WORT ZUM SONNTAG: Der starke Arm Gottes

Samstag, 17. Januar 2015

Wach auf, wach auf, zieh Macht an, du Arm des Herrn! Wach auf, wie vor alters zu Anbeginn der Welt (...) So werden die Erlösten des Herrn heimkehren und nach Zion kommen mit Jauchzen, ewige Freude wird auf ihrem Haupte sein, Trauer und Seufzen wird von ihnen fliehen.  
    (Jesaja 51,9.11)

Mehrere Initiativen gibt es, um an die 70 Jahre zurückliegende Deportation der Deutschen aus Rumänien in die ehemalige Sowjetunion zu erinnern. Bischof Guib hat für unsere Kirchen ein Kanzelwort zusammengestellt, welches am vergangenen Sonntag an die Evakuierung der Siebenbürger Sachsen in und um Sächsisch-Regen und Bistritz sowie an die Deportation erinnerte. Dies ist der Anfang der vielen Trennungen gewesen, wo Familien, Nachbarschaften und Dorfgemeinschaften auseinandergerissen wurden. Die gesamte Geschichte der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben hat dadurch eine große Wende genommen und Familienzusammenführung geschah in der Folge oft nicht durch Rückkehr der Verschleppten, sondern durch weitere Auswanderungen nach Deutschland und Österreich. Leid gehört mit zur Geschichte jedes Volkes, auch das Leid vor 25 Jahren, wo innerhalb von drei Jahren ganze Dorfgemeinschaften auswanderten und leere Kirchenburgen zurückließen.

Wie viele Führer des Volkes haben da nicht gebetet: Wach auf, wach auf, Arm des Herrn. Wie passend sind die Worte des Propheten Jesaja, der nicht nur davon redete, dass Gott uns sein Antlitz zuwenden soll, sondern konkret sprach er von dem starken Arm Gottes, der sich wie zu alten Zeiten zeigen sollte, als er das Meer vor den Israeliten teilte, als er die Feinde aus Israel vertrieb, als er die Hand der Könige stärkte, sodass das Schicksal des Volkes sich schlagartig wendete. Diese Worte sind ein Zeugnis des Vertrauens auf Gott, dem Lenker unserer Geschicke. Der Prophet Jesaja spricht aber auch das aus, was das Volk später erlebt hat: Für die Israeliten hat sich ein Weg eröffnet, die Nachkommen der exilierten Juden sind heimgekehrt und haben das Land wieder besiedelt, bebaut, begrünt, Städte und den Tempel aufgebaut. Der starke Arm Gottes ist also wieder sichtbar geworden und hat in der Geschichte gewirkt. Die ersten, die heimgekehrt sind, haben sicherlich nicht so viel gejauchzt und gejubelt, sondern sind bald in der vielen Arbeit untergegangen. Doch rückblickend haben so viele von der großen Gnade Gottes gesprochen, dass eine finstere Periode der Geschichte zu Ende ging.

So ging es ja auch den Deportierten, die wieder hierher in das „Land des Segens“ zurückkamen. Sie waren erschöpft von den Jahren der Entbehrung, aber gleichzeitig froh, überlebt zu haben, wenn auch gezeichnet an Seele und Leib. Was sie hier erwartete, war auch nicht ein Meer von Ährenwogen, keine vollen Speicher waren da, sondern Enteignung, Landverlust und viel Leid sollte noch folgen. Und doch – ist es nicht die starke Hand Gottes, die sie auch in der Zeit bewahrt hat, aufgehoben hat und einen Neuanfang ermöglicht hat? Gott bereitet manchmal solche Momente in der Geschichte vor und Gräben werden überwunden. Manche Kirche ist inzwischen eingefallen und verwahrlost, für andere hat sich eine neue Tür aufgetan. Trennungen von Familien und Gemeinschaften sind Grund für viele Verletzungen, die da entstanden sind, doch gibt es auch Tendenzen der Annäherung und der Versöhnung, sodass Trennungen überwunden werden. Auch heute gibt es genug Menschen, die fangen große Kriege an und schüren das Feuer des Verderbens, wie die Terrorakte der letzten Tage zeigen. Solche Ereignisse sind in anderen Ländern sehr häufig, doch die Medien haben diese Woche erstaunlich viel darüber berichtet. Die Regierungen sehen nun darin eine Motivation, überall aufzurüsten und die Verteidigung aufzubauen. Umso mehr müssen wir uns als Christen sammeln und dafür beten: Wach auf, Arm des Herrn, wehre denen, die uns ins Unglück stürzen wollen. Denn wir sollen nicht vergessen, was vor 70 Jahren geschehen ist, und die letzten Zeugen, die können uns noch davon erzählen. Für diese wollen wir dankbar sein und dafür beten, dass sich diese Ereignisse nicht wiederholen.

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