WORT ZUM SONNTAG: Behütet und getragen

Samstag, 26. September 2015

Mehr noch als Worte begleiten uns Bilder in unserem Leben. Es gibt Bilder, die uns verfolgen, weil damit eine unangenehme Erinnerung verbunden ist, vielleicht sogar eine schreckliche. Solche Bilder würden wir gerne abschütteln. Aber sie kommen meist dann, wenn wir sie am wenigsten brauchen – oder sie tauchen im Schlaf als Alptraum auf.Es gibt aber auch andere Bilder, Gott sei Dank! Von ihnen gehen Kraft und Sicherheit aus. Sie können trösten und stärken. Es sind glückliche Momente, wenn wir erleben, dass diese Bilder der Zuversicht stärker sind als die dunklen Nachtgesichter.Ich kenne ein Bild, das trägt den Titel: „Unter deinen Fittichen“. Es stammt vom Maler Devi Tusziynski, einem polnischen Juden, der 2002 87-jährig in Paris gestorben ist. Es weist hin auf die Sprache der Bilderwelt in den Psalmen. Bevor alles begann, am Anfang, war schwarze Nacht. Es herrschte Leere und Finsternis, Tohú wabohú, wie es hebräisch heißt. Wir kennen solche Zeiten zur Genüge aus unserem Leben: bedrohende Finsternis und Furcht vor Versinken.Schwarz beherrscht auf diesem Bild den Hintergrund, wenn auch der Mond aufgezogen ist. Aber aus diesem nächtlichen Hintergrund löst sich eine helle Frauengestalt. Sie schaut auf das Dorf oder die Stadt, deren Häuser sich eng aneinander schmiegen. Ihr Auge wacht über den menschlichen Behausungen. Aber mehr noch als ihr Auge fallen ihre Hände auf.

Sie umschlingen die Stadt und in ihnen ist sie geborgen. So lange diese Hände da sind, wird niemand herausfallen aus der Umarmung Gottes.Die weiblichen Züge Gottes haben eine lange Geschichte und sind eine alte biblische Erkenntnis: Jesaja spricht davon vor 2500 Jahren: „Denn so spricht der Herr: Ihre Kinder sollen auf den Armen getragen werden, und auf den Knien wird man sie liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ (66,12f). Und in einem Gesangbuchlied heißt es: „Mit Mutterhänden leitet er die Seinen stetig hin und her.“  GOTT hat uns oft, nach manchem Dunkel in unserem Leben, väterlich und mütterlich begleitet und behütet. Er hat seine Stadt, sein Dorf und sein Volk nicht aus den Händen gleiten lassen. Wir dürfen  in der bergenden Hand Gottes ihn selber am Werk sehen. Bestimmt hatten wir oft in unserem Leben dieses unwahrscheinliche Gefühl des Behütet- und Getragenseins, das sich wie ein roter Faden durch unser Leben hindurchgezogen hat, mit allem Auf und Ab, mit Abbruch und Neubeginn. Wenn Menschenkinder unter dem Schatten der Flügel Gottes Zuflucht finden, dann wissen sie auch, dass sie ihr Leben aus den Händen des bewahrenden Gottes über Grenzen und Zeiten empfangen.Wenn jetzt die Sommerpause vorüber ist und die meisten Menschen aus ihrem Urlaub zurückkehren, wenn die Schule seit 15. September wieder begonnen hat und die Erstklässler – symbolisch gesehen – vor einer neuen Tür stehen, tun sich Wege mit Wünschen, Hoffnungen, auch Befürchtungen auf. Es gibt bestimmt auch etwas, auf das wir uns freuen. Auf jeden Fall begleitet uns Gottes Segen auf dem Weg in die Zukunft, wo wir gestärkt ins Neue treten dürfen. Darum „vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt“. „Ausgang und Eingang, Anfang und Ende, liegen bei dir, Herr, füll du uns die Hände“!   

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