WORT ZUM SONNTAG: Die Wetterfahne

Sonntag, 20. Mai 2012

Der Ahnherr eines italienischen Adelsgeschlechtes hatte dem König Enzio von Sardinien (gestorben 1272) wertvolle Dienste geleistet. Der König bekundete seinen Dank, seine Zuneigung und Liebe mit dem Wort: „Bentivoglio“, das heißt: „Ich will dir wohl!“ Dieses Wort des Königs erschien diesem Adeligen und seinen Nachkommen so wertvoll, dass sie dieses Königswort in ihr Wappen aufnahmen, ja, sie nahmen dieses Wort sogar als Familiennamen an und nannten sich fortan „Bentivoglio!“

„Ich will dir wohl!“ Dieses Wort hat Gott zu dir und mir gesprochen, als wir im Mutterleib empfangen wurden und Er diesem Gebilde die unsterbliche Seele einhauchte. Es blieb nicht bloß bei diesem Wort. Denn das Wohlwollen Gottes und seine Liebe sind kein schnell verfliegendes Menschenwort, sondern wurde zur größten Tat der Liebe.

„Ich will dir wohl“ sprach Gott zu uns, als wir überhaupt noch nichts für Ihn tun konnten. Deshalb ließ Er diese Botschaft an uns schon durch den Propheten Jeremias verkünden: „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt und erbarmend an Mich gezogen!“ Es blieb nicht beim bloßen Wort. Der römische Feldherr Manlius Capitolinus  (284 v. Chr.) hatte viele Siege errungen und Rom mit der Hauptburg, dem Capitol, vor den Galliern gerettet. Weil er sich für das niedere Volk, die Plebejer, einsetzte, verlor er die Gunst der Patrizier. Neider erhoben die falsche Anklage des Verrats gegen ihn.

Nun stand er vor dem römischen Gerichtshof. Die Anklage des Verrats schmerzte den Mann mit hohen Verdiensten in tiefster Seele. Wie verteidigte er sich? Während der Verhandlung öffnete er die Kleidung, die seinen Oberkörper verhüllte, zeigte auf all die Narben und Wunden, die er in Schlachten für sein Vaterland empfangen hatte. Mit lauter Stimme rief er: „Haec loquuntur pro me!“ Diese Wunden sprechen für mich, was ich für das Vaterland und die Bürgerschaft Roms getan habe! Eine überzeugendere Verteidigung konnte es nicht geben. Sofort wurde die Anklage abgewiesen und Manlius wieder in alle seine Rechte und Würden eingesetzt.

Zweifeln wir daran, dass Gott uns wohl will und uns mit ewiger Liebe liebt? Wir haben doch den überzeugendsten Beweis! Schauen wir auf das Kreuz. Der Sohn des allmächtigen Gottes kam auf unsere Erde herab und verkündete die Botschaft: „Gott ist die Liebe!“ Es blieb nicht bei seinem Wort. Um uns mit Gott zu versöhnen und einen neuen Bund zu schließen, nahm er unsere Schuld auf sich.

Er ließ sich gefangennehmen, geißeln, mit Dornen krönen und ans Kreuz schlagen. Seine Wunden an Händen und Füßen, an seiner Seite und all die Blutstriemen der Geißelung bezeugen uns, dass Er die Wahrheit gesprochen hat. Seine Wunden sprechen für Ihn! Er nahm dieses gewaltige Opfer nicht darum auf sich, um uns für treue Dienste zu belohnen. Er tat es für uns, als wir noch Sünder waren und somit in der Feindschaft mit Gott lebten. Wenn also das italienische Adelsgeschlecht sich in Zukunft stolz nach dem Anerkennungswort des Königs Enzio „Bentivoglio“ nannte, um wie viel mehr Stolz müssen wir uns nach unserem König Christus „Christen“ nennen!

Wie wollen wir unsere Gegenliebe Gott und Christus gegenüber bezeugen? Ein im christlichen Glauben überzeugter Gutsbesitzer ließ eine neue Wetterfahne auf seine Scheune montieren, in die gut leserlich die Worte eingestickt waren: „Gott ist die Liebe!“ Ein Freund las diese Inschrift und fragte mit spöttelndem Tone, was dieses Wort auf der Wetterfahne bedeuten solle. Es sei wohl so gemeint, dass Gottes Liebe ebenso unbeständig sei wie der Wind, der da droben wehe und die Wetterfahne drehe, wie er will. „Nein“, antwortete der Gutsbesitzer, „das habe ich damit nicht ausdrücken wollen, sondern genau das Gegenteil. Mag der Wind wehen, woher er will, auf jeden Fall und zu jeder Zeit ist Gott die Liebe!“.

In unserem täglichen Leben wollen wir auf unserer geistigen Wetterfahne mit kleinen uns angemessenen Opfern bezeugen: „Gott ist die Liebe!“ Und auch: „Ich liebe Gott!“

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