WORT ZUM SONNTAG: Glaube und Wissen

Sonntag, 15. April 2012

Gibt es einen Widerspruch zwischen unserem geoffenbarten christlichen Glauben und der Naturwissenschaft? Er entsteht nur dort, wo Wissenschaftler als Axiom die Behauptung aufstellen: Es gibt nichts Übernatürliches, also kann es auch nicht auf unsere Welt einwirken! Können sie das wissenschaftlich beweisen? Sie können es nicht. Sie stellen diese Behauptung als Postulat auf, dem sie natürlich „gläubig“ zustimmen müssen. Wir sehen, auch bei den Naturgläubigen gibt es einen Glauben, aber nur einen negativen.

Wie stellen wir gläubigen Christen uns dazu? In einer kleinen Gesellschaft von Gebildeten und Halbgebildeten wurde über Ewigkeit, Himmel und Hölle, also über die Übernatur gestritten. Ein Wissenschaftler sprach über die Seelenwanderung und behauptete, sie sei „wissenschaftlich unanfechtbar“. Da verstummten die Naturgläubigen, denn für sie war die Wissenschaft ihre Lebensbibel. Ein gläubiger Mann ergriff auch das Wort: „Sie lachen über den Christenglauben, als wäre er abgetan. Und Sie meinen, die Wissenschaft sei gegen den Glauben an die Übernatur. Das stimmt nicht. Wissen Sie meine Herren, wie mir Ihr ‘wissenschaftliches Gerede’ vorkommt? Sie sind wie der Tintenfisch, der auf dem Boden des Meeres in ewigem Dunkel haust, das nur von den schwachen Leuchtorganen der Tiefseetiere ein wenig erhellt wird. Der Tintenfisch wollte sich fast totlachen, als eines Tages ein fliegender Fisch ihm von Bergen und Tälern, von Wäldern und Städten, von Sonne und Mond erzählte, die er an der Oberfläche des Wassers gesehen hatte. Der Tiefseefisch spottete: ‘Nein, so etwas machst du mir nicht vor. Ich habe so etwas noch nie gesehen, darum glaube ich es auch nicht. So etwas gibt es überhaupt nicht. Alle, die so etwas behaupten, sind Phantasten und Schwärmer! Unsere Tiefseewissenschaft lehnt das vollkommen ab.’ Sie, meine Herren, machen es wie dieser Tintenfisch.“

Shakespeare lässt in einem seiner Werke einen Mann ausrufen: „Es gibt noch mehr Dinge im Himmel und auf Erden, als eure Schulweisheit träumen kann!“ Kann es überhaupt zwischen Wissenschaft und geoffenbartem Glauben einen vernünftigen Widerspruch geben? Professor Saunders aus Kanada erklärt dazu: „Einen Konflikt zwischen Glauben und Wissen kann es nicht geben. Die Religion befasst sich mit Gott, die Wissenschaft studiert seine Werke. Es sind also zwei ganz verschiedene Ebenen. Alles Gerede über den Zwiespalt zwischen Glaube und Wissen ist Spiegelfechterei!“ Der große französische Chemiker J. R. Dumas erklärte in einer Debatte an der Französischen Akademie, dem höchsten Wissenschaftsforum Frankreichs: „Der Gott der Offenbarung ist derselbe Gott wie der Schöpfer der Natur. Die Wissenschaft tut dem Glauben nichts zu leide und noch weniger der Glaube der Wissenschaft.“ Wissenschaftler sind mit der Wissenschaft nicht identisch, sie befassen sich nur mit der Wissenschaft. Sie sind, wie wir alle. Menschen aus Fleisch und Blut, behaftet mit Neigungen und Schwächen des Leibes und des Geistes.

Wenn manche Wissenschaftler ungläubig werden, so resultiert das nicht aus ihren Forschungen. Die Wissenschaft fordert weder Gebote noch Verbote für die Lebensführung. Das tut aber die Religion. Sie fordert uns mit großem Nachdruck auf, uns von den „irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben“. Die sittliche Kraft dazu kommt nicht von der Wissenschaft, sondern von der Religion.

Der Nobelpreisträger und Entdecker der Radioaktivität Becquerel war anfangs ungläubig, „aber“, so schrieb er, „meine Arbeiten haben mich wieder zu Gott zurückgeführt. Bleiben wir dem Glauben treu, dann ersparen wir uns den Umkehrweg.“

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