WORT ZUM SONNTAG: Geistige Straßenbauer

Samstag, 12. Dezember 2015

Oft beschließen mehrere Wirtschaftsleute ein gemeinsames Unternehmen, das guten Gewinn abwerfen soll. Wird nicht sofort begonnen, rufen Ungeduldige aus: „Worauf warten wir noch?“ Ja, worauf warten wir alle? Der Arbeiter wartet auf den Lohn, der Kranke auf die Gesundheit, der Sportler, der Sänger, die Filmdiva auf Erfolg und Ruhm. Es gibt so viele Dinge, auf die wir warten. Leider erfüllen sich die Hoffnungen, die wir in die Dinge investieren, oft nicht. Am Ende steht die Enttäuschung, die nicht selten in Depression umschlägt. Wir dürfen mit unserem Hoffen und Trachten nicht einzig vorläufige Ziele ansteuern, denn am Ende werden wir immer Verlierer sein. Worauf sollen wir hoffen und warten? Für den großen deutschen Philosophen Kant war diese Frage eine der wichtigsten Fragen des Menschen überhaupt. Er selbst konnte sie nicht lösen und wies diese Frage der Religion zu. Es ist die große Adventsfrage der Menschheit. Die Antwort darauf weiß nur die christliche Botschaft. Wollen wir das verheißene ewige Heil erlangen, dürfen wir nicht warten, dass es uns wie eine gebratene Taube in den Mund fliegt. Wir müssen, um in der Computersprache zu reden, unser Leben „programmieren“. Man kann es richtig aber auch falsch programmieren.

Zwei Brüder träumten davon, berühmt zu werden. Eines Nachts hatten sie denselben Traum. Eine Fee erschien ihnen und führte sie in eine hohe Halle, in der sich zwei Portale befanden. Sie sprach zu jedem: „Schau dir genau die beiden Portale an und entscheide dich, durch welche Tür du die Halle verlassen willst!“ Das eine Portal hatte in der Mitte eine Tür, hoch und prächtig, mit goldenen Beschlägen. Man musste sich wie ein Fürst fühlen, wenn man hindurchschritt. Rechts und links von dieser Prachttür waren zwei kleine Türen, durch die man nur gebückt gehen konnte. Das andere Portal hatte in der Mitte eine kleine Tür, rechts und links aber zwei große, prächtige Türen. Die zwei Brüder waren in ihrem Traum unsicher und fragten die Fee, was das zu bedeuten habe. „Ganz einfach“, antwortete sie, „durch das eine Portal kannst nur du aufrecht schreiten und alle anderen neben dir müssen gebückt durch die beiden kleinen Türen gehen. Durch das andere Portal kannst nur du gebückt gehen, die Menschen neben dir aber schreiten aufrecht hindurch.“

Bis zu diesem Punkt hatten die Brüder den gleichen Traum. Der eine entschied sich dafür, aufrecht und prächtig schreitend durch das mittlere Portal zu gehen, denn er dachte sich: „Sollen die anderen doch den Kopf einziehen und sich klein machen“. Der andere entschied sich für die kleine Pforte, denn er sagte sich: „Das will ich keinem Mitmenschen zumuten, dass er wegen mir den Kopf einziehen muss. Denn wer die anderen neben sich klein macht, ist niemals groß!“ Beide wurden in der Welt berühmt. Der eine wurde ein Diktator und unterdrückte seine Untertanen, als er starb, jubelten die Leute: „Gut, dass es ihn nicht mehr gibt!“ Er hatte sein Leben schlecht programmiert. Der andere wurde ein großer Helfer seiner Mitmenschen. Als er starb, da weinten die Leute: „Wir haben einen guten Vater verloren!“ Er hatte sein Leben richtig programmiert.

Wie wollen wir unser Leben programmieren? Wir müssen geistige Straßenbauer werden. Dazu ruft uns im Lukasevangelium Johannes der Täufer zu: „Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Straßen eben! Jedes Tal soll ausgefüllt, jeder Berg und Hügel abgetragen werden; was krumm ist, soll gerade und was rau ist, zu ebenen Wegen werden!“ Worauf warten wir noch? Machen wir uns an die Arbeit. Für den geistigen Straßenbau ist der Advent die geeignetste Zeit. Dazu benötigen wir weder Bagger noch Walzen. Überbrücken wir die Täler der Lauheit und Gleichgültigkeit mit dem Viadukt des religiösen Eifers. Tragen wir die Berge des Hochmuts und die Hügel des Eigendünkels mit der Planierraupe der Demut ab. Mit unserer Glaubenskraft machen wir die Pilgerstraße verkehrstüchtig. Bringen wird die Orientierungstafeln des Evangeliums und die Warntafeln vor Sünde und Schuld an. Dann haben wird eine gute Pilgerstraße gebaut und werden das Reiseziel unseres Lebens gut erreichen: „Gottes Heil!“

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