WORT ZUM SONNTAG: Der wichtigste aller Berufe

Sonntag, 21. Januar 2018

Der berühmte spanische Dramatiker Calderon (1600-1681) schrieb das monumentale Werk „Kein anderes Glück als Gott“. Darin widerlegt er die Auffassung, dass Fortuna die Welt regiert. Entscheidend sei es für jeden Menschen, ob er sein Leben auf die Treue zu Gott aufbaut, unabhängig davon, welchen Beruf er im Leben ausübt. In der Eingangsszene seines Werkes steht ein Baum mit ausladenden Ästen. Daran hängen: ein Lorbeerkranz, ein Zepter, ein Spiegel, ein Buch, ein Schwert, eine Hacke, ein Stab und ein Kreuz. Unter den einzelnen Symbolen schlafen Gestalten, denen sie zugedacht sind: Kunst, Macht, Schönheit, Wissen, Kriegsdienst, Ackerbau, Armut, Priestertum. Die Gerechtigkeit schüttelt die Zweige. Im Herabfallen wecken die Symbole die Schlafenden. Die Gerechtigkeit ruft ihnen zu: „Erwacht zum Leben! Ein jeder empfange seinen Stand, den Gott ihm auf Erden beschieden!“

Im Johannesevangelium wird berichtet, dass Jesus einige Männer zu seinen engen Nachfolgern berufen hat. Sie wurden seine Apostel. Der Ruf Christi: „Folgt mir nach!“ gilt aber für alle Christen, auch für die, die er nicht zum Apostelamt berufen hat. Darum erläutert der Apostel Paulus (1. Kor. 12,29): „Sind alle Apostel? Sind alle Propheten oder Lehrer? Jeder bleibe vor Gott in dem Stand, in den er berufen wurde!“

Menschen, die das begreifen, können in ihrem Beruf Großes leisten. Prinz Eugen, „der edle Ritter“ (1663-1736) sollte Priester werden. Er aber spürte in sich den Beruf zum Soldaten. Der „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. wies ihn wegen seiner unansehnlichen Gestalt ab. So ging er nach Wien. Kaiser Leopold nahm ihn auf. Eugen konnte nun seine Fähigkeiten entwickeln. Er stieg von Rang zu Rang empor bis zum kaiserlichen Generalfeldmarschall und wurde der erfolgreichste Feldherr seines Jahrhunderts. Ihm verdanken wir auch die Befreiung unserer Heimat, des Banats, vom Türkenjoch.

Der Präsident von Ecuador Garcia Moreno (ermordet 1875) wollte in seiner Jugendzeit Priester werden. Im Alter von 19 Jahren entdeckte er seine Neigung für die Probleme des öffentlichen Lebens. Er entschloss sich für die Rechtswissenschaft und wurde ein gefeierter Schriftsteller, der mit seiner Feder den christlichen Glauben gegen die Freimaurer erfolgreich verteidigte. Er wurde sogar Präsident von Ecuador und ein großer Segen für dieses geplagte Land.

Michelangelo (1475-1564), der große Baumeister, Bildhauer und Maler, ging so sehr in seinem Beruf auf, dass er sogar auf die Ehe verzichtete. Als er einmal gefragt wurde, warum er nicht geheiratet habe, antwortete er: „Die Kunst ist eine Eifersüchtige, die keine Rivalin an ihrer Seite duldet!“

Gott gibt jedem Menschen die Fähigkeit, einen Beruf auszuüben. Nur sehr wenige Menschen ragen mit ihren Talenten, die sie in ihren Werken verwirklichen, über uns gewöhnliche Menschen hinaus. Deshalb sind wir noch lange keine Stiefkinder Gottes. Wir alle sind in sein Reich berufen und können mit dem Beruf, den wir in der Nachfolge Christi ausüben, das beglückende Ziel der ewigen Gemeinschaft mit Gott erreichen. Gott wird nicht danach fragen, was wir getan, sondern „wie“ wir es getan haben.

Uns, den gewöhnlichen Christen, hat Gott den wichtigsten aller Berufe anvertraut: Wir sollen Vater und Mutter werden! Der Elternberuf ist auf Erden der notwendigste. Mögen die Liebeslieder aus dem Munde des Sängerstars uns noch so sehr bewegen, aber das Wort „Ich liebe dich“ aus dem Munde des eigenen Kindes ist tausendmal beglückender. Mögen die Künstler so großartige Bilder wie die Mona Lisa malen oder Statuen meißeln wie die „Venus von Milo“, sie bleiben „tote Kunstwerke“ neben den Kindern, die sich an die Schürze der Mutter hängen. Diese Kinder sind „lebendige Kunstwerke!“ Sie sind sogar noch viel mehr, sie sind „Ebenbilder Gottes!“ Deshalb haben sie ewigen Wert und bewahren diesen Wert, wenn sie zu guten Menschen, zur Nachfolge Christi erzogen werden.

Eltern haben es deshalb nicht nötig, die Genies aller Kunstarten zu beneiden. Ihnen hat Gott den wichtigsten aller Berufe zugeteilt. Freuen wir uns dieses Berufes. Wir erfüllen ihn voll und ganz, wenn wir, Eltern und Kinder, den Ruf Christi willig annehmen: „Folgt mir nach!“

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