WORT ZUM SONNTAG: Der Rettungsweg heißt Heimkehr

Sonntag, 29. September 2013

Im Evangelium vom verlorenen Sohn veranschaulicht Christus, wo ein Mensch landet, wenn er sein Glück in der Gottesferne sucht. Der junge Mann im Gleichnis Christi hatte nur ein einziges Ziel: Das Leben in vollen Zügen zu genießen! Er besaß die finanziellen Mittel dazu und setzte sie sorglos ein. Aber wie wahr ist doch der Ausspruch des Dichters Schiller: „Des Lebens ungemischte Freude war keinem Sterblichen zuteil.“ Das Leben gießt in den süßen Freudenbecher die bittere Galle des Leides. Das musste auch der junge Lebemann am eigenen Leibe erfahren. Nun zeigte es sich: Das bisherige Leben aus Vergnügen und Genuss konnte ihm nicht die Kraft verleihen, Leid, Elend und Not zu überwinden. Es gab für ihn nur einen einzigen Rettungsweg: Die Heimkehr zum Vater! An ihm und an so vielen Lebemenschen bewahrheitet sich das Sprichwort: „Aus Schaden wird man klug!“

Gibt es für uns einen anderen Weg, wenn uns in der Gottesferne das Leid wie ein Straßenräuber überfällt? Der berühmte chinesische Philosoph Konfutse sagt dazu: „Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste Weg. Zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste Weg. Drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste Weg.“

Leider fehlt vielen von uns der nötige Lebensernst, durch Nachdenken den falschen Weg zu vermeiden. Noch viel weniger bringen die Kraft auf, die Klügsten der Menschen, nämlich die Heiligen, als Vorbild zu nehmen und ihnen nachzueifern. So müssen viele Menschen, wollen sie körperlich und seelisch nicht zugrunde gehen, den bitteren Weg des verlorenen Sohnes, den Weg der leidvollen Erfahrung gehen. Wohl ihnen, wenn sie den Weg zur Heimkehr in Gottes Vaterhaus finden.

Wie sieht in der modernen Zeit der verlorene Sohn aus, der sich auf den Weg der Heimkehr zum Vater macht? Der berühmte russische Dichter und Schriftsteller Lew Tolstoi (1828-1910) hatte schon in seiner Jugendzeit den Glauben an Gott aufgegeben und wurde ein begeisterter Anhänger des „Fortschrittglaubens“. Er hatte sich berufen gefühlt, die Menschen in diesem Sinne zu belehren. Ein glückliches Familienleben brachte ihn von seinen Fragen nach dem Sinn des Lebens ab. Auf der Höhe seines Mannesalters waren eigentlich alle Wünsche, die er an das Leben stellen konnte, in Erfüllung gegangen. Er war ein berühmter Schriftsteller, er war reich an materiellen Gütern, er war gesund und hatte eine zufriedene Familie. Aber dann ging in ihm „etwas Seltsames“ vor, wie er es bekennt: „Es überkamen mich Augenblicke des Zweifels, des förmlichen Stillstandes des Lebens; mir war, als wüsste ich nicht, wie ich leben sollte. Ich verlor das Gleichgewicht und verfiel in Schwermut. Diese Augenblicke des Stillstandes meines Lebens drückten sich immer in denselben Fragen aus: ´Wozu?´ und: ´Was dann?´“

Erst als er den Schritt der Um- und Heimkehr in Gottes Vaterhaus wagte, löste sich der Bann der Schwermut von seiner Seele. Ist Tolstoi eine seltene Ausnahme? Nein, auch vielen anderen Menschen ist es ähnlich ergangen. Nehmen wir uns die Worte des Erziehers Pestalozzi zu Herzen: „Wenn du Gott vergisst, vergisst du dich selber, denn die Liebe Gottes ist dein Leben, o Sterblicher! Sie ist das Band der Kräfte deines Kopfes und deines Herzens. Die Auflösung dieses heiligen Bandes bewirkt Zerrüttung. Zerrüttung gebiert die Sünde, die dich tötet. Darum hüte die Quelle deines Lebens und die Bande deiner edelsten Kräfte. Gehe zu Gott und liebe Ihn!“ Der Weisheit letzter Schluss lautet: Der einzige Rettungsweg ist die Heimkehr zum Vater! Dieser Weg ist unersetzbar.

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