WORT ZUM SONNTAG: Glauben heißt: mehr wissen

Sonntag, 03. August 2014

Wenn vom christlichen Glauben die Rede ist, sagen manche Leute abwertend: „Glauben heißt: nichts wissen!“ Stimmt das? Die Naturwissenschaftler bringen Resultate, die sich überprüfen lassen. Wollen Wissenschaftler aber Erkenntnisse vermitteln, die über ihre erforschten Resultate hinausgehen, müssen sie Hypothesen aufstellen, die man wohl glauben, aber wissenschaftlich nicht überprüfen kann. Auch Hypothesen erfordern Glauben.
Wie steht es mit unserem christlichen Glauben? Er besteht nicht aus Hypothesen wie die philosophischen Systeme, sondern er ist die Offenbarung Gottes an uns Menschen durch Jesus Christus. Er gibt uns Antwort, wo Naturforschung und Philosophie überfordert sind: Wozu sind wir auf Erden und was ist unser Endziel! Das Heilswissen des christlichen Glaubens ist kein Endprodukt von Forschern und Philosophen, sondern eine Offenbarung Gottes. So stammt der christliche Glaube nicht von der Erde, sondern vom Himmel. Kein Sterblicher hat es gewagt, das Wort, das Christus gesprochen hat, in den eigenen Mund zu nehmen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“ Im 2. Petrusbrief beteuert der Apostel: „Wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, verkündeten, sondern waren Augenzeugen seiner Macht und Größe!“ Und im Prolog des Johannesevangeliums heißt es: „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, Er hat Kunde gebracht!“ Der christliche Offenbarungsglaube bringt ein Wissen, dem keine menschliche Wissenschaft gleichkommt. Darum ist es falsch über den christlichen Glauben zu urteilen: „Glauben heißt, nichts wissen.“ Das Gegenteil ist wahr: „Glauben heißt, mehr wissen!“ Für uns stellt sich die Frage: Wollen wir Hypothesengläubige oder Christgläubige sein?

Seit dem ersten Pfingstfest haben es sich christusbegeisterte Menschen zur Lebensaufgabe gemacht, das Heilswissen des christlichen Offenbarungsglaubens den Mitmenschen zu vermitteln. Ein solch begeisterter Glaubensbote war der Italiener Antonio Baldinucci. Er wurde im Jahre 1665 in Florenz in eine reich begüterte Familie hineingeboren. Der Vater war ein berühmter Kunsthistoriker und pflegte gute Beziehungen zum Hofe. Antonio hatte durchaus das Zeug dazu, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Er war mit einer Fülle von Gaben der Natur und des Geistes ausgerüstet. Sein frohes Gemüt machte ihn zu einem Sonnenjüngling. Schon früh bemühte er sich, vor allem ein Gnadenkind zu werden. Bereits mit 13 Jahren war er so herangereift, dass er in sein Merkbüchlein schrieb: „Ich will mich niemals loben; nichts tun und sagen, wodurch andere verletzt werden können; lieber sterben, als meine Zunge mit der geringsten Lüge beflecken!“
Zu seinem Vorbild erwählte er sich den hl. Aloisius von Gonzaga (1568-1591). Das war nicht verwunderlich. Zwei Häuser von seiner elterlicher Wohnung entfernt, stand das Haus, in dem Aloisius einige Zeit gelebt hatte. Antonio trat, wie einst sein Vorbild, in den Jesuitenorden ein. Sein Wunsch war, als Missionar ausgebildet zu werden, um in den Heidenländern die Heilsbotschaft Christi zu verkünden. Seine heimliche Hoffnung war, als Glaubenszeuge sein Blut für Christus vergießen zu dürfen.
Wie verschieden doch die Zukunftswünsche junger Leute sind. Heute wollen junge Männer Sänger, Film- oder Fußballstars werden. Andere wollen später in Politik oder Wirtschaft kräftig Geld scheffeln. – Antonio schloss mit seinem Bruder, der ebenfalls Priester geworden war, ein großherziges Abkommen: An allen Festen der Gottesmutter wollten sie die hl. Messe füreinander aufopfern, um die Gnade des Martyriums zu erlangen.

Sein sehnlichster Wunsch, in die Heidenmission gesandt zu werden, ging nicht in Erfüllung. Seine Oberen hatten wegen seiner schwachen Gesundheit ernste Bedenken. Antonio fügte sich demütig ihrer Entscheidung und erfüllte die ihm aufgetragenen Aufgaben. In Frascati unterrichtete er Philosophie und Moraltheologie. Aber bald sollte seine große Zeit kommen. Da er nicht in der Heidenmission wirken konnte, wurde er Volksmissionar im eigenen Land. Er wurde in Italien einer der erfolgreichsten Volksmissionare seines Jahrhunderts. Barfuß zog er von Ort zu Ort. Die heilsbegierigen Menschen strömten ihm in großen Scharen zu. Die Räume der Gotteshäuser reichten für die Zuhörer nicht mehr aus. Er predigte im Freien, manchmal vor 30.000 Zuhörern. Es ist ein Wunder, wie er sich Gehör verschaffen konnte, wo wir heute schon in einem mittelgroßen Saal Mikrofone benötigen. Von 1695 bis zu seinem Tode im Jahre 1717 hielt er um Frascati und Viterbo 448 Volksmissionen ab. Die Früchte seines Wirkens sollten erhalten bleiben und weiter gepflegt werden. Deshalb gründete er überall Marianische Kongregationen. Glaubensstärke und Großherzigkeit sollten die Menschenherzen dauernd beherrschen. – Erst 52 Jahre alt starb er 1717 mit den Worten: „Jesus, meine Liebe, ich sterbe aus Liebe zu Dir!“ – Ein Mensch, der sein Leben auf den Sand von Hypothesen baut, kann ein solches Opferleben nicht führen. Gründen wir unser Leben auf den Felsen Christi. Seine Heilslehre gibt uns Kraft, das Leben zu meistern.

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