende Sportart. Welchen Wert haben solche Sportergebnisse? Ein Gabelstapler in einem Lagerraum hebt mit Leichtigkeit schwerere Lasten als jeder Gewichtheber. Der Lastkran hebt sogar mehrere Tonnen auf einmal.

Es gibt auch Sportarten, die uns die Geschicklichkeit von Menschen vor Augen führen. Ein junger Mann übte sich in der Fechtkunst. Bei einer Sportveranstaltung führte er seine Kunst vor. Es regnete heftig. Er verstand es, seinen Säbel so schnell über den Kopf zu schwingen, dass kein Regentropfen sein Haupt berührte. Hat solche Art von Kunst praktischen Wert? Ein aufgespannter Regenschirm tut den gleichen Dienst. – Ein junger Mann aus reichem Haus konnte sich lange für keine Berufsausbildung entscheiden, schließlich ging er zu einem berühmten Meister in die Lehre, um die hohe Kunst des Drachentötens zu erlernen. Sieben Jahre dauerte die Ausbildung, die mit hoher Kunst verbunden war. Er erhielt ein prächtiges Diplom. Einen Drachen bekam er nie zu Gesicht. So konnte er seine Kunst nicht ausüben.
Viele Menschen verwenden große Mühen auf Tätigkeiten, die keinen oder nur geringen Nutzen bringen. Wäre es da nicht nützlicher, unser Ich, das Geistige in uns, das uns erst zu Menschen macht, so eifrig zu trainieren, dass es die Kraft entwickelt, das Gewicht des Bösen zu überwinden?  Mit diesen Fertigkeiten werden wir zwar keine Sportgrößen, aber dafür Athleten des Guten. Das ist von größtem Nutzen.
Leider bringen wir nicht die nötige Kraft dafür auf.

Wie denken wir? Ich gehe zum Arzt und sage ihm, woran ich leide. Er verschreibt mir eine Arznei für meinen Nachbarn. Danke ich dafür herzlich dem Arzt? Das wäre absurd. Aber leider handeln wir so. Wir glauben, es würde uns besser gehen, wenn die anderen sich zum Guten ändern würden. Wir denken: „Wie schön wäre das Leben, wenn die anderen bessere Menschen sein würden. Warum ist das so? Ein lebenserfahrener Mann sagte: „Das Herz des Menschen besteht aus drei Teilen: Ein Teil gleicht einem Berg, den nichts bewegen kann. Ein Teil gleicht einem Baum, der fest verwurzelt ist und dessen Krone ab und zu der Wind bewegt. Und ein Teil gleicht der Feder, die sich vom Wind in jede Richtung treiben lässt. Hat er nicht recht? Wenn es um religiöses Handeln geht, gleichen viele dem unbeweglichen Berg. – An Weihnachten und Ostern gleichen sie dem Baum, dessen Krone durch den Wind der Weihnachtslieder und der Osterbräuche etwas bewegt wird. Bläst aber kräftig der Wind der Weltfreuden und der sinnlichen Genüsse, gleichen sie der Feder, die sich treiben lässt.

Am Pfingstfest ist für uns die Quelle der geistigen Kraft von Gott herabgekommen. Gottes Geist kommt uns zu Hilfe. Die furchtsamen Apostel, die schwer von Begriff waren, hat Er so geändert, dass sie zum Fundament der Kirche Christi geworden sind. Diese geistige Gnadenkraft steht auch uns zur Verfügung. Wollen wir nicht geistige Schwächlinge oder gar Dystrophiker sein, öffnen wir uns dieser göttlich-geistigen Kraft. Es gibt Athleten der Körperkraft, aber es gibt auch Athleten der Geisteskraft. Das sind unsere Heiligen. Sie waren und sind wie wir aus Fleisch und Blut und vom Bösen versucht wie wir. Aber sie haben um die Kraft des Heiligen Geistes gebetet und sie auch erhalten. So konnten sie das Böse überwinden, sich selbst ändern und auch viele Menschen in der Änderung für das Gute bestärken. Die Kraft, die uns zu veränderten Menschen macht, kommt nicht von der Muskelkraft unserer Arme, sondern entströmt den zum Gebet gefalteten Händen. Mit der Geisteskraft Gottes können wir zwar keine Sportgrößen, dafür aber Athleten des Guten werden. Gäbe es viele solcher Athleten, könnte die Welt verändert werden.

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