WORT ZUM SONNTAG: Ein Kind Gottes sein

Sonntag, 14. Januar 2018

„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“ (Römer 8, 14)
 

Wir haben seit bald zwei Wochen ein neues Jahr begonnen. Die Zeit verrinnt, wie es in einem beliebten Lied heißt, das unsere Chöre immer wieder gerne singen: „Hilflos seh ich, wie die Zeit verrinnt. / Stunden, Tage, Jahre gehen hin, und ich frag, wo sie geblieben sind.“ Im Refrain bekennt jedoch der Betende: „Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.“

Wir leben in unseren Kirchengemeinden zum einen so wie auch die Welt selbst und die Gesellschaft um uns: schnelllebig, hektisch, oft etwas zu modern, oft genug auch zu materialistisch... Zum anderen gibt es aber immer noch Menschen, die nicht nur aus sich selbst leben und schaffen, sondern täglich aus der Kraft leben und schöpfen, die aus der Höhe kommt. Diese Menschen setzen ihr Vertrauen in eine höhere Macht, als in die eigene. Wir alle leisten während unserer Lebenszeit das uns Mögliche. Es ist jedoch ein köstlich´ Ding, auf Gottes große Barmherzigkeit zu hoffen und auch zu vertrauen. Mit anderen Worten bedeutet es, im Lebensalltag nicht hochmütig zu werden, wenn uns etwas gelingt. Zugleich, dass wir auch nicht verzweifeln müssen, wenn uns etwas nicht gelingt.

Darin liegt das Geheimnis und auch die Stärke des Glaubens!

In der Epiphaniaszeit teilt uns der Apostel Paulus durch Worte, die an die Gemeinde in Rom gerichtet waren, mit, dass die, welche der Geist Gottes treibt, Gottes Kinder sind. Wir sollten diese Worte nicht nur mit menschlichen Augen und nach menschlichem Maß, so wie eine Gleichung, betrachten! Und zwar so, dass allein die Menschen Kinder Gottes sind und sein können, die vom Geist Gottes getrieben sind. Denn es gibt so viele Kinder Gottes in unserer Welt, die nicht oder nicht immer vom Geist Gottes getrieben werden. Es gibt die Kinder Gottes, die manchmal von Zuhause, vom Vater weglaufen, das Leben in die eigenen Hände nehmen wollen. Sie sind und bleiben jedoch weiter Gottes Kinder. Der liebende Vater wartet auf sie, wartet, dass sie umkehren und freut sich sehr, wenn das auch geschieht. Solange unsere Eltern am Leben und noch auf den Füßen sind und wir ein gutes Verhältnis mit ihnen pflegen, warten diese immer wieder auf uns, auf unsere Besuche, vermissen die Stimmen ihrer Enkelkindern, selbst wenn das ganze Haus nach einer Stunde schon umgedreht wird. In der Gegenwart der Eltern oder Großeltern werden wir wieder spürbar zu Kindern – wir lassen uns gerne von ihnen verwöhnen und hin und wieder auch belehren, selbst wenn wir schon Eltern sind…

Es ist immer wohltuend, beim Vater oder bei der Mutter zu sein. „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, wie Dietrich Bonhoeffer geschrieben hat. Wenn ich dieses Bild vom väterlichen oder mütterlichen Gott für mich gewinne, dann spüre ich, dass da viel mehr ist, als nur Lohn und Gewinn. Der Apostel schreibt nicht „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Freunde“. Oder „Gottes Mitarbeiter“. Der Apostel benutzt bewusst den Begriff „Kinder“ – denn wir dürfen uns als Kinder auf die unvorstellbar große Liebe des himmlischen Vaters verlassen – und auf seine Vergebung! Wir sind und bleiben seine Kinder – mit allen Rechten und allem, was uns geschenkt wird, oft genug ohne Zutun und ohne Verdienst!

Wenn da die Rede vom Treiben des Geistes Gottes ist, stelle ich mir nicht einen Stoß von hinten oder eine Peitsche vor, die mich weiter und weiter treiben will. Ich erkenne darin einerseits die Führung Gottes. Andererseits das starke Verlangen des Geführten und Beschützten, bei dem zu sein und zu bleiben, von dem die Lebenskraft kommt. Kind Gottes zu sein bedeutet nichts anderes, als auf die Liebe Gottes zu antworten. Die Jahreslosung für 2018 erinnert uns auch daran, dass Gott unseren Durst nach lebendigem Wasser stillen kann – ganz umsonst, ganz ohne unseren Verdienst. Nehmen wir das zu Herzen! Gott schenkt uns – seinen Kindern – aus seiner großen Liebe genau das, was wir täglich brauchen: Fürsorge, Liebe und ein festes Herz in Ihm!

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