WORT ZUM SONNTAG: Die Wahrheit des Glaubens

Sonntag, 07. April 2013

Als aber Jesus auferstanden war früh am ersten Tag der Woche, erschien er zuerst Maria von Magdala, von der er sieben böse Geister ausgetrieben hatte. Und sie ging hin und verkündete es denen, die mit ihm gewesen waren und Leid trugen und weinten. Und als diese hörten, dass er lebe und sei ihr erschienen, glaubten sie es nicht. Danach offenbarte er sich in anderer Gestalt zweien von ihnen unterwegs, als sie über Land gingen. Und die gingen auch hin und verkündeten es den andern. Aber auch denen glaubten sie nicht. Zuletzt, als die elf zu Tisch saßen, offenbarte er sich ihnen und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härte, dass sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten als Auferstandenen
 (Mk 16,9-14).

Als ich diese Zeilen las, habe ich mich an einen sehr interessanten Krimi von Agatha Christie aus der Poirot-Serie erinnert. Eine junge Frau hatte eine Mordtat mitbekommen, weil sie in der Nähe des Hauses, in dem sich das Ereignis abspielte, auf einem See ruderte und zum Fenster hineinsehen konnte. Sie meldete sich daraufhin bei der Polizei mit dem, was sie gesehen hatte. Da sie allerdings eine unsichere und schwierige Person war, glaubte ihr niemand. Es wurde ihr gesagt, dass sie am frühen Morgen von der Sonne geblendet wurde, dass alles nur Einbildung sei, dass auch sonst Halluzinationen bei ihr keine Seltenheit seien. Als sie schon selbst nicht mehr an sich glaubte, wurde der Fall offenbar: Das, was sie gesehen und der Polizei gemeldet hatte, war keine Halluzination, sondern pure Realität.

Maria Magdalena behauptete am Ostersonntag vor den ihr Nahestehenden, am frühen Morgen Jesus gesehen zu haben. Wohl hatte die Frühlingssonne im südlich gelegenen Jerusalem frühmorgens sehr hell geschienen. Sollte es wieder eine Halluzination gewesen sein? Jesus selbst hatte sie ja von solchen Erscheinungen geheilt. Sollte sie nach seinem Tod vor lauter Trauer wieder rückfällig geworden sein? Niemand glaubte ihr. Nach und nach erschien Jesus aber auch den anderen Jüngern. Früher oder später meinten sie alle, dass Maria Magdalena recht hatte, gingen hin und verkündigten es aller Welt. Heute noch wird zu Ostern das verkündigt, was kaum zu glauben ist, was sich von außen betrachtet eher als Halluzination anhört, die Menschheit aber bewegt: Jesus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.

Die Antwort des Glaubens auf Lebensfragen ist für Außenstehende oft unverständlich und kann sogar befremdend wirken. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht wahr ist. Durch die Betroffenheit im Glauben können Dinge erkannt werden, die für andere nicht sichtbar sind, aber eine Realität beschreiben, die das Leben weiter bringt. Diese Erkenntnis feiern wir zu Ostern und erinnern daran am Sonntag danach, dem Sonntag Quasimodogeniti – das ist auf Deutsch: wie die neugeborenen Kinder. Das, was Kinder als Wahrheit erkennen, unterscheidet sich oftmals von dem, was Erwachsene als Realität ansehen. Für den Kinderglauben ist das jedoch nicht mindere Wahrheit. Und Jesus selbst mahnt seine Jünger, die Kinder an ihn heranzulassen, denn ihnen gehört das Reich Gottes.

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