WORT ZUM SONNTAG: Gedanken zum Hirtensonntag

Sonntag, 22. April 2012

Der Apostel Petrus hatte am See Genezareth den Ruf Jesu gehört: „Folge mir nach!“ Darauf ließ er seine Netze zurück und wurde ein Nachfolger, ein Jünger Jesu. Jesus ging voran. Jesus kannte seinen Weg und wanderte unbeirrt nach Jerusalem und Petrus folgte ihm nach. Er vertraute sein Leben ganz seinem Herrn an und fragte nicht, was aus dem Weg werden würde. Er ging einfach mit und erkannte, wem er nachfolgte: seinem guten Hirten.

So sorgte Jesus für alle seine Jünger. Er belehrte sie und führte sie ins Evangelium ein. Er ließ sie nicht ohne seine Hilfe, als sie zum ersten Mal ausgesandt wurden und allein ihren Weg gehen mussten. Sie wurden mit Vollmacht ausgerüstet und erlebten, dass Jesus auch dann mit ihnen war, wenn er ihnen nicht voranging oder in ihrer unmittelbaren Nähe weilte. Der Lebensweg eines Christen wird gerne auch als Weg der Nachfolge bezeichnet. Aber Nachfolge heißt nicht nur, in den Fußstapfen des Meisters zu gehen, sondern auch in seinem Sinne das Leben zu gestalten. Petrus hat an uns alle diese Aufforderung hinterlassen. Er schreibt in seinem Brief: „Ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen“.

Wie kann man sich das heute vorstellen?
Mitte Februar, wenn der schönste Schnee im Gebirge liegt, mussten die Jugendlichen einer Jugendgruppe eine besondere Erfahrung machen. Viele waren zum ersten Mal im Winter im Gebirge und in der Freude über den tiefen, unberührten Schnee waren sie kaum zu halten. Die meisten hatten noch nicht auf Skiern gestanden. So war vieles, eigentlich fast alles, neu für sie. Ich machte sie mit einigen Regeln vertraut, wie man am besten im hohen Schnee unterwegs ist. Der erste hat die Aufgabe zu spuren. Weil das anstrengend ist, durch den tiefen Schnee den Weg zu treten, wird er abgewechselt. Die Folgenden sollen in die Fußstapfen des ersten treten, um Kraft zu sparen und nicht so nass zu werden. Und auch bei der Abfahrt durch den Tiefschnee ist es von Vorteil, wenn man in der bereits gefahrenen Spur nach unten fährt, weil es sich schneller und leichter fährt. Aber die Freude über die Natur und den Schnee ließ sie diese Ratschläge nicht beachten. Sie liefen und sprangen durcheinander und hinterließen eine straßenbreite, zertretene Spur wie eine hirtenlose Schafherde. Doch nach einer Stunde waren sie bereits erschöpft und mussten eine Pause einlegen. Das Ziel war noch weit entfernt und der Weg schien sich in die Länge zu ziehen. Da entdeckten sie, dass es viel einfacher ging, wenn man nicht bis zum Bauch im tiefen Schnee steckt, sondern einfach in die getreten Spur hineintritt. Auf einmal war das Vorankommen viel leichter und die Freude an der Wanderung hatte sich wieder eingestellt.

In dem alten Lied: „Jesu geh voran auf der Lebensbahn“, steht im Hintergrund eine ähnliche Erfahrung. „Jesu geh voran und bahne unsern Weg! Zeige mir, wo ich gut gehen kann. Da, wo du gegangen bist, da kann ich auch gehen. Du hast den Weg gehbar gemacht und in deinen Spuren erreichen wir das Ziel.“Mit den Spuren Christi hat es noch etwas Besonderes auf sich: Sie passen für jeden Fuß. Trotzdem muss man schon auf seine Füße achten und den Mut haben, den vorgezeichneten Weg zu gehen. Das musste auch Petrus erfahren, als er im Hof des Pilatus Jesus verleugnete. Jesus hatte es ihm vorhergesagt und er hatte sich nicht vorstellen können, dass er jemals seinen Meister verleugnen würde. Wer hätte es aber vorher wissen können, dass der Weg Jesu direkt zum Kreuz führte. War das nicht Endstation? Wer ist schon so stark, dass er auch diesem Weg folgen kann?Die Botschaft vom Kreuz ist keine Wohlfühlbotschaft. Gerade sie kennt Leid und Tod und akzeptiert die schweren Seiten des Lebens. Wir sind sterbliche Menschen und es ist schwer, sich zum Frieden durchzuringen, das Heil anzunehmen und die eigenen Sorgen Gott zu überlassen. Wir erfahren unsere Grenzen und unsere Endlichkeit immer wieder. Wenn wir Jesu nachfolgen und sein Opfer in Anspruch nehmen, dann dürfen wir uns aufgehoben fühlen. Durch ihn bekommen wir die Vergebung zugesprochen. Das kann bedeuten, Frieden zu finden, indem wir uns selbst auch vergeben können. Frieden zu finden, indem wir mit unserem Nächsten und Nachbarn Frieden machen. Es kann auch bedeuten, die Kraft zu finden, die Verzweiflung zu Gott zu schieben, sie zu ihm zu bringen und getröstet und gestärkt weiterzugehen.Und dann wählt Petrus die Worte vom guten Hirten: „Denn Ihr wart wie irrende Schafe; aber nun seid Ihr bekehrt zu dem Hirten und Bischof Eurer Seelen“.

Schäfer zu sein, scheint eine langweilige, tatenlose Aufgabe zu sein. Aber das ist sie nicht. Ein Kenner sieht, was der Schäfer leistet. Er gibt den Tieren Sicherheit und Richtung. Wenn er geht, dann folgen ihm die Tiere und er führt sie zu guter Weide. Es ist ein tiefsinniges und ein schönes Bild, das Jesus wählt, wenn er sagt: „Ich bin der gute Hirte!“ Dieses Bild will uns einladen, dass wir ihm nachfolgen sollen. In Jesu Spuren kann jeder sicher voranschreiten und sein Leben gestalten. Amen.

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