WORT ZUM SONNTAG: Das Weizenkorn

Samstag, 21. März 2015

Entscheidungsträger, die über das Wohl und Wehe von Millionen Menschen Entscheidungen treffen, werden oft angefeindet von denen, die dadurch Nachteile erleiden müssen. Manche werden sogar mit dem Tode bedroht. Darum werden die Entscheidungsträger von einem Schutzkordon umgeben. Jeder, der Macht ausübt, bedient sich einer Leibwache, die sein Leben schützen soll. Nicht immer gelingt das. Ein eklatantes Beispiel dafür ist die Ermordung des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy im Jahre 1963. Auch auf den friedlichen Papst Johannes Paul II. wurde am 13. Mai 1981 ein Attentat verübt.

Seitdem fährt der Papst im kugelsicheren Papamobil. Wie war es mit dem, der von sich gesagt hat: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden?“ Gott sandte seinen „einzigen Sohn, voll Gnade und Wahrheit“ auf diese von Waffenträgern beherrschte Erde. Er gab ihm zum Schutz seines so wichtigen und für das Schicksal der Welt so entscheidenden Lebens keine Leibgarde aus Engeln mit. Hilflos lag das Kind in der Krippe und schon dort wurde sein Leben bedroht. Gott sandte keinen Exekutionsengel zu Herodes, um diese Gefahrenquelle zu beseitigen. Das Kind sollte auf dieser mit Gewalt regierten Erde eine neue Ordnung für die Menschheit vorleben: Nicht Gewalt, sondern Liebe soll herrschen! Ein solches Programm ist das schwerste von allen Programmen: Statt das Leben anderer Menschen mit Gewalt zu rauben, lieber das eigene Leben aus Liebe zu opfern! Nur so kann der Fluch der Gewalt von dieser Erde genommen werden. Darum war die Antwort Gottes auf die Mordabsicht des Herodes: Statt Gewalt, lieber Flucht!

Das Leben Jesu wurde auch bedroht, als er durch das Land zog, die Kranken heilte und dem unterdrückten Volk die befreiende Botschaft vom Reiche Gottes verkündete. Sogar seine Landsleute aus Nazareth wollten ihn vom Berg in den Abgrund stürzen. In Jerusalem versuchten die aufgebrachten Juden, ihn zu steinigen, weil er nicht nach ihrem Mund redete und ihnen seine Botschaft vom Reiche Gottes nicht gefiel. Und wie reagierte Christus darauf? Er rief keinen Blitz vom Himmel auf seine Feinde herab, sondern sagte ein Wort, das alle verblüffen musste: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es für sich allein. Wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht!“

Was wollte er damit sagen? Das Heil der Welt wird nicht mit der Gewalt des Schwertes, sondern mit dem Opfer der Liebe erreicht. Das Schwert kann nur Leben töten. Das Weizenkorn schafft neues und vielfältiges Leben. Die Welt wird nicht mit dem Opfer fordernden Schwert, sondern mit der Opfer bringenden Liebe erlöst. Darum verglich sich Christus nicht mit dem Dornstrauch, der sich mit Dornen wehrt. „Er, der Herr der Herrlichkeit“, wie es in einem Kirchenlied so treffend heißt, ließ sich gefangen nehmen, zum Tode verurteilen und ans Kreuz schlagen. Er ist das fruchtbarste Weizenkorn der Welt. Aus diesem Samenkorn ist die christliche Gemeinschaft entstanden, die auch nach zwei Jahrtausenden die größte religiöse Gemeinschaft auf Erden ist. Und sein Beispiel zeigt überzeugend: Eine bessere Welt kann nur aus der Lehre des „sterbenden Weizenkorns“ entstehen. Es hat sich sein prophetisches Wort erfüllt: „Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen!“

Diese Wahrheit will uns ein Bild in einer oberdeutschen Dorfkirche veranschaulichen. Auf einem Deckengemälde ist Christus am Kreuz dargestellt. Auch der Teufel, das Sinnbild der gottlosen Gewalt, ist dargestellt. Er hat einen großen Schuldbrief in der Hand. Darauf stehen die Sünden der Menschen. Der Teufel will zu Jesus sagen: „Schau her, wie schlecht die Menschen sind. Hier sind ihre Sünden aufgeschrieben. Diese sündigen Menschen gehören alle mir!“ Da kommt ein Engel mit einem Schwamm. Er fängt das Blut und Wasser auf, das aus der Seitenwunde Jesu strömt. Mit dem Schwamm löscht er den Schuldbrief des Teufels. Der Maler will damit sagen: Jesus hat durch seinen Tod und sein Blut die Schuld der Menschen gesühnt. Er hat uns mit Gott versöhnt. Das Weizenkorn ist in die Erde gefallen, ist gestorben und hat dadurch reiche Frucht gebracht. Das Weizenkorn am Kreuz zieht uns zu sich empor und schenkt uns ewiges Leben.

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