WORT ZUM SONNTAG: Einigkeit macht stark

Sonntag, 10. September 2017

Die Heimat des gefeierten Freiheitshelden Wilhelm Tell wird von der Sage nach dem Ort Bürglen verlegt. Dort befindet sich seit 1532 die sogenannte „Tellskapelle“. In dieser schmucken Kapelle zeigt eine über dem Altar angebrachte Uhr unentwegt auf eins. Ein Spruch darunter erklärt dies: „Die Freiheit wird sein von langer Dauer, wenn allezeit ´eins´ zeigt die Uhr.“ Es ist eine alte Erfahrung: „Einigkeit macht stark!“ Diktatoren und Usurpatoren suchten seit jeher, zwischen ihren Gegnern Uneinigkeit zu säen. Einzeln waren sie leichter zu überwinden, als wenn sie geeint sich zur Wehr setzten.
Nur Einigkeit macht stark. Zwietracht schwächt und zersetzt. Manchmal müssen nicht nur einzelne Menschen, sondern sogar ganze Völker einen schweren, unnützen Leidensweg gehen, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Zwischen England und Holland kam es nach leidvollen Feldzügen zu einem Friedensschluss.

Zum Gedenken daran wurde eine Münze geprägt. Auf der einen Seite sah man zwei irdene Töpfe, die auf dem Meer gegeneinander treiben, mit der Umschrift: „Collidentes frangimur - Gegeneinander gibt’s nur Scherben!“ Auf der anderen Seite sah man ein Joch Ochsen mit der Umschrift: „Juncti valemus - Miteinander sind wir stark!“ Kann man den Ruf zur Einigkeit noch überzeugender ausdrücken als auf der Uhr in der Tellskapelle und auf der Gedenkmünze des englisch-holländischen Friedensschlusses?

Diese Einigkeit ist uns im politisch-täglichen Leben notwendig, sollen Friede und Wohlstand Bestand haben. Noch notwendiger ist sie uns im religiösen Leben, damit wir die uns von Christus ererbte Heilsbotschaft nicht entwerten. So verstehen wir die innige Bitte Jesu an Gott beim letzten Abendmahl: „Bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir!“ Weiter betet Christus: „Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast!“ Nur in der Gemeinschaft der Kirche sind wir sicher, den Schatz der Offenbarung zu bewahren und ihn zu behüten. Als Außenseiter und Eigenbrötler gelingt das nicht. Eine Legende will uns das lehren.

Ein Mann kam zu Jesus und beklagte sich: „Meister, wir alle wissen, dass du von Gott kommst und die Wege der Wahrheit lehrst. Aber was deine Jünger angeht, dein Gefolge oder deine Gemeinde, also dein Bodenpersonal, damit bin ich nicht zufrieden. Erst kürzlich hatte ich eine heftige Auseinandersetzung mit einem deiner Getreuen. Und jeder weiß doch, dass deine Jünger untereinander auch nicht immer einig sind. So möchte ich dich fragen: Kann man nicht auch so zu dir gehören, ohne besondere Beziehungen mit deinen sogenannten Anhängern zu unterhalten? Ich möchte ein Christ sein, aber ohne die sogenannte Gemeinde, ohne Kirche und all das.“ Jesus hörte ihm aufmerksam zu, dann sagte er: „Hör zu, ich will dir eine Geschichte erzählen: Da waren ein paar Männer, die saßen eines Tages im Gespräch zusammen. Als nun der Abend mit der Dunkelheit hereinbrach, errichteten sie einen Holzstoß und entfachten ein Feuer. Nun saßen sie beieinander, die Glut des Feuers erwärmte sie und der Schein der Flammen erhellte ihre Gesichter.

Da war aber einer unter ihnen, der wollte nicht länger im Kreis der anderen sitzen, sondern für sich allein sein. So nahm er ein brennendes Holzscheit vom gemeinsamen Feuer und setzte sich damit abseits nieder, fern von den andern. Das glimmende Holzscheit leuchtete auch ihm und strahlte Wärme aus. Bald aber ließ die Glut nach und der allein sitzende Mann spürte erneut die Dunkelheit und die Kälte der Nacht. Da besann er sich und nahm das schon erkaltete Stück Holz und trug es zurück in die Glut des großen Feuers, wo es sich wieder entzündete, Feuer fing und zu brennen begann. Und der Mann setzte sich wieder in den Kreis der andern. Er wärmte sich auf und der Schein der Flammen erhellte sein Gesicht.“ Jesus fügte hinzu: „Wer zu mir gehört, ist dem Feuer nahe. Ich bin gekommen, um das große Feuer auf der Erde zu entzünden und wie sehr sehne ich mich danach, es hell auflodern zu sehen!“

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