WORT ZUM SONNTAG: Der springende Punkt

Sonntag, 28. Mai 2017

Es gibt Ereignisse im menschlichen Leben, die den Betreffenden aus der bisherigen irrenden Lebensbahn werfen und ihn auf eine neue, rettende Bahn stellen. Ein solches Ereignis wird zum „springenden Punkt“ seines Lebens. So erging es dem Apostel Paulus. Als Christenhasser ritt er nach Damaskus, um dort die Christengemeinde mit Gewalt und Terror zu zerstören. Da wurde er einer Erscheinung mit Christus gewürdigt. Dieses Erlebnis änderte seine bisherige Lebensbahn radikal. Aus dem glühenden Christenverfolger wurde ein vor Eifer brennender Christusverkünder.

Der große Kirchenlehrer Augustinus war mit den Banden der Sinnlichkeit gefesselt. Da hatte er ein entscheidendes Erlebnis. Er hörte eine Kinderstimme, die ihm zurief: „Nimm und lies!“ Er öffnete die Bibel aufs Geratewohl und las im Römerbrief (13,13): „Wie am Tag lasst uns ehrbar wandeln, nicht in Schmausereien und Trinkgelagen, nicht in Wollust und Ausschweifungen, nicht in Streitereien und Eifersüchten. Zieht vielmehr den Herrn Jesus Christus an!“ Dieser gnadenhafte Fingerzeig Christi wurde für sein weiteres Leben zum springenden Punkt. Aus dem Sinnenmensch wurde ein Geistesmann. Auch für uns heutige Christen hat Christus eine Botschaft, die für uns zum springenden Punkt werden kann. Er hat diese Botschaft in ein Gebet zu Gott gekleidet: „Vater, du hast deinem Sohn Macht über alles Fleisch gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gebe. Das aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus!“ Christus kann aber nur dann zum springenden Punkt für uns werden, wenn wir ihm volles Vertrauen schenken. Das ist die notwendige Vorbedingung.

Zwei Besucher standen einmal in einer Gemäldegalerie vor einem Bild, das die Heilung des blinden Bettlers darstellte, über die im Lukasevangelium berichtet wird. Der eine Besucher fragte seinen Freund: „Was ist wohl das Schönste in dem Bild?“ Der Gefragte nannte verschiedene Einzelheiten, die der andere verneinte. Schließlich gab er selbst die Antwort: „Das Schönste ist der weggeworfene Stock des Blinden. Er warf ihn weg, als er die Stimme Jesu hörte, der ihn zu sich rief. Er warf den Stock schon weg, bevor er sehen konnte“. So handelt gläubiges Vertrauen. Dieses Vertrauen haben auch wir notwendig, soll Christus für unser Leben zum heilbringenden, springenden Punkt werden. Leider bringen viele Christen das nötige Vertrauen nicht auf. Was ist die Ursache? Sie sind nicht bereit, ihre natürlichen Stützen fallen zu lassen.
Ein Atheist fiel von einer Klippe. Beim Hinunterstürzen packte er den Ast eines kleinen Baumes. Nun hing er über dem Abgrund zwischen Himmel und Erde. Wer konnte ihm helfen? In seiner Not rief er zu Gott um Hilfe. Er gelobte, er werde nach seiner Rettung den Namen Gottes bis an die Enden der Erde verkünden. „Gut“, hörte er eine Stimme. „Ich werde dich retten. Lass den Ast los!“ „Den Ast loslassen?“, schrie der Verzweifelte. „Hältst du mich für verrückt?“

Wenn wir uns mit allen Fasern des Herzens am Ast unseres vergänglichen Lebensbaumes festhalten, kann Christus uns nicht retten. Er rettet nur jene, die gerettet werden wollen. Dieses Wollen, vom großen Vertrauen auf Christus gestützt, kann für uns zum lebensändernden springenden Punkt werden. Gott gibt uns die nötige Kraft dazu, aber nur nach dem Maße unseres Vertrauens. Es ist wie mit dem Brunnen, aus dem wir Wasser schöpfen. Man kann es mit dem Fingerhut, mit dem Wasserglas oder auch mit dem Eimer tun. Begnügen wir uns nicht mit einem Fingerhutvertrauen. Schaffen wir uns einen Vertrauenseimer. Gestärkt mit dem Kraftwasser des Vertrauens, verwandelt sich in uns der springende Punkt zum „Rettungspunkt“. Wer diesen Punkt bereits in sich fühlt, kann getrost dem Dichter Kerner zustimmen: „Weiß nicht, woher ich bin gekommen; weiß nicht, wohin ich werd´ genommen; doch weiß ich fest, dass ob mir ist eine Liebe, die mich nicht vergisst!“

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