WORT ZUM SONNTAG: Die lebendige Hoffnung

Sonntag, 12. April 2015

Gelobt sei Gott, der Vater unsres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petrus 1, 3. Wochenspruch nach Sonntag Quasimodogeniti – von „quasi modo geniti infantes“ – „wie die neugeborenen Kindlein“)

Gerne erinnere ich mich an einen lieben Menschen in einer meiner Dorfgemeinden, über den ich nun erzählen will. Leider ist er letzten Sommer gestorben, aber viele seiner Worte und besonders seine Ausstrahlung bleiben in meiner lebendigen Erinnerung. Bei der großen Auswanderungswelle Anfang der 90-er Jahre ist er auch weggezogen. Damals schrumpfte seine Heimatgemeinde auf ca. 10 Prozent in sehr kurzer Zeit. Schweren Herzens verließ er auch sein Dorf, er wollte es ja gar nicht – wie so viele. Sein liebes Dorf verlassen?... Für immer in eine fremde Umgebung ziehen?... Er hatte doch nicht alle Hoffnung verloren! Wie hatte er sich doch immer vorgestellt, hier, in seinem geliebten Dorf zu leben, alt zu werden und hier zu sterben, nicht irgendwo in Deutschland oder sonst in einem anderen Land...

Nun ging es seit Anfang der Zeit in Deutschland seiner Frau recht schlecht. Ihr Zustand verschlechterte sich immer mehr. Irgendwann wurde ärztliche Hilfe gesucht. Ein Arzt meinte dieses. Ein anderer jenes. Doch keiner konnte das Leid der Frau richtig erkennen. Nach mehreren Jahren fanden sie schließlich einen klugen Arzt. Dieser konnte nach geduldiger Beobachtung und Gesprächen mit ihr und mit beiden erkennen, woran die Frau litt. So sagte er eines Tages dem Ehemann: „Lieber Herr! Wenn Sie das Leben Ihrer Frau retten wollen, dann kehren Sie in ihre Heimat zurück. Sie leidet an Sehnsucht“ … Dieses hat er sich nicht noch einmal sagen lassen, sondern sie haben sofort ihre Sachen gepackt und sind zurück in die Heimat gekehrt. Sicher fanden sie hier einerseits eine ganz andere Situation, als zu der Zeit, als sie weggezogen waren. Aber sie lebten. Und sie hatten sich beide und noch wichtiger – sie hatten immer Hoffnung.

Seitdem sind viele Jahre vergangen. Ich traf dieses graue Ehepaar fast in jedem Gottesdienst in diesem Dorf. Die Frau lebt auch heute noch. Sie strahlt eine beneidenswerte Freundlichkeit und Hoffnung, eine tiefe Zuversicht aus. Auch er fand zu seinen Lebzeiten immer ein tröstendes und ermutigendes Wort für andere und viel Geduld und Verständnis. Ich erinnere mich, wie seine Augen so weit wurden und strahlten, wenn ich oder jemand anders ihm selbst Mut machende Worte sagte. Ein breites Lächeln wurde dabei auch sichtbar. Ein Bild der Hoffnung!

Ich erinnere mich – an einem Quasimodogeniti-Sonntag war gerade 1. Mai und wir sprachen vor dem Gottesdienst, auf der Straße, mit allen Versammelten über dies und jenes und unter anderem auch über die Tradition des Majalis-Festes. Die meist älteren Menschen erzählten über die Adjuvanten, die früher schon um 5 Uhr vom Turm den Mai musikalisch begrüßt (eingeblasen) haben, danach mit Musik durchs Dorf zogen. Nach einer Weile, kurz vor dem Beginn des Gottesdienstes, als die Glocken riefen, hörte ich diesen Mann auf dem Weg in die Kirche sagen: „Man kann nie wissen – einmal kann es diese Tradition wieder geben. Man kann es nie wissen…“ Ich war sprachlos. Tief beeindruckt von der unerschütterlichen Hoffnung dieses Mannes feierte ich den Gottesdienst. Auch nach dem Gottesdienst blieb er weiterhin gerne im Gespräch und wir sprachen wieder vor der Kirchenburg über Möglichkeiten von heute, über Gedanken, Visionen.

Der damalige Sonntag hat mir sowohl durch die Begegnung mit diesem lieben Menschen und den Gedankenaustausch, als auch durch die Lesungen des Sonntags Quasimodogeniti, was ja „wie die neugeborenen Kindlein heißt“, noch einmal Mut und Hoffnung geschenkt. Denn solch eine große Zuversicht kann einen packen und dann ist es für einen Hoffenden möglich, was für einen Hoffnungslosen unmöglich erscheint. Der Apostel Petrus schreibt gerade von solch einer Zuversicht seiner Gemeinde in einer Zeit der Anfechtung, Verfolgung und Angst. Er beginnt mit einem Lob an Gott, danach spricht er die Botschaft aus, dass Gott von uns und für uns das Leben wünscht. Leben ohne Hoffnung ist ein totes Leben! Die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es doch auch im bekannten Sprichwort.

Die Auferstehung Christi von den Toten ist und bleibt für uns Christen die Kraftquelle, die uns immer wieder Freude und neue Hoffnung verleiht. Auch ist und bleibt die Auferstehung Christi immer der Beweis der großen Barmherzigkeit Gottes, der uns weder verloren wissen, noch im Tode lassen wollte, sondern uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung. Amen

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