WORT ZUM SONNTAG: Der gordische Knoten

Sonntag, 05. Februar 2017

Viele Wissenschaftler grübeln darüber nach, wie man die Lebensverhältnisse bessern könne. Eine lobenswerte Absicht. Wer aber soll diese Herkulesarbeit erfolgreich zu Ende führen? Der Politiker verspricht vollmundig, er werde dieses Vorhaben erfüllen. Aber er brauche Macht dazu. Darum bemüht er sich um mehr Macht, damit er seine Pläne durchführen kann. Niemand soll ihm dazwischen funken können. Am Ende mausert er sich zum Diktator, vor dem alle kuschen müssen. Dadurch werden die Lebensverhältnisse nicht besser, sie werden geradezu unerträglich. Das Ergebnis: Unkontrollierte Macht macht nichts besser.

Da meldet sich der Wirtschaftsfachmann. Er sagt, er werde mit einer klugen Geldpolitik die Lebensverhältnisse bessern. Dazu benötige er „freien Raum“, um seine Pläne zu verwirklichen. Da er aber kein Engel ist, trachtet er danach, zuerst die eigene Tasche zu füllen. Er handelt nach der Devise: Zuerst ich – dann die anderen! Weil die Habgier keine Grenzen kennt, kommt es zu der grotesken Entwicklung, dass heute – nach der Oxfam-Studie – acht Männer ein so großes Vermögen besitzen wie die ärmere Hälfte der Menschheit zusammen. Schon lange haben aufmerksame Beobachter der Wirtschaftsentwicklung festgestellt: Die Schere zwischen Reich und Arm geht immer weiter auf. Das Ergebnis: Habgierige Wirtschaftsbosse bessern nicht die Lebensverhältnisse aller Menschen, eher werden sie noch schlechter.

Bringen es vielleicht die Wissenschaftler fertig? Sie entdecken doch immer neue Möglichkeiten, die Lebensverhältnisse zu bessern, die Arbeit zu erleichtern und Waren erschwinglicher zu machen. Dazu der Raketenkonstrukteur Wernher von Braun (1912-1977): „Die Wissenschaft ist wie ein scharfes Messer. In der Hand des geschickten Chirurgen rettet es Menschenleben. In der Hand des Mörders löscht es Menschenleben aus!“ Der Wissenschaft verdanken wir nicht nur das Auto, den Fernseher und das Internet, sondern auch die ABC-Waffen und Langstreckenraketen mit atomaren Sprengköpfen. Das Ergebnis: Die Wissenschaft ist ein zweischneidiges Messer.
Wie ist der „gordische Knoten“ zu lösen? Eines ist klar: Der Mensch selber schafft die Verhältnisse. Gute Verhältnisse können nur „gute Menschen“ schaffen. Wie das möglich ist, zeigt uns Jesus Christus. Er kam auf unsere Erde nicht als Staatsmann, nicht als Wirtschaftsmanager und auch nicht als Koryphäe der Wissenschaft. Er hat ein Wort gesprochen, davon die Machthungrigen nur träumen können: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden!“ Wozu gebrauchte er sie? Das zeigt uns das Lukasevangelium (22,25-27): „Die Könige der Völker herrschen über sie und die Gewalthaber lassen sich Wohltäter nennen. Bei euch soll es nicht so sein... Ich bin in eurer Mitte wie einer, der dient!“ Christus, der Herr von Zeit und Ewigkeit, gebrauchte seine Macht und Kraft, um den Menschen zu dienen. Das tat Er bis zur äußersten Konsequenz am Kreuz.

Wir können unsere Lebensverhältnisse nur dann zum Besseren ändern, wenn wir alle den „Herrenpelz“ ablegen und in die „Dienstkluft“ schlüpfen. Überlegen wir: Wenn alle nur dienen wollen, gäbe es keine Diktatur, denn auch der Machtausübende würde sich als Diener aufführen. Der Geldmann würde trachten, dass keiner zu kurz kommt. Der Wissenschaftler würde nur Dinge erfinden und konstruieren, die friedlichen Zwecken dienen. Der Auftrag Christi: „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“ ist an uns als Dienstwillige gerichtet. Das unterstreicht der Apostel Paulus: „Dient einander in Liebe!“ Nur „dienstwillige Liebe“ kann den „gordischen Knoten“ der komplizierten Lebensverhältnisse ohne Gewalt lösen.

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