WORT ZUM SONNTAG: Ein Licht im Advent

Sonntag, 11. Dezember 2016

Wie erleben wir diese Zeit des Advents? Still und ruhig oder eher hektisch und laut? Diese Frage erübrigt sich, wenn wir die überfüllten Supermärkte sehen, die vollen Parkplätze oder die eilenden Menschen, die sich auf das Weihnachtsfest vorbereiten. Denn es scheint, als ob diese Fastenzeit alles andere als still und ruhig und besinnlich ist. Aber sollten wir nicht gerade das suchen? Sollten wir nicht gerade das Wesentlichste, was diese Zeit eigentlich bedeutet, ausfindig machen?
Eines der bekanntesten Adventslieder, das wir in dieser Zeit singen, ist: „Es kommt ein Schiff geladen“. Was aber hören wir in diesem Lied? Wir hören von einem Schiff, das leise und still kommt, denn es trägt eine kostbare Fracht. Das erinnert uns an die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium. Geborgen und geschützt im Mutterleib, so kommt der Heiland Jesus Christus zu uns. Es gibt keinen Lärm, kein Geschrei und keinen lauten Jubel. Behutsam geht Maria ihren Weg zusammen mit Josef auf der Suche nach einer Herberge, denn sie weiß, dass sie das Heil der Welt in sich trägt.
Doch dieses Kind wird in unruhige Zeiten geboren, die Welt ist in Aufruhr. Ein Erlass des Kaisers hat alle Menschen in Bewegung gesetzt. Steuerschätzung bedeutet neue Lasten, meint Unterdrückung, heißt für viele Menschen in Palästina ein noch schwereres Leben. Doch Maria und Joseph nehmen das in Kauf und machen sich auf den Weg von Nazareth nach Bethlehem.

Was aber bedeutet die Geburt dieses Kindes in unseren Zeiten? Ist es nicht wie damals? Muss dieses Kind nicht auch heute an sozialer Ungerechtigkeit, Globalisierung, am Kampf der Mächtigen um Ressourcen und Geld, an Hass, Krieg und Zerstörung leiden?
Und doch kommt es leise zu uns, jedes Jahr aufs Neue, weil es unsere Welt ändern möchte. Leise kommt das Schiff mit seiner teuren Fracht. Das erinnert uns auch an die Episode Jesu mit seinen Jüngern, die im Boot auf dem See Genezareth sitzen. Leise ging das Boot über das Wasser, als plötzlich ein Sturm aufzog und drohte, es sinken zu lassen. Die Jünger gerieten in Panik. Aber Jesus blieb ruhig und schlief. Wie kann man bei diesem Sturm schlafen, fragt man sich? Die Jünger begriffen es nicht. Und auch Jesus verstand es seinerseits nicht. „Habt ihr denn keinen Glauben?“, fragt er. Schließlich flaute der Sturm ab und das Wasser beruhigte sich. Die Jünger kamen zur Ruhe und konnten nur staunen.
So war es auch damals, als Jesus zur Welt kam. Inmitten einer unruhigen Zeit wurde er geboren. Der Frieden, den der Kaiser in Rom ausrief, war nicht im ganzen Land zu spüren. Doch die Geburt Jesu Christi an Weihnachten sollte den langersehnten Frieden der Welt bringen, vielleicht nicht den Äußeren Frieden, aber dafür den Inneren. Sie sollte die Traurigen trösten, die Schwachen stärken, die Mutlosen aufrichten und die Gefangenen frei machen. Sein Friede ist Wirklichkeit geworden, für die, die ihn und seine Botschaft angenommen haben. Und je mehr Menschen diesen inneren Frieden, den das kleine Jesuskind in unsere Welt bringen möchte, in sich aufnehmen, desto sichtbarer wird auch der äußere Frieden, den wir uns so sehr für diese gespaltene Welt wünschen.

Noch sind wir auf dem Weg in Richtung Weihnachten durch das Dunkel dieser Zeit. Doch ein Licht möchte uns genau wie den drei Weisen den Weg zur Krippe weisen, wo das „Licht der Welt“ sich befindet. Und dieses Licht möchte weitergegeben werden. Wo sich Menschen heute von diesem Licht erleuchten lassen, wo sie die Freude spüren, die von diesem Kind ausgeht, und wo sie sich von dem Heiligen Geist bewegen lassen, da werden sie diese Welt auch äußerlich verändern, da werden an vielen Orten Lichter brennen.
Die Kerzen an unserem Adventskranz möchten uns genau daran erinnern. Sie sind der Hinweis, dass Gottes Licht für uns leuchtet, dass diese kleinen Flammen Hoffnung, Wärme und Orientierung auch unserem Leben geben können.


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