WORT ZUM SONNTAG: Auf dem Prüfstand

Sonntag, 18. Februar 2018

Die Autobesitzer bringen ihr Fahrzeug von Zeit zu Zeit auf den technischen Prüfstand. Die Fahrtüchtigkeit des Kraftwagens muss überprüft werden. Stellt man Mängel daran fest, müssen sie behoben werden, ansonsten wird das Fahrzeug zur Gefahrenquelle für Leib und Leben.

Nicht nur Autos müssen auf den Prüfstand. Vorsichtige Leute sind um ihr körperliches Wohlbefinden sehr besorgt. Man lebt ja nur einmal. Sie lassen ihren Gesundheitszustand von Fachärzten durch Tests überprüfen. Bei festgestellten Mängeln werden therapeutische Maßnahmen angeordnet, die der besorgte Patient auch strikt einhält.

Wir Menschen bestehen aber nicht nur aus dem materiellen Leib, mit ihm ist die Geistesseele verbunden. Auch diese muss auf den Prüfstand kommen. Es gibt zwei Prüfstände: den Prüfstand Gottes und den Prüfstand des Teufels. Über den Prüfstand Gottes heißt es in der Bibel (Dt 13,4): „Der Herr, euer Gott, prüft euch, damit offenbar werde, ob ihr Ihn liebt oder nicht!“ So wurde Abraham geprüft. Über den Prüfstand Satans sagt Christus (Lk 22,31): „Simon, Satan hat verlangt, euch im Sieb zu schütteln wie den Weizen! Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht wanke!“ Der große Kirchenlehrer Ambrosius (340 – 397) klärt uns über die beiden Prüfstände auf: „Anders versucht Gott, anders der Teufel. Der Teufel versucht, uns zu Fall zu bringen; Gott, uns die Siegeskrone zu geben!“ Schauen wir uns den Prüfstand Gottes an.

Hieronymus Aemiliani (1486 – 1537) stammte aus einer italienischen Adelsfamilie. Mit 15 Jahren verlor er seinen Vater und sogleich entlief er der Obhut der Mutter. Er wollte ein Kriegsheld werden. Im Krieg zwischen Frankreich und den lombardischen Städten zeichnete er sich so sehr aus, dass er zum Offizier ernannt wurde. Als sich Venedig gegen den Kaiser Maximilian I. empörte, verteidigte er die Grenzfeste Castel Nuovo heldenhaft. Die Festung wurde erstürmt und Hieronymus in einem tiefen Keller an die Wand geschmiedet. Ihn erwartete die Todesstrafe. Nun konnte er über das wetterwendische Glück des Soldatenlebens nachdenken. Er begann zu beten und flehte um die Hilfe der Gottesmutter vom Gnadenort Trevigi. Wenige Tage später erschien er dort mit Ketten in der Hand, legte sie auf den Altar und erklärte, ihm sei die Gottesmutter erschienen, habe seine Fesseln gelöst und ihn mitten durch die feindlichen Wachposten geführt.
Nun hatte das Soldatenleben keinen Reiz mehr für ihn. Er studierte Theologie und wurde 31-jährig zum Priester geweiht. Da sah er eine Menge Straßenjungen herumlungern, die vom Bettel und Diebstahl lebten. Die meisten hatten durch die Kriegsereignisse keine Eltern mehr. Er mietete ein Haus und nahm die Jungen auf. Zuerst waren es zehn, dann hundert, dann tausend. Er steckte sein ganzes Vermögen in dieses Unternehmen und ließ die Jungen in verschiedenen Berufen ausbilden. Sie sollten sich später durch ehrliche Arbeit ihr Brot verdienen.

Das Experiment gelang über alle Maßen. Sein Beispiel steckte an: Grafen, Kaufleute, Priester und Handwerker stellten ihm die Mittel zur Verfügung. Auch für gefährdete Mädchen schuf Hieronymus ein Heim. Seine Tätigkeit wurde in ganz Norditalien bekannt. In Padua, Verona, Brescia und Mailand gründete er weitere Waisenhäuser und organisierte sie so, dass sie sich selbst durch Arbeit erhalten konnten. Er gründete die Kongregation der „Somasker“. So sicherte er für die Zukunft das Fortbestehen seines Werkes. Er, der in seiner jugendlichen Verblendung Wunden geschlagen hatte, konnten nun Abertausende Wunden heilen. Er starb im Dienste der Krankenhilfe, als in Bergamo die Pest ausbrach. Er wird als heilig verehrt.

So sieht die Versuchung aus, die von Gott kommt. Vielleicht legt Gott uns auch Lasten auf die Schultern. Nehmen wir sie an. In Zentralafrika gibt es viele reißende Flüsse, aber nur wenig Brücken. Wollen die Einheimischen einen Fluss durchwaten, legen sie sich eine schwere Last auf den Kopf, damit sie mit den Füßen fest auf dem Boden bleiben und die Strömung sie nicht fortreißen kann. Gott legt vielleicht auch uns eine Last auf das Haupt, damit die Strömung des Leichtsinns, der Habsucht und der Genussgier uns nicht von Ihm losreißen kann. Aus der Versuchung Satans, der wir unterliegen, gehen wir immer geschwächt, aus der Versuchung Gottes gehen wir immer gestärkt hervor, damit auch „unser Glaube nicht wanke“.

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