WORT ZUM SONNTAG: Die sieben Sünden der Moderne

Sonntag, 08. Oktober 2017

In einem Gleichnis Christi überantwortet ein Weinbergbesitzer sein Gut Pächtern. Vereinbart ist eine jährliche Abgabe, zu der sich die Pächter verpflichten. Da der Besitzer in einem fernen Land wohnt, betrachten sich die Pächter als Eigentümer des Weinbergs. Die Boten, die der Besitzer jährlich sendet, um seinen Teil einzufordern, werden verjagt, misshandelt, sogar getötet. Der Herr sendet nun seinen Sohn, aber auch den bringen sie um. In ihrer kurzsichtigen Habgier erkennen sie nicht, dass der Herr Macht hat, sie zur Rechenschaft zu ziehen.

Was kann dieses Gleichnis uns heutigen Menschen sagen? Etwas äußerst Wichtiges und Aktuelles. Gott stattete uns Menschen mit Vernunft und freiem Willen aus. Wir sollen diese Erde, die seine Schöpfung ist und in die er uns gestellt hat, als seine Pächter gut verwalten. Unsere Abgabe besteht in Dank, Ehre, Lob, Preis und Treue. Leider unterlassen viele Pächter diese Pflicht und gebärden sich als Eigentümer dieses Planeten. Sie leugnen, dass Gott der Herr und Schöpfer dieser Erde ist. Als Rechtfertigung stellen sie eine eigene Ideologie auf: Der Ursprung der Welt ist nicht dem Willen Gottes zu verdanken, sondern einer Explosionskatastrophe. Da ist es nicht zu verwundern, wenn wir von einer Katastrophe in die andere schlittern. Wir betrachten uns als Eigentümer, nicht als Pächter dieser Erde. Darum fühlen wir uns einer höheren Macht nicht verpflichtet. In maßgeblichen öffentlichen Erklärungen, wo es um die Verwaltung der Erde geht, wird Gott überhaupt nicht mehr erwähnt.
Da wir meinen, es gebe über uns keine höhere Macht, begehen wir die sieben Sünden der Moderne. Diese Sünden hat uns Ghandi beim Namen genannt: 1. Politik ohne Prinzip; 2. Vermögen ohne Arbeit; 3. Vergnügen ohne Gewissen; 4. Gewissen ohne Charakter; 5. Handel ohne Moral; 6. Wissenschaft ohne Humanität; 7. Religion ohne Opfer.

In der Politik gibt es so viele Gegensätze, dass in der UNO nur sehr selten Einigkeit erzielt wird. Gerade was die Zukunft unseres Planeten betrifft, die Verschmutzung der Luft zu verhindern, kommen wir auf keinen „grünen Zweig“. Wie recht hat der Quäkerführer William Penn (1644-1718): „Wie könnten die Menschen den Mut finden, die Schöpfung zu missbrauchen, wenn sie sehen könnten, wie ihnen der große Schöpfer aus jedem ihrer Teile entgegenblickt.“ Wir sind leider so kurzsichtig geworden, dass unser geistiges Auge diesen Schöpfer der Welt nicht mehr wahrnimmt. Viele, die an den Hebeln der Macht und der Wirtschaft sitzen, verschaffen sich Reichtümer ohne ehrliche Arbeit. Wir haben Pest und Cholera besiegt, aber die Korruption bekommen wir nicht in den Griff. Viele sehen das Leben nicht als eine Pflichtaufgabe an, sondern als eine Lustreise. Da sind Gewissen und Charakter nur unnötige Hindernisse. Die Vergnügungsorte sind überfüllt, in den Kirchen gähnt oft Leere.

Man betrachtet die Moral im Handel und Wirtschaftsleben oft als Hemmschuh zum Erfolg. Was bietet uns die hochgelobte Wissenschaft an? Sie erfindet nicht nur Dinge, die unser Leben erleichtern, sondern auch Waffen, welche die ganze Menschheit bedrohen. Langstreckenraketen mit atomaren Sprengköpfen sind eine ständige Bedrohung für die ganze Menschheit. Das ist die Frucht einer Wissenschaft ohne Humanität. Was uns Menschen hilft, das Böse in uns auszumerzen, die Religion, ist bei vielen Menschen schales Gerede geworden. Der christliche Glaube, dessen Symbol das Kreuz ist, ist keine Wohlfühlreligion, aber, intensiv gelebt, gibt der Glaube uns die geistige Kraft, die sieben Sünden der Moderne zu überwinden. Tun wir das nicht, was wird das Ende sein? Wird Gott uns wieder mit einer Sintflut oder einem Feuerregen bestrafen? Nein, denn wir werden uns selbst vernichten. Der Apostel Paulus wirft uns ein Rettungsseil zu (Röm12, 21): „Überwinde das Böse durch das Gute!“

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