WORT ZUM SONNTAG: Die geistige Macht

Samstag, 27. Juni 2015

Eine amerikanische Zeitung schrieb einen Wettbewerb aus mit dem Thema: „Was ist das Geld?“ Zahlreiche Antworten liefen ein. Den ersten Preis erhielt folgende Antwort: „Das Geld ist ein Zaubermittel, durch das wir uns alles in der Welt verschaffen können, das Glück ausgenommen, und wodurch wir alle Türen öffnen können, außer der Himmelstür!“ Diese Antwort ist richtig. Mit Geld kann man sich alles verschaffen: Genüsse, Ansehen, Macht, Ehrentitel, Glücksgüter, Freunde, kurz: alles, nur nicht das Herzensglück. Mit Geld kann man viele Türen öffnen, Kerker und Ministertüren, nur eine nicht: die Himmelstür! Das Geld ist wirklich ein Zaubermittel. Es verzaubert Menschen, verwandelt Menschenherzen in Steine, macht aus Ehrlichen Betrüger, aus Sparsamen Geizhälse, verwandelt Frauen in Dirnen, Geschwister bei der Erbteilung in erbitterte Feinde. Geld ist eine Weltmacht. Nur so konnte das Wort entstehen: „Geld regiert die Welt!“ Ist das Geld die einzige Macht auf Erden? Nein, es gibt noch eine andere Macht, die uns das verschaffen kann, was das Geld nicht vermag. Sie kann uns das Herzensglück verschaffen, die Himmeltür öffnen. Es ist eine geistige Macht. Sie heißt: „Gnade Gottes!“ Diese Gnadenmacht schenkt dem Menschen eine geistige Kraft, wo die Macht des Geldes total versagt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte zu Dublin der junge Arbeiter Matt Talbot. Mit 14 Jahren ging er schon zur Arbeit. Früh verfiel er der Trinksucht. Mit 24 Jahren hatte er schon alle Merkmale des typischen Alkoholikers. Die Mutter machte ihm Vorwürfe, er versprach Besserung. Sobald er aber Geld in der Tasche hatte, zog es ihn zur Flasche. Eines Tages geschah etwas Unerwartetes. Der typische Alkoholiker warf das Glas zum Fenster hinaus und schwor, keinen Tropfen Alkohol mehr zu trinken. Das Unbegreifliche daran war, dass in ihm eine radikale Änderung vor sich ging. Er legte in die Hände eines Priesters das Gelöbnis ab, keinen Alkohol mehr zu trinken. Von nun an ging sein Weg von der Arbeit nicht mehr ins Wirtshaus, sondern in die Kirche. Statt die Abende im Kreise von Zechkumpanen zu verbringen, saß er am Bett von Kranken. Sein Arbeitslohn wanderte nicht mehr in die Wirtshäuser, sondern ins Priesterseminar für Chinamissionäre. Noch 41 Jahre hindurch lebte er ein Leben der Arbeit, des Gebetes und des Liebesdienstes. Im Jahre 1925 brach der 71-Jährige tot auf der Straße zusammen. Der Papst hat ihn seliggesprochen.
Wir fragen uns: Woher erhielt dieser schier rettungslose Alkoholiker die Kraft, sein Leben so radikal zu ändern? Geld bringt das nicht fertig. Hier hat eine übernatürliche Kraft eingegriffen, die stärker ist als Menschenkraft. Die Gnade Gottes hat hier eingegriffen und das bewirkt, was wir auf natürliche Weise nicht erklären können. Es ist eine Kraft vom Himmel, denn von diesem Augenblick an hat dieser junge Mann sich radikal der Religion zugewandt.

Wen diese geistige Macht der Gnade erleuchtet, erkennt die Wahrheiten unseres christlichen Glaubens so klar, dass alles andere davor verblasst. Die Gnade Gottes erleuchtet nicht nur den Verstand, sie gibt auch unserem Willen die Kraft, dass wir mit einer gewissen Leichtigkeit die Hindernisse überwinden, die uns vorher als unüberwindlich erschienen.
Machen wir uns die Einstellung des berühmtesten Bildhauers der Welt, Michelangelos (1475-1564), zu eigen. Er hatte seine weltberühmte Statue des Moses vollendet. Die Einwohner Roms verglichen nun diese Statue mit dem Manne, der ihm dabei Modell gestanden hatte. Sie alle sagten: „Er ist derselbe und doch ein ganz anderer. Was hat der Künstler aus ihm gemacht!“ Als Michelangelo das hörte, betete er: „O Gott, Du bist ein noch viel größerer Künstler; denn meine Kunst ist ja ein Geschenk von Dir. Mache aus mir leidenschaftlichem, fehlerhaftem Menschen einen anderen Menschen, dass die Leute auch von mir sagen: Er ist derselbe und doch ein anderer. Was hat Gott aus diesem Menschen gemacht!“
Wenn dieses Wort zur Grundhaltung unseres Lebens wird, dann wird Gott mit seiner Gnade aus uns ein Kunstwerk schaffen, das ewig bleibt. Gott wird uns das geben, was das Geld nicht geben kann, das Herzensglück aus gutem Gewissen und innerem Frieden. Die Gnade wird uns die Türe öffnen, die kein Geld der Welt öffnen kann: die Himmelstür zum ewigen Leben!

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