WORT ZUM SONNTAG: Gott hat Ja zu Dir gesagt!

Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. Johannes 1,29

Sonntag, 12. August 2018

Liebe Geschwister, wie kommen diese Worte des Täufers Johannes in die Abendmahlsliturgie hinein, dazu noch als gesungenes Gebet: „Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd` der Welt, erbarm dich unser!” Das sogenannte „Agnus Dei“ wird enträtselt einerseits durch die Passa-Opferung im Alten Bund des Volkes Israel, die sich im Opfertod Christi erfüllt, vgl. etwa Hebräer 9: „Am Ende der Welt ist er einmal erschienen, durch sein eigen Opfer die Sünde aufzuheben“; und andererseits im Geheimnis der himmlischen Liturgie, die sich in der Feier des Abendmahles spiegelt und die sich gleichfalls am gekreuzigten und auferstandenen Christus ausrichtet: „Und ich hörte eine Stimme vieler Engel: Das Lamm, das geopfert ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob“, Offenbarung 5.

Die Schau des Johannes in die Vergangenheit wie auch in die Zukunft macht vielleicht neugierig, sodass ich auf eine Pilgerfahrt einladen darf: nach Johannisdorf in Siebenbürgen, rumänisch Sântioana. Der Ort wurde 1303 zum ersten Mal urkundlich erwähnt als eine Gründung der Eppeschdorfer Grafen und liegt im heute ebenso ausgedünnten wie verkannten Zwischen-Kokelgebiet. Das Dorf ist von Elisabethstadt (früher Eppeschdorf) her zu erreichen und liegt 10 km entfernt in einem romantischen Seitental Richtung Norden. Es erinnert den Besucher an mindestens vier Dinge: Erstens an den Namenspatron Johannes, den Täufer Jesu, die „Stimme in der Wüste”, „den Freund des Bräutigams” Johannes 3, an dem sich die Ortsgemeinde Orientierung nahm: ein Leben zu führen als Hinweis auf Christus, „gestern, heute und in Ewigkeit“, Hebräer 13.

Johannisdorf erinnert aber auch daran, dass ein Drittel aller Sachsen in Siebenbürgen Leibeigene waren, also keine freien Bauern; ab 1751 haben sie mit den oft ungerechten Landherren einen Jahrhundertprozess geführt, als Verband der sogenannten „Dreizehn Dörfer”. Am 24. Juni, dem Johannistag des Jahres 1849, wurde die Befreiung von der Leibeigenschaft verkündet und daraufhin mit dem jährlichen Kronenfest gefeiert: reale Befreiung als Kirchen- und Glaubensfest.

Drittens: Gott hat an unserer Kirche Gericht gehalten; unsere Gemeinde ist hier erloschen, man sieht es der relativ jungen Kirche an: 1897 mit Hilfe des Gustav-Adolf-Vereins erbaut, ist sie bereits nach hundert Jahren verwaist. Heute findet hier lediglich einmal im Jahr eine Abendmahlsfeier statt: am Johannistag, 16 Uhr. So wie der Täufer Johannes in einem wüsten und verlassenen Gebiet lebte, predigte und taufte, so erscheint es auch uns angemessen, auch unwirtliche und zurückgezogene Orte aufzusuchen und auszuhalten, um sich ganz in die Gegenwart Gottes zu stellen, wo und wann immer Er uns in karge Lebenserfahrungen und -Phasen bestellt.

Johannisdorf erinnert uns nicht zuletzt an unsere eigene Taufe, durch die uns zugesprochen wird: Gott hat Ja zu dir gesagt! Ehe du zur Welt gekommen, hat er dich schon angenommen; ehe du nach ihm gefragt, hat Gott Ja zu dir gesagt! Gott hat uns nicht nur eine kulturelle Aufwertung unseres Lebens beschert, sondern uns förmlich herausgerettet aus bedrängender Schuld, aus Tod und Verzweiflung und hat uns zu Bürgern des Himmels berufen. Daran soll uns das Taufbecken in unserer Kirche erinnern, das keinesfalls weggeschoben oder versteckt, sondern gut sichtbar und unverrückbar in das Sichtfeld des Gottesdienstraumes gehört. Unsere Taufe ist nämlich keine Variable, sondern die feste und tröstliche Konstante in unserem Glaubensleben: „Du bist in Christus eingesenkt, Du bist mit Seinem Geist beschenkt.“

Luther berief sich oft auf die Taufe und betete, wie wir auch zu beten ermutigt werden: „Herr Jesus Christus, ich danke Dir, dass Du mich durch die heilige Taufe Deiner Christenheit eingegliedert und zu Deinem Kind und Erben des ewigen Lebens gemacht hast.

Vergib mir, wo ich meinen Taufbund nicht gehalten habe. Ich entsage dem Teufel und allen seinen Werken und allem seinem Wesen und ergebe mich Dir, Du Dreieiniger Gott, im Glauben und Gehorsam Dir treu zu sein bis an mein letztes Ende.

Herr, lass den alten Menschen in mir durch tägliche Reue und Buße sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten und täglich auferstehen einen neuen Menschen, der in Gerechtigkeit und Reinheit vor Dir ewig lebe. Amen“

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