WORT ZUM SONNTAG: Das Kreuz im Kreuzfeuer

Sonntag, 17. November 2013

Das Kreuz ist eine …. Gotteskraft.
(1.Kor. 1,18)

Im August 1981 fuhr ich mit meinem Schwager aus Freiburg über Colmar nach Straßburg. Meine Mutter und meine Schwester waren mit von der Partie. Ich selbst hatte kein Visum für Frankreich, bangte demnach vor dem gesetzwidrigen Grenzübertritt. Es geschah mir aber nichts Nachteiliges. Als wir nach Freiburg zurückkehrten und der Grenzwächter uns vorbeiwinkte, meinte mein Schwager: „Du hast Glück gehabt; heute haben sie keinem Terroristen aufgelauert.“

Nun gut, in Straßburg besuchten wir das Münster, das Europa-Parlament mit den wehenden Fahnen aus aller Herren Länder – und im Nachhinein die Kirche St. Pierre le Jeune, eine der drei Peterskirchen in Straßburg.
Die Fremdenführerin zeigte uns die berühmte Wandmalerei aus dem 13. Jahrhundert, auf dem die europäischen Länder als Reiter dargestellt sind. Jeder trägt die Fahne seines Landes – und alle reiten auf das Kreuz Christi zu, unter dem geschrieben steht: „Ave crux – unica spes!“ „Sei gegrüßt, Kreuz, du einzige Hoffnung!“. Und nun scherzte die Fremdenführerin fast wie hinter vorgehaltener Hand: „Wenn die Herren vom Europa-Rat hierher kommen, zeige ich ihnen den Weg zum Herzen Europas. Denn keine Völkerschaft kann dem Kreuz Christi ausweichen“. Damit entschlüsselte uns die kluge Frau ein Gleichnis, das zwischenzeitlich seit mehr als einem halben Jahrtausend um Gehör, besser, um Nachahmung bittet. Die alten Griechen meinten, das Gleichnis sei der Weg nach der Tiefe des eigenen Wesens.

Es muss also schon im 13. Jahrhundert ein Ringen um Europa gegeben haben. Seither wächst Europa schrittweise zusammen. Je mehr Schritte zum Kreuz hin gewagt werden, umso näher kommen sich auch die europäischen Reiter. Damals, 1981, lag alles, was noch kommen sollte, im Bauch der Zukunft verborgen: Der Kontinent war gespalten. Ich selbst musste, nachdem ich zu Hause angekommen war, meinen Reisepass abgeben und auf die Befragungen hin beschämt zugeben: Ja, ich war in Frankreich. Man wusste es schon – woher, ist mir bis heute schleierhaft. Mein „Fehlverhalten“ hat mir nur einen Nasenstüber eingetragen, nicht mehr.

Der Politiker August Winnig sagte einmal: „Europas Ursprung ist das Bekenntnis zum Kreuz. Dies Bekenntnis schuf den geistig-seelischen Raum, in dem alle Völkerschaften zur Einheit verwandelt wurden“. Das Kreuz selbst haben die Römer auf ihren Eroberungszügen durch Nordafrika den Phöniziern abgeschaut. Das war im zweiten vorchristlichen Jahrhundert. Damals verhängte man diese Strafe für schwere Verbrechen. Sofort wurde das Kreuz in die Römische „Rüstkammer“ aufgenommen und im ganzen Reich angewendet. Aber siehe, es ist zum Zeichen des Heils in aller Welt aufgestiegen. Freilich in weltumfassender Überhöhung. Wo das Kreuz in Erscheinung tritt, wird die Welt in die Nachfolge gerufen. Das Religiöse bedarf der Rituale, der heiligen Spiele. Die Rituale der Einordnung fördern den Frieden und die Rituale der Aufwertung verbreiten Liebe und Achtung. Und noch etwas: Das Kreuz in der Musik hebt den Ton. Das Kreuz in der Kirche hebt die Lebensfreude.

Kommentare zu diesem Artikel

Musikus, 13.09 2014, 03:53
Servs, Voltähr, nette Gedanken - bis auf den einen mit der (Halb-)Tonerhöhung des Kreuzes in der (abendländischen) Musik. Wir wissen doch von dem eigenen Klang der Tonarten ... die optimistische D-Dur würde also ("erhöht" durch das Kirchenkreuz?) zur martialischen Es-Dur, Fis-Dur zur langweiligen G-Dur u.s.w. u.s.f. ... :-) hischen Groß ken Stulzembrich, Läwer!

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