WORT ZUM SONNTAG: Da berühren sich Himmel und Erde

Sonntag, 24. Juni 2012

Gibt es „Heilige Orte“ oder „Heilige Räume“? Wenn ja, wozu sollten sie dienen? Wodurch wird ein Ort zu einem heiligen Ort? Ist er allein dadurch heilig zu nennen, weil wir glauben, dort Gott nahe zu kommen, näher zu sein als an anderen Orten?

Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er zu seinen Häupten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Steinmal und goss Öl oben darauf und nannte die Stätte Bethel, d. h. Haus Gottes.... (1. Mose 28, 18f)

Ein Vers herausgenommen aus dem Kontext des Traumes von der Himmelsleiter, Sätze, die in ihrem Zusammenhang gesehen werden wollen. Als evangelische Christen erfasst uns ein gewisses Unbehagen bei dem Begriff „Heiliger Ort“ und das mit Recht. Nach unserer Tradition gibt es keine heiligen Orte. Ein Haus bleibt noch immer ein Haus, gleich ob es eine Kirche oder eine Kapelle ist. Was ist die „Kirche“? Kirche ist ein Versammlungsort, wo das Wort Gottes verkündigt wird, wo es auch viele Menschen erreicht. Die Gemeinde soll sich, gestärkt von diesem Wort und durch das gemeinsame Gebet, auf den Weg des Glaubens begeben. Der Weg des Glaubens in dieser Welt bedeutet, das Wort glaubwürdig in dieser Welt zu bekennen, mit eigenen Worten und konsequentem Handeln.

Pilgern zu „heiligen“ Orten ist sehr aktuell auch in unserer Zeit. Menschen machen sich auf die Suche nach Gott, sie suchen die Begegnung mit Gott. Auf Initiative der Evangelischen Frauenarbeit unserer Kirche haben auch wir uns immer wieder aufgemacht, Kraftquellen zu suchen. Da wir in unserem Verständnis nicht zu einem „heiligen Ort“ hin pilgern, nennen wir unsere Aktion „Meditatives Wandern“. Es tut gut, für eine kurze Zeit aus dem Alltag auszusteigen, sich auf den Weg zu machen, offen zu sein für die Begegnung mit Gott und unseren Mitmenschen. Das Wort Gottes dient uns zur Orientierung und zum inneren Aufbau. Natürlich führt uns der Weg auch in Kirchen hinein. So laden die Kirchenräume uns ein, zur Ruhe zu kommen, uns zu erfrischen nach der Wanderung und bieten auch willkommenen Schutz bei Regen. Gott wohnt aber nicht in einer Kirche und doch sind immer wieder die Kirchen solche Räume, in denen Menschen die Begegnung mit Gott gesucht haben. Sie haben darin das Wort Gottes gehört und Glaubenslieder gesungen. Sie haben Leid und Glück vor Gott gebracht und konnten auch neue Kraft schöpfen.

Jakob richtete den Stein zu einem Steinmal auf und goss Öl oben drauf. Unsere Vorfahren haben sich große Mühe gegeben, Steine schön zu ordnen und haben diese Stätten, wie auch Jakob, „Gotteshaus“ genannt. Jakob hatte an dem Ort eine wichtige Begegnung mit Gott erlebt. Das machte den Ort für ihn und alle Nachfahren zu einem besonderen Ort – eben zu einem heiligen Ort.

Auch wir kehren immer wieder gerne an Orte zurück, an denen wir etwas Besonderes erlebt haben, oft auch mit der Erwartung, etwas von der Wirkung der ersten Begegnung zu spüren. Wenn ich in einer Kirche getauft, konfirmiert und getraut wurde, dann erhoffe ich etwas von den Gefühlen, die mich früher bewegt haben, wiederzufinden, wenn ich die Kirche betrete. Es tut einem gut. Doch wie sieht es heute aus, und zwar in einer Zeit der zunehmenden Mobilität? Orte haben es so an sich, dass man sie nicht einpacken und mitnehmen kann. Wo begegne ich dann Gott noch?

Ich erinnere daran, dass nicht der Ort an sich heilig ist, sondern die Begegnung mit dem lebendigen Gott an dem Ort. Nicht der Baum, unter dem wir den ersten Kuss bekommen haben, ist wichtig, sondern der Kuss selbst, die Person und die Wirkung dessen. Und wo hast du Gott dir nahe gespürt? Wo ist er dir begegnet? Wo kannst du Gott begegnen? Nur wer sich auf Ihn einlässt, kann Ihn auch finden, ihm begegnen.

Ich wünsche jedem von uns, immer wieder Orte zu finden, an denen er oder sie seine bzw. ihre Erinnerungen einer Begegnung mit Gott festmachen kann. Ob auf Reisen in dieser Sommerzeit oder zu Hause, in Kirchen, auf Wiesen oder im Schatten eines Baumes.
Macht euch auf, mit der Gewissheit im Herzen: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ (Psalm 139, 5) 


Persönlich lade ich ganz herzlich zu einer „Meditativen Wanderung“ zu den Kirchenburgen rund um Mediasch ein. Das Datum steht schon fest: 31. August – 1. September 2012. Wer Interesse hat, melde sich bitte bei mir! (Tel.: 0269-834228; E-Mail: hildegarddepner@gmx.net)

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