WORT ZUM SONNTAG: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Sonntag, 02. Februar 2014

Einmal war Jesus mit seinen Jüngern im Boot und die waren in Sorge, weil sie vergessen hatten, Brot mitzunehmen. „Und er gebot ihnen und sprach: Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig des Herodes.“ (Markus 8,15). Vor ihrer Abfahrt hatten sie Streit gehabt mit einigen Pharisäern, die gekommen waren, um Jesus zu versuchen und ein Zeichen vom Himmel von ihm zu fordern. So werden die Jünger gedacht haben, er setze sich in Gedanken noch immer mit seinen Gegnern auseinander, und sie besprachen weiterhin ihren Mangel an Brot. Doch Jesus tadelt sie wegen ihrer kleinlichen Sorgen, weist hin auf die Speisung der Fünftausend und der Viertausend (Markus 8,16-21) und gibt damit zu verstehen, dass er notfalls Ähnliches auch im Jüngerkreis tun könne. Wichtiger ist ihm die Sorge und Vorsicht bei der geistlichen Speise, die jeder Mensch auch braucht, um menschlich leben zu können.

Diese Begebenheit befindet sich nicht unter den Bibelstellen, die in unseren öffentlichen Gottesdiensten verlesen werden und bei der privaten Bibellese sind wir geneigt, rasch darüber hinwegzugehen, denn die Pharisäer und Herodes betrachten wir als zeitgenössische Gestalten Jesu mit ihren aus christlicher Sicht überwiegend negativen Eigenarten, die es heute, Gott sei Dank, nicht mehr gibt. Aber Jesus redet nicht von Personen, sondern von ihrem Sauerteig, das heißt von ihrer Lehre, ihrer Ausstrahlung auf andere. Wie Sauerteig sehr vereinnahmend ist und das Mehl sich ihm nicht mehr entziehen kann, sobald es einmal damit in Berührung gekommen ist, so sind auch die Haltungen der Pharisäer und des Herodes sehr überzeugend, und wer sich ihnen einmal zugeneigt hat, kommt, wenn überhaupt, nur schwer wieder davon los. Was charakterisiert die Pharisäer? Was Herodes? Welches ist ihre Botschaft, ihr Sauerteig?

Von den Pharisäern lesen wir in der Schrift, dass sie streng gottgläubig waren, große Eiferer für Gottes Gesetz und die Gebote, untadelig im äußeren Lebenswandel und strenge Richter derer, die gesündigt hatten. In ihrer Gläubigkeit an die Ordnungen waren sie blind und taub für das Wirken Gottes und verkannten sogar den heiß ersehnten Messias. Ein Bündnis mit den politischen Machthabern zur Sicherung ihrer in die Einzelheiten gehenden Ordnungen war ihnen lieber als das Einhalten der höheren Gebote Gottes: Den Zehnten gaben sie von Minze, Dill und Kümmel, aber Recht, Barmherzigkeit und den Glauben ließen sie beiseite, Mücken siebten sie aus, aber Kamele verschluckten sie, das Äußere ihrer Gefäße reinigten sie, aber innen waren sie voll Raub und Gier. Getünchte Gräber nennt Jesus sie (Matthäus 23), die von außen hübsch aussehen, innen aber sind sie voller Unrat. Von den Leuten geachtet und als Garanten der Zuwendung Gottes geehrt, zögerten sie nicht, als sie ihr System bedroht sahen, im Verein mit den Gottlosen Gott selbst an das Kreuz zu schlagen. Ihr Sauerteig ist die Heuchelei, die Unaufrichtigkeit: Eines sagen, etwas anderes tun,  Wasser predigen, Wein trinken und wenn die Argumente ausgehen, den Gerechten tot oder wenigstens mundtot machen.

Vom Typ Herodes begegnen wir im Evangelium drei Personen: da ist Herodes I., der nach der Geburt Jesu die Knaben von Bethlehem töten ließ, dann Herodes Antipas, sein Sohn, der Johannes den Täufer enthaupten ließ, und Herodes Agrippa, ein Enkel von Herodes I., der den Apostel Jakobus hinrichten ließ. Was allen dreien gemeinsam ist, der Sauerteig, den finden wir bei Herodes Antipas programmatisch dargestellt: Er hatte seine Frau verstoßen und lebte mit der Frau seines Bruders zusammen. Johannes der Täufer nannte das Unrecht, worauf Herodes ihn ins Gefängnis werfen ließ (Mk. 6,14-29). Ab und zu holte er ihn zu sich, denn den ihm ausgelieferten Propheten hörte er gern. An seinem Geburtstag machte er ein Festmahl für die Vornehmen und Großen des Reiches und die Tochter seiner derzeitigen Frau ergötzte die Gesellschaft mit schönem Tanz. Weil das Mädchen dem Herodes so gefallen hatte, musste Johannes der Täufer sein Leben lassen. Der Sauerteig des Herodes ist also: Am Morgen mit Andacht Gottes Wort hören, tagsüber die beruflichen Geschäfte erledigen und am Abend mit Vergnügen den aufreizenden Tänzen einer Salome zusehen. Und wenn es darauf ankommt, entscheidet man sich für das Vergnügen.

Pharisäer und Herodes sind längst Vergangenheit, aber ihr Sauerteig ist weiterhin aktiv in der Welt. Er ist verführerisch und besitzergreifend und am Ende tödlich. Hier auf Erden sind die Opfer regelmäßig die Vertreter der Wahrheit, im Himmel aber wird es umgekehrt sein. Darum befiehlt Jesus seinen Jüngern und uns, diese beiden Lebensweisen vorsichtig zu meiden.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*