WORT ZUM SONNTAG: Gott schenkt Zukunft

Sonntag, 28. Oktober 2012

Die Führung des Volkes Israel war schlecht und so gab es auch keinen Halt mehr im Land. Nebukadnezar, König von Babylonien, nahm das Land Israel ein. Vor allem nahm er Jerusalem ein und brachte die Oberschicht ins Exil nach Babylonien. Als der Statthalter in Jerusalem einen Aufstand versuchte, wurde 587 v. Chr. Jerusalem wieder eingenommen und diesmal wurde auch der Tempel niedergerissen, die Stadtmauer zerstört und viele Menschen nach Babylonien verschleppt.Und nun waren diese Menschen in Babylonien im heutigen Irak und fragten sich, wie das Leben weitergehen kann. Sie hatten nichts, außer der Möglichkeit dort zu leben. Was sie in sich trugen, das war der Glaube an den Gott der Väter, an den Gott Abrahams, Jakobs und Isaaks. Doch es gab keinen Tempel mehr. Zerstört lag das Zentrum ihres Glaubens danieder. Lag damit nicht auch die Macht Gottes danieder?Wie können wir ein Gotteslied singen in einem fremden Land? Wie können wir ein Gotteslied singen, wenn Gott nicht mehr gegenwärtig ist?Die alte Frage nach Gott im Leid taucht hier wieder auf.Wie antwortet Gott darauf?Er lässt seinen Propheten Jeremia einen Brief schreiben, und zwar aus Jerusalem. „So sagt Gott zu allen in der Verbannung, die ich aus Jerusalem in die Verbannung nach Babel geführt habe: Baut Häuser und wohnt darin! Pflanzt Gärten und verzehrt ihren Ertrag. Heiratet und bekommt Söhne und Töchter.

Verheiratet eure Söhne und Töchter, sodass auch sie Söhne und Töchter bekommen. Vermehrt euch dort, werdet nicht weniger. Seid um das Wohl der Stadt, in die ich euch verbannt habe, besorgt. Betet um ihretwillen zu Gott, denn in ihrem Wohl liegt auch euer Wohl.“Stellen Sie sich das vor. Sie sind vertrieben, heimatlos, in einem Land, dessen Sitten und Gebräuche fremd sind. Ein Land, in dem die Menschen völlig anders leben, als Sie das gewohnt sind und waren. Ein Land, in dem eine völlig andere Religiosität gelebt wird und der eigene Glaube sehr in Frage gestellt ist.Und dann kommt dieser Brief. Endlich ein Zeichen aus der Heimat, ein Zeichen der Hoffnung, aber mit einem Inhalt, der völlig unerwartet ist.In diesem Brief wird die Lebenssituation ganz neu: Die Verbannung nach Babylonien ist nicht nur eine Strafexpedition des Königs Nebukadnezar, sondern es ist ein Akt Gottes. Doch es wird nicht gesagt, dass dies eine Strafe ist, sondern es wird gesagt, dass Gott darin gegenwärtig ist. Auch die größte Katastrophe ist damit kein gottloser Schicksalsschlag, sondern auch in ihr erweist sich Gott als der Herr der Welt, der seinem Volk treu bleibt.

Gott sagt: Jammert nicht über das über euch gekommene Schicksal. Sondern seht, was ist, seht, was ihr jetzt tun könnt. Macht etwas aus dem jetzigen Leben, akzeptiert die neue Lage. Selbst in dieser Katastrophe ist Gott am Werk und präsent. Ihr seid dem Schicksal nicht ausgeliefert, sondern es ist jetzt eine Aufgabe, die es zu gestalten gilt.Hier wird versucht, den Menschen in der Gefangenschaft einen Freiraum zu schaffen, in dem sie in diesem Leid und mit dem, was sie zu ertragen haben, leben können! Dieses Prophetenwort hat immerwährende Aktualität, obwohl es an Menschen vor 2500 Jahren gesprochen worden ist. Denn wir hören nicht nur von einem geschichtlichen Ereignis, sondern wir nehmen einen geistlichen Gedanken auf, der für uns alle immer wieder wichtig ist.Mitten in einer Lebenssituation, die über Menschen gekommen ist, die sie übermannt hat, kommt etwas ins Spiel, was herausreißt. Gott ist am Werk, er lässt seine geliebten Menschen nicht im Stich. Richte dich ein – Häuser sollen in Babylon gebaut werden, Ehen geschlossen werden, Kinder gezeugt. Baut Häuser und pflanzt Gärten, um davon zu leben. Das sind Hoffnungsbilder, Zukunftsgedanken. Da ist nichts zu hören vom Bejammern des schlimmen Schicksals, das sie ereilt hat.

Nimm die neue Lebenssituation an. Es ist deine Lebensaufgabe, die jetzt neu auf dich zugekommen ist. Lass die Gedanken nicht nach hinten gehen, so sehr das Herz das auch will. Gott steht schon längst vor dir und will mit dir nach vorne gehen, um den neuen Lebensschritt mit dir zu gestalten.Ich allein weiß, was ich mit euch vorhabe, spricht Gott, es sind Pläne des Friedens und nicht des Unglücks; ich will euch Zukunft und Hoffnung geben. „Wenn ihr mich ruft, wenn ihr kommt und zu mir betet, werde ich euch hören. Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden; ja wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, werde ich mich von euch finden lassen. Ich werde euer Schicksal zum Guten wenden.“ So heißt  es weiter im Brief.Eine festere Zusage als diese kann man doch gar nicht erhalten. Gott hat Pläne des Friedens für uns und nicht des Unglücks. Was wollen wir Menschen mehr? Das ist genau das, worauf ich mein Vertrauen setzen möchte: Gott schenkt Zukunft. Die schicksalhafte Lebenssituation ist nicht das letzte Wort, es gibt immer ein Wort, das stärker ist, es ist das Wort Gottes, das Zukunft hat.

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