WORT ZUM SONNTAG: Die richtige Wahl

Sonntag, 12. Januar 2014

Wir haben die Schwelle des neuen Jahres überschritten. Es wird ein Jahr der Hoffnungen, Erwartungen und Sorgen sein. Was wird es uns bringen? Wir wissen es nicht, denn so manche Faktoren hängen nicht von uns ab. Von uns hängt es aber ab, womit wir das neue Jahr erfüllen wollen. Welche Pläne, welche Sorgen, welche Wünsche haben wir? Willst du einen Menschen kennenlernen, so erforsche seine Wünsche. Was wird im neuen Jahr unser Hauptwunsch, unsere Hauptsorge sein? Etwa die, welche der Mann Egon hatte, der nur seinen Körper besaß?

Der Körper verlangte: „Gib mir zu essen!“ Egon kannte nur seinen Körper und gab ihm zu essen. Der Körper verlangte: „Gib mir mehr und Besseres zu essen!“ Egon sagte: „Ich habe nicht genug Geld.“ „Dann verdiene es dir“, verlangte der Körper. Egon arbeitete fleißig für den Körper. Dieser verlangte: „Gib mir den besten Wein zu trinken.“ „Dazu habe ich kein Geld“, sagte Egon. „Dann schaffe es her, sonst lege ich mich nieder und stehe nicht mehr auf“, drohte der Körper. Egon sorgte für Wein. Der Körper fing wieder an: „Ziehe mich gesund an, für den Winter mit Pelzkleidung, für den Sommer mit luftigen Kleidern“. Egon kaufte einen Pelzmantel, Lederweste, Schuhe und Sommerkleider. Der Körper war nicht zufrieden: „Ich will mich vergnügen, führe mich ins Kino, auf den Sportplatz, ins Wirtshaus und sorge für tolle Erlebnisse.“ Egon rackerte sich ab, um alle Wünsche des Körpers zu erfüllen.

Eines Tages sagte Egon: „Ich habe dich gut gepflegt, aber deine Haare werden grau.“ „Dann färbe sie“, war die Antwort. Nach einiger Zeit sagte Egon: „Deine Zähne fallen aus.“ „Kauf mir andere,“ forderte der Körper. „Du kannst nicht mehr recht gehen“, stellte Egon fest „Ich habe Rheumatismus“, sagte der Körper, „hol mir den Arzt.“ Gereizt schrie Egon den Körper an: „Ich hab für nichts anderes mehr Zeit, als nur für dich!“ Der Körper erwiderte: „Ich bin ja auch das Wichtigste, was willst du ohne mich anfangen?“ Egon tat alles, was der Körper verlangte. Aber eines Tages legte sich der Körper nieder und war tot. Egon schrie verzweifelt: „Was fange ich ohne Körper an?“ Da hörte er eine Stimme: „Du bist im Jenseits, da brauchst du keinen Körper mehr! Hast du nicht daran gedacht, dass dein Körper sterben muss und du weiterleben wirst?“ „Nein“, sagte Egon. Da rief die Stimme: „Dann bist du für ewig verloren!“

Gibt es nur dieses eine Exemplar von Egon? Nein, es gibt ihn Millionen Mal. Alle, die nur für den Körper sorgen und nichts Besseres kennen, sind Egons Zwillingsgeschwister. Für sie alle gilt das Urteil des Apostels Paulus: „Ihr Gott ist ihr Bauch!“ Welche Torheit, einem solchen Gott zu dienen! Die Heiden hatten Götter aus Holz, Stein, Metall und Gold. Diese Götter überdauerten ihre Verehrer. Aber der Gott „Bauch“ wird eine Speise der Würmer. Dieser Gott überdauert nicht seine Verehrer.
Alle ernsten Denker vergleichen das Leben mit einer Reise. Wir sind gleichsam in einem rasenden Schnellzug. Die Landschaften ziehen an uns vorbei. Ist es der richtige Zug, den wir bestiegen haben? Manchmal fahren zwei Züge zur gleichen Zeit aus dem Bahnhof. Beide Schnellzüge rasen ihrem Ziel zu. Es ist, als gehöre man zusammen, als ginge es dem gleichen Ziel zu. Und doch: Es sind wildfremde Menschen, in verschiedenen Zügen, mit verschiedenen Zielen. Da, plötzlich eine Biegung, hier Steigung, dort Senkung. Der eine Zug fährt rasend in die Tiefe, der andere langsam bergan.

Es ist ein ernstes Bild: Wir alle sind in Schnellzügen des Lebens, oft nahe beieinander, scheinbar im gleichen Zug, zum gleichen Ziel. Wir sind oft zusammengespannt: Mann und Frau, Geschwister, Freunde, Arbeitskollegen, in der gleichen Stadt, im gleichen Wohnblock. Plötzlich eine Biegung. Der eine Zug fährt in die Tiefe, der andere bergauf. Wir werden dadurch voneinander getrennt. Gibt es ein Wiedersehen? Nur wenn wir im gleichen Zug mit dem gleichen Ziel sind. Überlegen wir uns gut, in welchem Zug wir im neuen Jahr fahren wollen. Bei dem einen heißt es: „Zu Gott“, bei dem anderen: „Von Gott weg“. Hoffentlich treffen wir die richtige Entscheidung.

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