WORT ZUM SONNTAG: Die heilige/unheilige Kirche

Sonntag, 29. Januar 2012

Diesmal soll der ADZ-Leser etwas über das Gleichnis Jesu „vom Unkraut unter dem Weizen“ erfahren. Weil darüber sehr selten gepredigt wird, dürfte es auch eifrigen Gottesdienstbesuchern kaum bekannt sein. So würde ich raten, die Bibel (wenn vorhanden) zur Hand zu nehmen, das  Lukasevangelium aufzuschlagen und dort im 13. Kap. die Verse 24-30 zu lesen.

Da ist von einem Grundherrn die Rede, der „guten Samen“ auf seinen Acker säte. In der Nacht aber kam sein Feind und säte Unkraut dazwischen. Als beides zu wachsen begann, wollten seine Knechte den „Lolch“ (das Unkraut) mit Stumpf und Stiel ausrotten. Doch ihr Herr lässt sie im Befehlston wissen: Das kommt nicht in Frage! Die seltsame Begründung dafür finden wir im Gleichnis. Jeder Zeitungsleser kann sich nun seine eigenen Gedanken darüber machen, noch bevor er hier weiter liest. Spontan denken wir etwa: Die Ernte wird vom Besitzer kompromittiert und Jesus versteht nichts von Landwirtschaft.

Welche Absicht verfolgt Jesus mit diesem Gleichnis? Er will uns sagen: Ich bin nicht zu den Menschen gekommen, um ihnen landwirtschaftliche Kurse zu halten. Das sollen andere tun. Meine Aufgabe ist es, euch zu lehren, wie es sich mit dem Himmelreich verhält. Ich tue das durch ein Gleichnis, einen Vergleich: Wer da guten Samen ausgestreut hat, das bin ich. Die Knechte sind eigentlich auch keine Landarbeiter, sondern Leute, die in meinem Dienst stehen: Bischöfe, Pfarrer, Religionslehrer, Missionare; aber auch Väter und Mütter, die ihren Kindern von mir erzählen. Kurz:  alle, die dafür Sorge tragen, dass mein Wort auf Erden gedeiht und Glauben schafft. Aus dem guten Samen Jesu ist dann die Kirche gewachsen.

Wieso aber ist in der Kirche so viel Unkraut, fragen wir lieber gleich, so viel Schlechtes  gewachsen? Da gab es einen Judas, in dessen Herzen eine schlechte Saat Früchte trug – er verriet seinen Herrn; ein anderer Jünger, Petrus, verleugnete ihn. Und im Lauf der Geschichte gab es sündige Spaltungen der Kirche: zuerst in eine morgenländisch-orthodoxe und in eine  abendländisch-katholische Kirche. Es folgten weitere Spaltungen in Katholiken und Protestanten und dann noch viele andere Ab-Spaltungen. Jesus aber hat die Einheit aller Christen gewollt!

Solcher Spaltungen wegen braucht es unbedingt die Ökumene! Doch wer sich darum bemüht, merkt, wie schwer sie zu erreichen ist. Und weiter: Auf das Konto der Kirche und ihrer Gläubigen gehen leider auch Inquisition, Hexenverbrennungen, „Glaubens“kriege, Unterdrückung, Ausbeutung. All das hat Jesus weder gewollt noch gepredigt, noch seiner Kirche vorgelebt.

Wenn Nazis Juden vergasten, wenn die Securitate Tausende hinter Gitter brachte, könnte man noch sagen: Das waren eben keine Christen. Wenn aber der Mann, der die Atombomben über Hiroshima und Nagasaki abwarf, vorher in einer christlichen Kirche gesegnet wurde, dann beginnt man zu ahnen: Das war der Feind unseres Herrn Christus! Und in den Herzen der Christen ist nicht nur die Saat aufgegangen, die Jesus ausgestreut hat, sondern auch die seines Feindes. So konnte etwa in der Nazizeit der Volksgruppenführer Andreas Schmidt auf einer riesigen Jugendversammlung in Heltau verkünden: Der Altar, vor dem wir knien, heißt Adolf Hitler!

Und bei uns selbst? Da gibt es wohl auch neben dem wahren Glauben den Aberglauben und Unglauben; neben dem Vertrauen den Zweifel; neben echter Frömmigkeit die Frömmelei; neben Heiligkeit die Scheinheiligkeit; neben dem Bekennermut den Verrat. Lehrt doch die Glaubenserfahrung: Wo Jesus seine Kirche hinbaut, da setzt der Teufel seine Kapelle daneben oder sogar in die Kirche und in die Herzen der Christen hinein.
Unser großer Trost aber ist und bleibt: Das letzte Wort über unser Leben spricht nicht ein törichter Knecht, auch nicht einer von uns, sondern er, unser Herr Jesus Christus wird befehlen, dass wir in seine Scheune gesammelt werden, weil unser Glaube die Frucht seines guten Samens ist. Amen

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