WORT ZUM SONNTAG: Das Lebensziel

Sonntag, 21. August 2016

Wir leben! Als denkende Wesen fragen wir uns: „Wozu leben wir?“ Ein ernster Denker fand diese Antwort: „Unsere Existenz begreift sich von ihrer Zielsetzung her – nicht von ihrer Zeitspanne auf Erden!“ Also besteht der Wert des Lebens nicht in der Anzahl der Wanderjahre, sondern es muss „zielgerichtet“ sein. Das unterstreicht der hl. Augustinus, ein Mann von seltener Geistesgröße: „Der wahre Christ weiß, dass er in seinem Haus und in seiner Heimat nur als Fremdling weilt; droben ist seine wahre Heimat, hier ist er nur als Gast!“ Glaubenslose Menschen wollen das nicht wahrhaben. Sie sehen das Leben als eine Touristenreise an, die uns an möglichst viele Vergnügungsorte bringen soll. Je mehr Vergnügungen uns solche Orte anbieten, umso reichhaltiger sei das Leben.

Ist das nicht ein verhängnisvoller Trugschluss? Solche Menschen gleichen dem Seepferdchen in der Parabel. Das Seepferdchen ist ein kleiner Fisch in den Tangwäldern tropischer Meere. Sein Kopf ist pferdeähnlich, daher sein Name. – In der Parabel nahm es seine sieben Taler und galoppierte, sein Glück zu suchen. Es war noch gar nicht weit gekommen, da traf es einen Aal, der zu ihm sagte: „Hallo, Kumpel, wo willst du hin?“ „Ich bin unterwegs, mein Glück zu suchen“, antwortete stolz das Seepferdchen. „Da hast du’s ja gut getroffen“, sagte der Aal, „für vier Taler kannst du die schnelle Flosse haben. Damit kannst du viel schneller vorwärts kommen.“ „Das ist prima“, sagte das Seepferdchen, bezahlte, zog die Flosse an und glitt mit doppelter Geschwindigkeit von dannen.

Bald kam es zu einem Schwamm. Dieser fragte: „Hallo, wo willst du hin?“ „Ich bin unterwegs, mein Glück zu machen“, antwortete das Seepferdchen. „Prima“, sagte der Schwamm, „für ein Trinkgeld überlasse ich dir dieses Boot mit Düsenantrieb.“ Da kaufte das Seepferdchen mit seinem letzten Geld das Boot und sauste mit fünffacher Geschwindigkeit durch das Meer. Bald traf es einen Haifisch, der zu ihm sagte: „Hallo, wo willst du hin?“ „Ich bin unterwegs, mein Glück zu suchen“, antwortete stolz das Seepferdchen. „Da hast du es ja gut getroffen; wenn du diese kleine Abkürzung machen willst“, sagte der Haifisch und zeigte auf seinen geöffneten Rachen, „da sparst du dir eine Menge Zeit.“ „Vielen Dank“, sagte das Seepferdchen und sauste in das Innere des Haifisches, um verschlungen zu werden.

Ist das nicht das Sinnbild des heutigen Menschen, dessen Sinn nur auf Genuss ausgerichtet ist? Um je weniger zu versäumen, erfindet er immer schnellere Fahrzeuge und lässt sich, wie das Seepferdchen beschwätzen, das große Glück sei in der vergänglichen Welt zu finden. Alle Glücksucherreisen auf dieser vergänglichen Welt enden, wie beim Seepferdchen, im Haifischrachen des Todes. Wer sich nicht vom Irrtum rechtzeitig abwendet und der Wahrheit zuwendet, dem ergeht es letztlich wie dem Mann, der sich in der Wüste verirrt hat. Er wird verdursten, wenn keine Hilfe kommt. Da sieht er plötzlich Palmen vor sich, ja, er hört sogar Wasser sprudeln. Er aber denkt: „Ich bin ein aufgeklärter Mensch. Das ist eine Fata Morgana, eine Wüstenspiegelung. Meine Phantasie spielt mir etwas vor. In Wirklichkeit ist da nichts.“

Hoffnungslos, halb wahnsinnig, lässt er sich zu Boden fallen. Kurze Zeit später finden zwei Beduinen den Toten. „Kannst du das verstehen?“ sagt der eine zum andern, „so nahe am Wasser, und die Datteln wachsen ihm fast in den Mund. Wie ist das möglich?“ Da sagt der andere: „Er war ein moderner Mensch!“ Ungläubige Menschen halten die christliche Heilsbotschaft für eine Fata Morgana. Sie nennen sich „aufgeklärt“ und wandeln im Dunklen. Recht hat der Dichter Christian Morgenstern (1871-1914): „Wer Gott aufgibt, der löscht die Sonne aus, um mit einer Laterne weiterzuwandeln!“

Manche Ungläubigen suchen mit Spott die fundamentalen Lebenswahrheiten zu überspielen. So tat es Voltaire (1694-1778). Er war Gast am Hofe Friedrichs des Großen. Oft herrschte am Tisch eine leichtfertige Stimmung. Da sagte Voltaire: „Ich verkaufe meinen Platz im Himmel für einen preußischen Taler.“ Ein gläubiger Ratsherr aus Kleve, der ebenfalls Gast war, sagte: „Sie sind hier in Preußen, und da muss jeder, der etwas verkaufen will, sein Eigentumsrecht nachweisen. Können Sie mir nachweisen, dass Sie einen Platz im Himmel haben und wollen Sie ihn dann noch verkaufen, so will ich jede Summe dafür zahlen!“ Der sonst so redegewandte Voltaire wusste darauf keine Antwort.

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