WORT ZUM SONNTAG: Die Lebensaufgabe

Sonntag, 28. September 2014

Wir haben im Leben vielerlei Aufgaben zu bewältigen. Welche aber ist unsere wichtigste Lebensaufgabe? Je nach Beruf und Vorlieben fallen die Antworten sehr verschieden aus.
Wir fragen den Kaufmann nach seiner Lebensaufgabe. Er antwortet lapidar: „Ich will Geld verdienen!“ Er schließt Verträge ab, kauft und verkauft. Ist er mit allen Wassern gewaschen, rollt das Geld in seine Börse. So geht es viele Jahre hindurch. Doch eines Tages erscheint der Sensenmann und reißt ihm die Börse aus der Hand. Dann streiten sich die Verwandten um das Erbe. Hat er sich nicht geirrt, als er das Geldverdienen zu seiner Lebensaufgabe gemacht hatte?

Wir fragen den Werktätigen. Er sagt: „ Meine Aufgabe ist die Arbeit!“ Wir fragen weiter, wofür er arbeite. Die Antwort: „Um leben zu können!“ Klingt das nicht wie ein Teufelskreis? Er lebt, um zu arbeiten, und er arbeitet, um zu leben. Dann sind wir Menschen Stiefkinder Gottes. Die Tiere müssen nicht arbeiten. Kein Tier bedient Maschinen, kein Tier steht am glühend heißen Schmelzofen, kein Tier schuftet tausend Meter unter der Erde, um Bodenschätze zu heben. Kann also Arbeit die eigentliche Lebensaufgabe sein?
Fragen wir ein jungverheiratetes Ehepaar: „Was seht ihr als eure Lebensaufgabe an?“ Sie antworten: „Wir wollen in der Liebe glücklich sein!“ Wirklich, eine wunderschöne Aufgabe. Nur leider hat noch kein Forschungslabor den Nagel hervorgebracht, der die Flitterwochen für das ganze Leben festnageln kann. Wie oft stirbt die „unsterbliche Liebe“ einen allzu frühen Tod. In allen Unterhaltungsmagazinen werden uns Traumpaare vorgestellt, bei denen schon nach kurzer Zeit der Traum ein frühes Ende findet. Das „Glücklichsein der Liebe“ ist eine sehr schöne Lebensaufgabe, nur gibt es dafür keinen Garantieschein.

Wir fragen den Kulturschaffenden, was er als seine Lebensaufgabe betrachtet. Er antwortet: „Mit Kultur die Menschen veredeln!“ Eine großartige Aufgabe. Leider stellen wir fest: In der technischen Kultur haben wir riesige Fortschritte erzielt: vom Ochsenwagen zum Überschallflugzeug, von Pfeil und Bogen zu interkontinentalen Raketen und Atombomben. Konnte man früher nur wenige Menschen auf einmal töten, kann man jetzt in Sekundenschnelle Hunderttausende umbringen. Nur mit der geistigen Kultur, die den Menschen veredeln soll, sind wir arg im Rückstand geblieben. Unser Leben fließt rasch dahin, das Lebensende rückt immer näher. Und dann kommen wir zu der paradoxen Erkenntnis: „Wir leben, um zu sterben!“ Kann das der Weisheit letzter Schluss sein?
Christus gibt uns darauf seine Antwort mit dem Gleichnis vom Weinbergbesitzer und den Tagelöhnern. Der Besitzer schickt die Arbeiter in den Weinberg und einigt sich mit ihnen über den Lohn. Später schickt er noch einige Male andere Tagelöhner zur Arbeit, weitere eine Stunde vor Arbeitsschluss. Alle erhalten den gleichen Lohn. Was will uns Christus damit sagen? Wir alle stehen im Dienste des höchsten Herrn der Welt, im Dienste Gottes! Unsere eigentliche Lebensaufgabe heißt: Gott dienen! Wir dienen Ihm durch Glaube, Hoffnung und Liebe.

Nebenbei dürfen wir auch der Welt dienen. Wir können noch anderen Aufgaben nachgehen. Der Arbeiter darf Werte schaffen und der Kaufmann sie an Interessierte vermitteln. Der Kulturschaffende soll unverzagt Menschen für geistige Werte begeistern und der Forscher weiter Geheimnisse lüften, die Gott in die Natur gelegt hat. Die sich liebenden Eheleute können weiterhin Sorge tragen, dass die Menschheit nicht ausstirbt. Aber wir dürfen die Nebensache nicht zur Hauptsache machen. Sollten wir im Leben manches verkehrt gemacht haben, so bleibt uns immer noch Zeit, um Korrekturen vorzunehmen. Gott nimmt nicht nur junge Leute in seinen Dienst, er lädt auch die Alten dazu ein. Jede Arbeit verlangt ihren Lohn. Gott zahlt den höchsten Lohn. Gott ist Leben, Gott ist ewiges Leben! Ohne Gott gilt die Wahrheit: „Wir leben, um zu sterben!“ Mit Gott können wir mit froher Überzeugung jubeln: „Wir leben, um ewig zu leben!“

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