WORT ZUM SONNTAG: Der Mensch sei nicht dreist im Umgang mit Gott

Sonntag, 20. August 2017

Die Bibel in der Muttersprache ist eine der großen Errungenschaften der Reformation, denn der direkte Zugang zum Wort Gottes hat die Erfassung seines Willens und sein Umsetzen in die Tat für jeden Christen um vieles erleichtert. Wenn schon Paulus schrieb, dass niemand sagen könne, er habe das Evangelium nicht gehört, weil doch das Wort ausgegangen sei in alle Lande bis an die Enden der Welt, so ist das umso mehr in nachreformatorischer Zeit der Fall. Jeder kann lesen, jeder könnte folgen; aber was geschieht? Statt immer eindeutiger werden Leben und Lehre der Christen immer verworrener und widersprüchlicher. Warum das? Es ist so, wie wenn ein edler Mensch mit einem charakterlosen zu vertraulich umgeht: da wird der Letzte frech und anmaßend. Die leichte Zugänglichkeit des Wortes Gottes lässt die gemeinen Menschen glauben, Gott sei wie sie, und da wollen sie auch schon alles besser wissen als er. Gott hat das kommen sehen, darum heißt es in Psalm 12,9: „Es wird allenthalben voller Gottloser, wo solche losen Leute unter den Menschen herrschen.” (Luther unrevid.) oder, wie dieselbe Stelle in einer katholischen Übersetzung lautet: „Ringsum schreiten einher die Frevler, und frech erhebt die Gemeinheit ihr Haupt.”

In solch umstürzlerischen Zeiten leben wir heute und da ist es nötig, dass wir Christen uns auf die anfänglichen Ordnungen besinnen und darauf beharren, wohl wissend, dass wir dadurch in Feindschaft geraten zu denen, die die Welt lieben, einschließlich der eigenen Hausgenossen. Jesus ist dazu gekommen, die Menschen zu den Anfängen, zu den Prinzipien zurückzuführen, denn nur was von Anfang an war, wird auch bis zum Ende sein, nur das hat die Verheißung des Lebens, nur das ist Evangelium. Deshalb korrigiert unser Heiland das Gesetz des Mose mit Formulierungen wie: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: … Ich aber sage euch: ...“ oder: „Mose hat euch erlaubt; von Anfang an aber ist´s nicht so gewesen.“ Der hl. Apostel Johannes hat das im Eingang seines ersten Briefes so zusammengefasst: „Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unseren Augen, was wir betrachtet haben und unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens, … das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“ Das heißt: Wahres Heil und Gemeinschaft mit Gott und den Mitmenschen gibt es nur auf der Grundlage dessen, was von Anfang an war, alles später Hinzugefügte ist trügerisch und führt die einen durch leidenschaftliche Handlungen, die anderen durch irrtümliche Behauptungen dem Verderben entgegen.

Jede Reformation in geistlichem Sinn bedeutet Erneuerung und jede Erneuerung beginnt mit dem Ruf: ‚Zurück zu den Quellen!‘ Denn an den Quellen, an den Ursprüngen ist die Schöpfung Gottes gut, das Schlechte wird ihr erst durch spätere Veränderungen zugefügt. Wir Menschen sind nämlich imstande, unser eigenes Planen und Tun zu verbessern, wenn wir das aber mit Gottes Werken versuchen, dann wird´s am Ende immer nur schlimmer. Das bestätigt sich in unseren Tagen auf vielerlei Weise durch die Versuche, dem Menschen andere Rechte und Würden zuzuschreiben als das Gott getan hat, die Eigenarten von Mann und Frau neu zu definieren, die Gerechtigkeit selber zu schaffen, statt sie von Gott zu erwarten, den Menschen die Furcht vor dem, der wirklich zu fürchten ist, auszureden und dort Furcht zu schüren, wo nichts zu fürchten ist. Der heutige Mensch fürchtet sich vor Überbevölkerung, vor einer nuklearen Katastrophe und vor dem Klimawandel und setzt seine Hoffnungen in erneuerbare Energien, in Demokratie und die edle Gesinnung aller. An Gott denken nur noch wenige.

Wenn der Apostel Paulus zu uns käme, würde sein Geist auch ergrimmen wie einst in Athen angesichts der vielen Götzen, vor denen die aufgeklärte Menschheit niederfällt und denen sie alles zu opfern bereit ist. Müssen wir da mitmachen? Nein. Wer nach dem Reich Gottes trachtet, sollte auf Distanz gehen zu denen, die den Himmel auf Erden errichten wollen, denn „die Heiden toben und die Völker murren vergeblich, die Könige der Erde lehnen sich auf wider den Herrn und seinen Gesalbten. Aber der im Himmel wohnt, lachet ihrer und der Herr spottet ihrer. Einst wird er mit ihnen reden in seinem Zorn und mit seinem Grimm wird er sie schrecken.“ (Psalm 2). Wir Christen wären bestimmt alle viel weniger verklemmt und verdreht, wenn wir uns an den kurzen Satz, den wir in jedem Gottesdienst bekennen, auch halten würden: „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

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