WORT ZUM SONNTAG: Die Rose am Dornstrauch

Sonntag, 09. März 2014

In der Natur geschieht oft Sonderbares. Da steht ein Dornstrauch. Was kann er als Früchte hervorbringen? Eigentlich müssten es wieder nur neue Dornen sein. Und doch geschieht bei einem Dornstrauch etwas Wunderbares: ER bringt die Rose, die „Königin der Blumen“ hervor. Wie ist es nun bei uns Menschen? Die Gelehrten sagen, dass alle unsere künftigen Eigenschaften schon in unseren Genen gelagert sind. So sind wir von unseren Genen programmiert und werden nach unserer Geburt von ihnen gesteuert. Wir fragen uns: Sind wir als Personen nur Produkte unserer Gene? Dann müssten, laut Vererbung, aus frommen Eltern nur fromme Kinder und aus liederlichen Eltern nur liederliche Kinder hervorgehen. Im Leben ist es oft ganz anders, manchmal so ähnlich wie beim Dorngerank, das die duftende schöne Rose hervorbringt. Aus sündigen Eltern können heilige Kinder hervorgehen. Das ist schon oft geschehen. Die Gene mögen positive und negative Eigenschaften enthalten, aber was daraus wird, entscheidet letztlich ihr Besitzer kraft seines Willens und unterstützt von seiner geistigen Einstellung. Wo der Wille schwach und die geistige Einstellung negativ ist, kann der Mensch zum Spielball seiner negativen Gene werden. Wo aber die geistige Einstellung positiv ist und den Willen lenkt, bleibt der Mensch Herr über seine Gene. Ein überzeugendes Beispiel liefert uns die französische Prinzessin Luise, die Tochter König Ludwigs XV.

König Ludwig wurde 1710 in Versailles geboren und war bereits mit fünf Jahren König. Natürlich regierte nicht er, sondern sein Vormund und danach Kardinal Fleury. Bereits mit 15 Jahren wurde er mit der polnischen Prinzessin Leszczniska verheiratet. Er wuchs in dem leichtlebigen Milieu des Königshofes auf und wurde ein Opfer dieser Umgebung. Als er 1743 die Regierung übernahm, kümmerte er sich wenig um sein Land. Sein ganzes Interesse galt der Jagd und seinen Mätressen. Die Berühmteste war die berüchtigte Madame Pompadour.
Seine Tochter Luise wurde 1737 geboren. Mit elf Monaten wurde sie mit drei älteren Schwestern in die Benediktinerinnenabtei Fontevrault zur Erziehung gebracht. Der Vater amüsierte sich köstlich und hatte zwölf Jahre hindurch keine Zeit, seine Kinder zu sehen. Kaum vier Jahre alt, sagte Luise einmal zu ihrer Erzieherin: „Ich liebe Gott so sehr und schenke Ihm jeden Morgen mein Herz. Was wird Er mir dafür geben?“ Er gab ihr seelische Kraft, den Sumpf der Unsittlichkeit des Köngigshofes unbeschadet zu durchschreiten.

Mit 13 Jahren, nach der Vollendung ihrer Erziehung, kam sie an den Hof ihres Vaters nach Versailles. Luise sagte später darüber: „Ich musste ein Hofleben führen, gegen meine Neigung und zum Schaden meiner Gesundheit. Alles um mich herum hat mich eingeladen, auf dieser Erde mit ihrem fröhlichen und glücklichen Schein zu bleiben. Aber alles in mir rief laut, dass diese Erde nichts anderes ist, als ein Ort der Verbannung und der Pilgerschaft!“ Da blühte wahrhaftig eine Rose am Dornengerank von Versailles.
Natürlich war Luise noch lange keine Heilige. Heftigkeit, aufbrausendes Wesen und Adelsstolz machten ihr schwer zu schaffen. Einmal schimpfte sie eine Kammerzofe aus und rief: „Bin ich nicht die Tochter deines Königs?“ Doch die Zofe war nicht auf den Mund gefallen und antwortete schlagfertig: „Bin ich nicht die Tochter Ihres Gottes?“ Beschämt bat die Königstochter ihre Kammerfrau um Verzeihung. Luise sah natürlich, wie ihr Vater sich im Schlamme des Lasters wälzte. Der Gedanke, dass ihr Vater für ewig verloren gehen könnte, quälte sie entsetzlich. Da entschloss sie sich zu einem Leben der Sühne für ihn. Am leichtlebigen Königshof war das schwer möglich. Schließlich gewann sie ihren Vater für ihren weiteren Lebensplan.

Am 11. April 1770 fuhr sie, begleitet von einer Hofdame und einem Kavalier, zum Karmelitenkloster von Saint Denis. Nun erklärte sie ihren erstaunten Begleitern und auch den erstaunten Schwestern, dass sie nicht mehr an den Königshof zurückkehren werde. Den Schwestern sagte sie, sie sollten vergessen, was sie draußen in der Welt gewesen sei.
Dieser Schritt erregte natürlich großes Aufsehen. Den Aufgeklärten passte es nicht in ihre Lebensphilosophie und sie waren maßlos empört. Im Kloster war die Prinzessin, was die Pflichten betraf, keine Ausnahme. Mit Freuden verrichtete sie die niedrigsten Arbeiten. Sie wurde Novizenmeisterin und Priorin und nahm den Namen Theresia vom heiligen Augustinus an. Viel betete sie für die Bekehrung ihres Vaters. Ihr Gebet wurde erhört. König Ludwig bekehrte sich auf seinem Sterbebett. In einer öffentlichen Botschaft an sein Volk bereute er sein schlechtes Beispiel und versprach von nun an, nur für Gott und sein Volk leben zu wollen. Er starb am 10. Mai 1774. Der Hass der Königsgegner verschonte nicht einmal die Klosteraufschrift: „Heilige Reliquien“. Der Inhalt waren Haare mit einem weißen Pulver bestreut. Es war Gift. Luise hatte es eingeatmet und starb unter heftigen Schmerzen. Ihr letztes Wort war: „Ich hätte nie geglaubt, dass es so süß sei zu sterben!“

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