WORT ZUM SONNTAG: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit

Sonntag, 16. Februar 2014

Liebe Leserinnen und Leser,

mit dem kommenden Sonntag, Septuagesimae, beginnt die Vorfastenzeit. Der Name deutet auf die 70 Tage hin, die mit dem Sonntag nach Ostern, Quasimodogeniti, vorüber sind. Das Thema „Lohn und Gnade“ wird vom Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt. 20,1-16) abgeleitet. Dabei werden zwei Aspekte deutlich: Während der Lohn verdient wird und somit berechenbar ist, so ist die Gnade unverdient und dementsprechend auch unberechenbar.

Es wird im Evangelium von einem Weinbergbesitzer erzählt, der Tagelöhner anstellt. Und wie jeder geschäftstüchtige Mann handelt er mit den Arbeitern am frühen Morgen einen Preis aus. Einen Silbergroschen sollten sie am Ende des Tages bekommen. Die Angestellten scheinen zunächst einverstanden zu sein. Zunächst, denn kurze Zeit vor Feierabend werden vom Besitzer noch andere Arbeiter angestellt. Alles schön und gut, nichts Außergewöhnliches. Als aber nun die Stunde des Lohns schlägt, stellen diejenigen, die den ganzen Tag in der prallen Sonne geschuftet haben, fest, dass die später Dazugekommen denselben Lohn empfangen haben. Wie bitte soll man das verstehen? Ist das gerecht, was der Besitzer da macht? Ist das fair? Nun, hierzu mögen sich vielleicht die Geister scheiden. Einige würden vielleicht ihre Empörung aussprechen. Andere würden sagen, dass es das Recht des Besitzers ist, mit dem, was sein ist, zu machen, was er will. Wie dem auch sei, man muss trotzdem sagen, dass der Weinbergbesitzer letzten Endes nichts Unrechtes getan hat. Er hat sein Wort gegenüber den Tagelöhnern ja nicht gebrochen. Alle haben den vereinbarten Lohn empfangen, von dem übrigens eine Familie einen Tag lang sehr gut auskommen konnte.

Jetzt unabhängig davon, wie jeder von uns darüber denkt, muss man hervorheben, dass es sich hierbei um ein Gleichnis handelt. Und immer wenn Jesus ein Gleichnis erzählt, will er etwas anderes damit sagen. Er möchte uns mit diesem Gleichnis auf die Gerechtigkeit Gottes verweisen, die mit ganz anderen Maßstäben misst, als wir Menschen es gewohnt sind. Denn wie würde ein Geschäftsmann heute in derselben Situation handeln? Zunächst würde er den kleinsten Lohn zahlen. Solche Fälle kennen wir, denke ich, mehr als genug, auch in unserem Umkreis. Ob man davon eine Familie ernähren kann, interessiert keinen. Und dann würden später Dazugekommene nur noch einen Bruchteil von einem Tageslohn bekommen, nie aber das volle Tagesgeld. Vielleicht ist das in den Augen vieler auch so gerecht, dass die einen mehr und die anderen weniger bekommen. Denn so denken und so handeln Menschen nun einmal, nicht aber Gott. Seine Gnade und Güte gilt für jeden Menschen. Ein zu spät gibt es bei ihm nicht. Selbst der Räuber, der zusammen mit Jesus am Kreuz hing, hat im letzten Moment seines Lebens die Gnade Gottes erfahren dürfen. Und sein Leben bis dahin war bestimmt alles andere als gottgefällig. Sogar im Tod bleibt die Gnade Gottes wirksam. Denn dazu ist unser Herr Jesus Christus in das Reich des Todes hinabgestiegen, um alle, die seiner Einladung folgen, in das himmlische Reich zu führen. Doch verdienen kann die Gnade Gottes keiner von uns, weder durch Werke noch durch Taten. Sie ist und bleibt ein Geschenk.

Dürfen wir uns deshalb anmaßen, darüber zu urteilen, was bei Gott gerecht ist und was nicht? Haben wir die Antworten auf alle Fragen dieser Welt? Können wir Gott an unseren Maßstäben messen?
Uns Menschen fehlen einfach die Einsicht und der Überblick, wozu bestimmte Dinge auf dieser Welt geschehen und wohin sie uns und unser Leben führen, selbst wenn wir immer mehr Geheimnisse des Lebens und der Welt lüften und begreifen.

Vielleicht hat der Apostel Paulus recht, wenn er in seinem Römerbrief in Kap. 9 sagt: „So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.“ Also: Alles ist allein seine Entscheidung! Und letzten Endes: „Wer bist du denn Mensch, dass du mit Gott richtest?“
Das heißt aber nicht, dass wir nicht mehr nach dem Weg und dem Willen Gottes fragen dürfen. Wir dürfen und sollen ihn mit unseren Fragen bedrängen, ihm unsere Ängste, Zweifel und Schmerzen vorbringen. Wir dürfen auch mit all dem, was wir nicht verstehen, womit wir nicht zurechtkommen, an ihn herantreten und auf seine Gerechtigkeit und sein Erbarmen vertrauen. Ganz im Sinne des Wochenspruchs: „Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit“.(Daniel 9,18b)

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