WORT ZUM SONNTAG: Eine Heimat jenseits jener auf Erden

Sonntag, 08. Mai 2016

Ostern ist bei uns Evangelischen eigentlich vorbei – und doch nicht ganz. “Am 1. Mai feierten unsere orthodoxen Schwestern und Brüder die Auferstehung. Und dann hieß es wieder: „Hristos a înviat“ oder „Xpuctoc bockpec“ (auf Russisch). Übrigens heißt der Sonntag auf Russisch: Woskressenia. Das heißt „Auferstehung“. So ist also jeder Sonntag ein Auferstehungstag.“Auch die Sonntage nach Ostern hängen alle mit der Osterbotschaft zusammen, Quasimodogeniti (Wie die Neugeborenen), Misericordias Domini (Barmherzigkeit des Herrn). Die Evangelisten, der Apostel Paulus und die vielen Osterzeugen sprechen von dieser sensationellen, kaum zu fassenden Nachricht der Auferstehung. Paulus erinnert uns in 1 Korinther 15:“„Wenn verkündigt wird, dass der Messias von den Toten auferstanden ist, wie ist es dann möglich, dass einige von euch sagen: Es gibt keine Auferstehung der Toten? Gibt es keine Auferstehung der Toten, dann ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, dann ist unsere Verkündigung sinnlos und euer Vertrauen grundlos. Jetzt aber ist der Messias von den Toten auferstanden – und wir werden ihm folgen.“ 

“Die Auferstehung Christi und unsere Auferstehung sind untrennbar miteinander verbunden. Das ist eine Botschaft, die wir jedes Mal, wenn ein lieber Mensch stirbt und wir ihn ins Grab legen, bedenken sollten. Christi Auferstehung und unsere Auferstehung sind untrennbar miteinander verbunden. Das eine gibt es nicht ohne das andere. Wenn es kein Leben nach dem Tod gibt, dann sind wir in unserem Leben allein gelassen. Wie kann ich mein Leben sinnvoll in den Griff bekommen, wie kann ich älter werden und dabei glauben, was vor mir liegt, ist eigentlich nur noch der Verfall? “Im Altenheim in Kronstadt höre ich oft sagen: „Ich kann immer weniger tun, ich sehe schlechter, ich höre schlechter. Irgendwann werde ich für die Menschen, mit denen ich zusammen lebe, nur noch eine Belastung sein. Und das ist gar nicht mehr so lange, bis es soweit sein wird. Das ist eine hoffnungslose Situation. Woher bekomme ich die Kraft, trotzdem weiterzumachen, wenn ich keine Zukunft habe?“ Ja, das sind Fragen, die besonders alte Menschen beschäftigen. Aber nicht nur alte!“Nun aber haben wir einen Gott, der uns nicht belügt. Er lässt uns nicht allein. Wenn wir mit einem Leben nach dem Tod rechnen, haben wir es leichter, auch mit Zusammenbrüchen umzugehen.  Wenn uns Tränen den Blick verschleiern und wir vor Trauer nicht mehr wissen, wie wir den Tag durchstehen sollen. Wenn wir Angst haben vor dem, was andere von uns denken, von uns sagen oder von uns fordern. Wenn wir das Gefühl haben, von der Welt und von Gott verlassen zu sein und wir niemand sehen, der nach uns fragt. Aber auch, wenn es uns gut geht, und wir uns unseres Lebens freuen und stolz sind auf das, was wir erreichen, wenn wir glücklich einen Menschen in die Arme schließen, der uns alles bedeutet. Wie wollen wir unser Leben leben ohne dieses göttliche Versprechen?

Nehmen wir doch an, was Gott uns anvertraut hat. Und dann machen wir etwas aus dem, was wir können und was uns geschenkt ist: aus unseren Gaben, aus unseren Talenten, aus unseren Möglichkeiten. Nehmen wir unseren Lebensweg aus Gottes Hand, mit allem, was er für uns bereithält. Er wird bei uns sein! Wir sind hineingestellt in eine Welt, eine Familie, eine Gemeinde und Gesellschaft, die uns braucht, in der wir eine Aufgabe haben von Jugend an bis ins Alter. Bei allem brauchen wir einen Halt. Unsere Seelen sind für die Ewigkeit gemacht. Wir brauchen einen tieferen Sinn. Es reicht einfach nicht, etwas Spaß zu haben, früh aufzustehen, zu arbeiten, das  Familienleben zu pflegen und es uns gut gehen zu lassen. Wir sind noch zu etwas Besserem von Gott gewollt. Was wir brauchen, ist der Trost des Glaubens an das Licht der Auferstehung. Es ist verbunden mit viel Hoffnung, viel Liebe, die ja auf Ewigkeit angelegt ist. Wir glauben, dass wir eine Heimat haben bei einem liebenden Gott, die jenseits unserer Heimat hier auf der Erde liegt. Denn nur das gibt uns Würde und unserem Leben überhaupt einen Sinn!

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 09.05 2016, 00:26
der einzige Grund, warum die Orthodoxie ein anderes Osterdatum hat, ist ein Rechenfehler im julianischen Kalender, der bekanntlich auf Julius Cäsar zurückgeht. Das war der römische Staatskalender und Cäsar ist auch schon lange gestorben gewesen, bevor der Jesus von Nazareth überhaupt geboren wurde. Das hat also gar nichts mit dem Christentum zu tun, sondern ist simple Himmelsmathematik. Im Julianischen Kalender fehlt ein Schalttag alle hundert Jahre, weshalb sich nach über Tausend Jahren ein merkbarer Fehler eingeschlichen hatte, der durch die vatikanischen Chefastronomen in Rom bemerkt wurde und schließlich mit der Kalenderreform Papst Gregors korrigiert wurde. Übrigens haben auch die Protestanten diese Reform lange nicht mitgemacht. Nicht weil sie sachliche Zweifel gehabt hätten, sondern weil sie aus Prinzip alles katholische ablehnten, sogar wenn es etwas Richtiges war.

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*