WORT ZUM SONNTAG: Die Liebe Gottes muss uns Vorbild sein

Sonntag, 02. September 2012

Am 13. Sonntag nach Trinitatis wird uns die alttestamentliche Geschichte von Kain und Abel wieder in Erinnerung gebracht. Kain und Abel sind die beiden ersten Söhne von Adam und Eva. Es wird uns weiter berichtet, dass Abel Schäfer war und Kain Ackermann. Beide bringen Gott, dem Herrn, ein Opfer dar. Das Opfer von Kain aber wird von Gott nicht angenommen. Abels Opfer ist Gott wohlgefälliger und wird bevorzugt. Diese Sonderbehandlung Abels durch Gott reizt anscheinend Kain so sehr, dass die Bruderliebe in Eifersucht und Neid umschlägt. Kain tut etwas Schreckliches. Er lockt seinen Bruder Abel in einen Hinterhalt und ermordet ihn. Diese Tat bleibt vor Gott aber nicht verborgen und Kain wird für seine Sünde bestraft. Die Strafe des Herrn hätte sicherlich auch härter ausfallen können. Doch Gott zeigt Erbarmen. Kain muss sein Leben für seine Tat nicht lassen und auch kein anderer soll Hand an ihn legen. Gott, der Herr, hat Gnade vor Recht walten lassen.

Die Geschichte von Kain und Abel gehört in einen größeren Zusammenhang: zur Schöpfungsgeschichte. Die Schöpfungsgeschichte betrachte ich selbst als einen ätiologischen Mythos, also ein erklärender Mythos. Es ist durchaus menschlich, Erklärungen zu suchen, wie alles entstanden ist und wie das eine oder das andere in die Welt gekommen ist. Hinter dieser großartigen Schöpfung steckt eine Macht. Diese Macht ist für uns Gott, der Herr. Er ist der Ursprung des Ganzen. Mit den Menschen Adam und Eva kam dann aber die Sünde in die Welt. Und mit der Sünde entstand ein Bruch zwischen Gott und den Menschen. Mit Kain kam der Brudermord in die Welt. Wir merken, wie schnell Liebe zu Eifersucht oder Neid umschwenken kann. Bei Gott ist es aber nicht so. Seine Liebe wird nie eine andere Richtung als die der Gnade und Barmherzigkeit einschlagen. Und darum geht es auch an diesem dreizehnten Sonntag nach Trinitatis: die Liebe Gottes zu uns Menschen, aber auch unsere Liebe zu Gott und ihre Ausdruckformen.

 

Die Liebe zu Gott kann so wie jede menschliche Liebe zu Eifersucht führen, die selbst vor Verbrechen nicht zurückschreckt (siehe Kain), sie kann aber auch zur barmherzigen Tat veranlassen. Gott wünscht sich von uns, dass wir in unserem Nächsten unseren Bruder, unsere Schwester erkennen. Wir sind dazu berufen, diesem Nächsten auch eine geschwisterliche Liebe entgegenzubringen, die die Liebe Gottes als Vorbild hat. Dass das in dieser Form nicht immer möglich sein wird, ist uns bewusst. Mit Adam und Eva kam die Sünde in die Welt, mit Kain der Brudermord. Gott fragte den Abel: Wo ist dein Bruder? Die Antwort lautete: Soll ich meines Bruders Hüter sein? Kain hat nicht standgehalten. Wir können der Versuchung auch nicht immer standhalten. Aber Jesus hält stand. Er ist uns vorausgegangen und hat alles auf sich genommen. Nur deswegen können wir eines Tages auch vor Gott einen festen Stand haben. Bis dahin sind wir aber in unserer Geschwisterlichkeit gefordert. Und das möchte ich nicht nur auf Menschen und Mitmenschen beziehen, sonder auch auf die Kirchen selber. Auch wenn Kirche durch konfessionelle und kulturelle Unterschiede getrennt ist, sollten sich die Amtsträger untereinander respektieren und akzeptieren und mit gutem Beispiel voran gehen.

Die kleinste Zelle des Staates ist die Familie. Die kleinste Zelle der Kirche ist die Bruderschaft und die Schwesterschaft. Soll ich denn meines Bruders Hüter sein? Diese Frage muss jeder für sich selber beantworten. Aber wir dürfen dabei nie Gott aus den Augen verlieren, der seinen eigenen und einzigen Sohn uns zur Seite als Bruder und Hüter gestellt hat.

Kommentare zu diesem Artikel

Walther G., 02.09 2012, 17:54
En gát gelangän Prädijch. Et genächt net "fromm" ze sen! Glatt de Frommen fallen än de Versächung.

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