WORT ZUM SONNTAG: Die Leuchte von Madagaskar

Sonntag, 26. August 2012

Wir kennen das Lied: „Wir lagern vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord“. Während wir dieses Lied sangen, dachten wir an eine gottverlassene Insel, voller wilder Tiere und wilder Menschen. Unternehmungslustige Kaufleute und Forscher dachten anders und blieben nicht vor Madagaskar. Sie drangen in diese große Insel ein und suchten nach Naturschätzen. Um die „wilden“ Ureinwohner kümmerten sie sich nur insofern, als dass sie mit ihnen ein „modus vivendi“ abschlossen, um sich leichter die Landesschätze anzueignen. Zum Glück kamen auch Glaubensboten hin. Diese sahen aber die Einwohner als Gottesschätze an und brachten ihnen die Heilsbotschaft Christi. Diese Botschaft bewies abermals, welch heilbringende geistige Kraft in ihr steckt, sodass sie manche von den Einheimischen sogar zu heiligmäßigen Vorbildern für die ganze Christenheit umformen konnte. Ein leuchtendes Beispiel dafür ist die selige Victoria Rasaomanarivo.

Sie wurde im Jahre 1848 in Tananarive auf Madagaskar in eine sehr mächtige Familie des Stammes der Hovas hineingeboren. Ihre Mutter Rarnbohinoro war die Tochter des Ministerpräsidenten der Königin Ranavalona, der von 1837 bis 1852 die Geschicke des Landes lenkte. Der Bruder der Mutter war dreißig Jahre hindurch (1864-1895) der Ministerpräsident. Vom Vater Victorias ist nichts bekannt. Wahrscheinlich starb er in jungen Jahren, da der ältere Bruder des Vaters das Kind adoptierte. Er war der Militärkommandant. Bis zu ihrem 13. Lebensjahr gehörte das Mädchen einer einheimischen Naturreligion an. Das änderte sich, als französische Jesuiten auf der Insel erschienen und sich in Tananarive niederließen. In ihrem Gefolge waren auch Schwestern der Kongregation des hl. Joseph von Cluny. Die Schwestern eröffneten eine Schule, um die einheimischen jungen Mädchen zu unterrichten und zu erziehen. Der gute Religionsunterricht und das Vorbild des aufopfernden heiligmäßigen Lebens der Missionare und der Schwestern beeindruckten das Mädchen tief. Am 1. November 1863 empfing es das Sakrament der Taufe und den Namen „Victoria“.

Bald sollten schwere Zeiten kommen. König Radama II., der mit der französischen Kolonialmacht eng verbunden war, wurde abgesetzt. Engländer traten an die Stelle der Franzosen. Mit den übrigen Franzosen mussten auch die französischen Missionare das Land verlassen. Victorias Adoptivvater forderte sie auf, vom katholischen Glauben abzufallen. Wenn sie schon Christin bleiben wolle, solle sie Anglikanerin werden. Man setzte ihr sowohl mit Schmeicheleien als auch mit Drohungen zu. Victoria ließ sich aber nicht beirren und machte ihrem Namen alle Ehre. Sie blieb „Siegerin“. Am liebsten hätte sie sich ganz Gott im Ordensstand geweiht. Die Missionare rieten ihr davon ab. Das wäre zu dieser aufgeregten Zeit unklug. Sie solle lieber in der Welt bleiben bei ihren Angehörigen und am Hof für den katholischen Glauben wirken. Das tat sie auch mit vollem Einsatz.

Von ihrer Familie wurde sie veranlasst, die Ehe mit dem Sohn des Ministerpräsidenten, der den Rang einen hohen Offiziers hatte, einzugehen. Victoria ging darauf nur unter der Bedingung ein, dass die Trauung von einem katholischen Priester vorgenommen werde. Die Trauung fand am 13. Mai 1864 statt. Für sie wurde die Ehe bald zum Martyrium. Ihr Gatte war ein völlig unbeherrschter, haltloser Mensch, der nicht nur dem Alkohol, sondern noch anderen Leidenschaften frönte. Seine Lebensführung war so skandalös, dass sogar sein Vater und die Königin Victoria den Rat gaben, sich von diesem Mann zu trennen. Sie, als gläubige Katholikin, sah die vor Gott geschlossene Ehe als unauflöslich an. Auch wollte sie als Prinzessin ihren Glaubensbrüdern und Schwestern kein schlechtes Beispiel durch eine Ehescheidung geben. Sie blieb ihrem Gatten bis zu dessen Tod im Jahre 1887 treu. Durch ihr heroisches Beispiel erreichte sie, dass ihr Gatte sich vor seinem Tode taufen ließ.
Victoria erwarb sich durch ihr überzeugendes christliches Leben hohes Ansehen, nicht nur beim Hof, sondern auch beim einfachen Volk. Als 1883 wieder eine Katholikenverfolgung ausbrach und die Missionare abermals aus dem Lande gejagt wurden, da wurde Victoria zur Protektorin der Katholiken Madagaskars. Sie sorgte dafür, dass Kirchen und Schulen nicht geschlossen wurden. Sie stärkte die Gläubigen durch Wort und Tat. Als 1886 die Missionare auf die Insel zurückkehren konnten, fanden sie nicht eine zur Ruine gewordene Kirche, sondern eine gefestigte, blühende katholische Gemeinschaft vor. Zum Erfolg ihrer Aktionen für die Kirche auf Madagaskar trugen nicht nur die Führungsqualitäten und die hohe Stellung Victorias am Hofe bei, vielmehr ihre religiöse Tiefe, ihre Herzensbildung und Tapferkeit. Sie starb nach schwerer Krankheit am 21. August 1894 im Alter von 46 Jahren. Papst Johannes Paul II. sprach sie am 30. April 1989 in Antananarivo selig. Sie ist die religiöse Leuchte von Madagaskar.

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