WORT ZUM SONNTAG: Die Brücke der Liebe

Sonntag, 06. September 2015

Der deutsche Schriftsteller Stefan Andres (1906-1970) schrieb ein Buch mit dem Titel: „Der Reporter Gottes“. Er lädt Leute aus dem Jahr 32 n. Chr. in seinen Funkraum ein. Sie sind Zeitgenossen Christi, haben ihn gesehen, gehört und gesprochen. Was sagen sie über ihn?
Da ist der blind gewesene Bettler Bartimäus. Ihm hat Jesus das kostbare Augenlicht geschenkt. Daher lautet sein Urteil: „Er hat mir die Augen geöffnet. Darum glaube ich fest an sein Wort: ‘Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wandelt nicht im Finstern!’“

Hier steht auch der Großgrundbesitzer Manasse. Er hat die Bergpredigt gehört: „Selig, ihr Armen! Weh euch, ihr Reichen! Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in das Reich Gottes!“ Der Mann ist empört: „Dieser Jesus lehnt die Reichen ab und sagt, wir hätten kein Herz. Er denkt nur an die Armen. Ich weiß nicht, wer er ist, weil er so parteiisch redet. Er hat mir die Ruhe des Herzens genommen. Ich will ihn nicht mehr hören.“ – Nun will der Reporter etwas Genaues von den Blutsverwandten Jesu hören, was sie über ihn denken. Sie antworteten: „Er ist aus der Art geschlagen, gibt sich mit Gesetzlosen und Dirnen ab und muss wohl von Sinnen sein“. Nun tritt der Hauptmann von Kapfarnaum auf. Jesus hat aus der Ferne seinen Knecht geheilt. Für ihn ist es eine unumstößliche Wahrheit: „Dieser Mann ist Gott! Was denn sonst?“ – Auch die von den Gesetzestreuen verachtete Ehebrecherin wird vom Reporter befragt. Freudig bekennt sie: „Er ist mein Lebensretter, meine Zuflucht, meine Burg!“ Ganz anderer Meinung ist der Geldwechsler, dem Jesus seinen Tisch umgestoßen und den er aus dem Tempel getrieben hat. Voller Rachsucht erklärt er: „Für diese seine Tat wird er eines Tages büßen müssen. Das werde ich noch erleben!“ – Ganz anders redet der Zöllner Lewi. Als er an seinem Zolltisch saß, kam dieser Jesus mit seinem zwingenden Blick und sagt: „Folge mir nach!“ Ich ließ alles stehen und liegen und folgte ihm nach. Man muss ihm nachfolgen, auch wenn es in den Tod geht!“

Der Hohepriester Kajafas kam zum gegensätzlichen Resultat. Er sagt im Hohen Rat: „Er verführt das Volk, deshalb muss er sterben. Es ist besser, dass einer stirbt, als dass das ganze Volk zugrunde geht!“ Der Ratsherr Nikodemus hatte sich bei einer nächtlichen Unterredung mit Jesus zur Überzeugung durchgerungen: „Dieser Mann ist von Gott gekommen, denn keiner lehrt und tut Wunder wie er!“
Der Schriftsteller gibt Antworten wieder, wie sie inhaltlich in der Bibel stehen. Seit jener Zeit sind fast 2000 Jahre vergangen. Was sagen heute die Menschen über Christus. Seit seiner Zeit hat sich unsere Lebensweise radikal verändert. Dennoch ist die fundamentale Lebenslage die gleiche geblieben wie zur Zeit Christi und wird die gleiche bleiben, solange Menschen auf dieser Erde leben: Sehnsucht nach Glück und Furcht vor dem Tod! Auch heute werden die Menschen geboren, heiraten, suchen ihre materielle Existenz zu festigen. Sie werden alt und haben Furcht vor dem Tod, den sie mit allen Mitteln hinauszuschieben versuchen.

Es stellt sich die fundamentale Frage: „Wer ist Jesus für dich?“ Manche meinen, er sei ein weiser Lehrer gewesen, wie etwa Sokrates, Plato, Buddah und so manche andere Weltweisen. Er wollte Gutes für die Mitmenschen, konnte sich aber nicht durchsetzen. Auf keinen Fall soll er als Gott verehrt werden. Aber durch alle Jahrhunderte bis auf den heutigen Tag bekennen gewaltige Menschenmassen: „Jesus ist Gott von Gott und mein Wegweiser. Er gibt meinem Leben Sinn, gibt Freude, Kraft und Hoffnung. Jesus ist die fleischgewordene Liebe Gottes zu uns Menschen!“
Jesus ist der „Gottmensch“. Er war mit Gott so verbunden, dass er Gott mit „Abba“ anrief. Kein Mensch wagte es zu seiner Zeit, ein solches Wort zu gebrauchen. Zu groß ist die Kluft zwischen Gott und Mensch. Er hat die Brücke über diese Kluft geschlagen, die Brücke der Liebe! Auch wir dürfen Gott „Vater“ nennen. Er verlässt uns nicht. Nur wir Menschen handeln wie der verlorene Sohn und entlaufen Ihm. Er ist zu jeder Zeit bereit, uns wieder aufzunehmen. Der Bürge dafür ist der „Gottmensch“.

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